FC Bayern - Zuchtmeister auf dem Pulverfass

7. August 2009, 10:45 Uhr

Gomez, Timoschtschuk, Olic, Pranjic, Braafheid - viel Geld haben die Bayern ausgegeben, um in Sachen Titel sicher zu gehen. Dennoch kommt es in der neuen Saison wieder nur auf einen an. Wenn der Leistung bringt, ist alles möglich. Wenn nicht, drohen Probleme, Konflikte und verfehlte sportliche Ziele. Von Jens Fischer

Da sind psychologische Fähigkeiten gefragt. War es im vergangenen Jahr noch Jürgen Klinsmann, der die Journalisten und das Bayern-Umfeld mit seinem Dauergrinsen verunsicherte, so ist es nun der Neu-Trainer Louis van Gaal, dem man äußerst vorsichtig begegnen muss. Legendär sind jetzt schon nach wenigen Wochen die Pressekonferenzen des knorrigen Holländers. Verboten sind doppelt gestellte Fragen und zur Schau gestellte Inkompetenz. Van Gaal fühlt sich als Fachmann und will auch so behandelt werden. Und wehe nicht! Van Gaal versteht da keinen Spaß.

Aber genau so einen haben sie in München gesucht nach der vergangenen Larifari-Saison. Einen wie van Gaal, den General, den Zuchtmeister, Moralist und Taktik-Fetischist. Dessen Leitlinien haben die bayerischen Millionarios in der Vorbereitung zu spüren bekommen. Auf dem Platz bei exzessivem und stundenlangem Taktik-Training. Hart, flach und millimetergenau müssen die Pässe kommen. Sonst wird er laut, der neue Boss. Und auch neben dem Platz pflegt van Gaal strenge Sitten. Ordentliches Outfit, einwandfreie Tischmanieren – davon können die Edelkicker seit vielen Wochen ein Liedchen singen.

Ribéry ist unverzichtbar Van Gaal gehört zu den Trainern, die ganz konkrete Vorstellungen haben. So ließ er in den Testspielen konsequent eine A- und eine B-Mannschaft auflaufen. Frühzeitig machte er klar, dass sein bevorzugtes System aus einem 4-4-2 besteht. Umso verwunderlicher wirkt es daher, dass die Bayern-Verantwortlichen darauf verzichtet haben, einen klassischen Spielmacher Marke Diego oder Van der Vaart zu verpflichten.

Nun also steht und fällt das kreative Bayern-Spiel mit einem, dessen Namen im Prinzip seit Monaten mit negativen Schlagzeilen versehen ist: Franck Ribéry. Unmoralisch sei der, weil er lange mit einem Wechsel zu Real Madrid kokettierte. Ein Schauspieler, der Verletzungen vortäusche. Ein "Franzose, dem Bayern wurscht ist" (O-Ton Franz Beckenbauer). Im Prinzip aber ist Ribéry nur eines: Der einzige Spieler, der die Bayern auch im kommenden Jahr auf das so begehrte internationale Spitzenniveau hieven kann. Kann er das auch auf der Spielmacherposition, dort wo so wenig Platz ist für seine wundervollen Sololäufe?

Der müde Pokalsieg der Bayern bei der SpVgg Neckarelz hat bereits gezeigt: Es hakt weiter an vielem im Gefüge des ambitionierten Rekordmeisters. Wie schon zu Klinsmanns Zeiten agierten die Münchner viel zu langsam, viel zu pomadig und auch mal wieder ein wenig zu selbstgefällig. Einzig die vermeintlich eingebaute Torgarantie des neuen Starstürmers Mario Gomez rettete die Münchner beim tapferen Sechstligisten. Auch in diesem Spiel merkte man: Ohne Ribéry scheinen geniale Momente und kreative Kunstgriffe beim Letztjahres-Zweiten nahezu ausgeschlossen zu sein.

Personalien garantieren Zündstoff Hinzu kommen Personalien, die jede Menge Zündstoff mit sich bringen. Angefangen beim Torwart. Van Gaal hat sich für Michael Rensing als Nummer Eins entschieden. Dessen wahres Potenzial ist aber weiter ein Rätsel. Gegen Neckarelz leistete sich Rückkehrer Rensing gleich einmal einen dicken Patzer. Bei der nächsten Fehlleistung geht die Diskussion um ihn von vorne los, das ist jetzt schon klar. In der im letzten Jahr so porösen Innenverteidigung wird Martin Demichelis wegen eines Bänderrisses im Knöchel lange fehlen. Das heißt, der unerfahrene Holger Badstuber darf neben dem eigentlich schon ausgemusterten Daniel van Buyten sein Glück versuchen. Ein wackeliges Gespann.

Dann sind da noch Anatoli Timoschtschuk und Luca Toni. Ersterer, angeblich einer der besten "Sechser" weltweit, wird erst einmal auf der Bank Platz nehmen. Kapitän Mark van Bommel hat ihn verdrängt, man darf gespannt sein, wie lange der eitle Ukrainer sich das anschauen wird. Ebenso Toni. Der ist momentan hinter Gomez, Miroslav Klose und Ivica Olic Stürmer Nummer vier. Ein Wechsel - zum Beispiel zu West Ham United - scheint wahrscheinlich.

Die stern.de-Prognose: Die Bayern kämpfen auch in der kommenden Spielzeit mit vielen Baustellen und persönlichen Befindlichkeiten. Allerdings haben sie sich einen Kader mit exzellenter Qualität zusammengekauft, der der Bundesliga-Konkurrenz überlegen sein dürfte. Entscheidend wird sein, wie die Bayern mit dem Druck zurechtkommen, in dieser Saison auf jeden Fall den Meistertitel holen zu müssen. Da wird schnell jedes Spiel zum Endspiel, eine Situation, die für die Bayern allerdings nicht neu ist. Dennoch: Es wird ein harter Kampf und kein Alleingang. Am Ende schaffen sie es aber und holen den Titel. Dafür wurde schließlich gehörig investiert.

Zugänge: Danjiel Pranjic (SC Heerenveen)
Edson Braafheid (FC Twente Enschede)
Mario Gomez (VfB Stuttgart)
Anatoli Timoschtschuk (Zenit St. Petersburg)
Ivica Olic (Hamburger SV)
Alexander Baumjohann (Borussia M'Gladbach)
Andreas Görlitz (Karlsruher SC)
Thomas Müller (Bayern München II)
Holger Badstuber (Bayern München II)


Abgänge: Tim Borowski (Werder Bremen)
Lucio (Inter Mailand)
Ze Roberto (Hamburger SV)
Lukas Podolski (1. FC Köln)
Massimo Oddo (AC Mailand)
Mats Hummels (Borussia Dortmund)
Willy Sagnol (Karriereende)


Auftaktprogramm: 1899 Hoffenheim - Bayern München
Bayern München - Werder Bremen
Mainz 05 - Bayern München

1899 Hoffenheim

Als Sensations-Herbstmeister überraschten sie in der vergangenen Saison ganz Fußball-Deutschland. Jetzt haben es die Hoffenheimer geschafft - der erste echte Titel ist unter Dach und Fach! Der Dorfclub ist Trikotmeister 2009. Begründung der Modedesign-Jury der Mediadesign Hochschule in Berlin: "Schmucke Matrosen in Himmelblau. Toll geschnitten und perfekt gestaltet." Trikotmeister sind die Leichtmatrosen aus dem Kraichgau also schon mal. Und zu mehr wird es wohl auch nicht reichen.

Ein Hauptgrund: Der Überraschungseffekt aus der Vorsaison, als die Aufsteiger aus Hoffenheim vor allem in der Hinserie beinahe jeden Gegner regelrecht nieder rannten, ist verflogen. Davon konnte man sich ja schon eindrucksvoll überzeugen. Zugegeben: Mit Rekordtorjäger Vedad Ibisevic fehlte den Süddeutschen 17 Spieltage lang ihr wichtigster Mann, aber alleine daran darf man den Niedergang in 2009 nicht festmachen. Vielmehr waren es die Gegner, die sich im Laufe der Saison auf die zum Teil auch überharte Gangart der TSG immer besser einstellen konnten.

Jetzt steht Ralf Rangnick vor der der vielleicht schwierigsten Aufgabe seiner bisherigen Trainer-Laufbahn. Der Trainer-Professor muss beweisen, dass er mit seinem Team auch den nächsten Schritt machen kann. In der Rhein-Neckar-Region wird bereits wieder von der Champions League geträumt. Mäzen Dietmar Hopp und Manager Jan Schindelmeiser bleiben aber auf dem Boden der Tatsachen. Sie haben nach außen gute Leistungen und attraktiven Fußball als Ziel ausgegeben. Mehr nicht. Rangnick wird das kaum reichen. Der ehrgeizige Analytiker, der in Hoffenheim eine Manufaktur für Qualitätsfußball aufgebaut und in nur zweieinhalb Jahren den Drittligisten mit jungen, unbekannten Spielern an die Spitze der Bundesliga geführt hat, strebt mit seinem Team mit aller Macht einen Platz im internationalen Geschäft an. Neue Spieler sollen dabei helfen.

Die Hoffenheimer Scouting-Abteilung hat gute Arbeit geleistet. Mit Franco Zucullini (Racing Club Avellanda) kommt eines der größten Talente Argentiniens. Nationaltrainer Diego Maradona rechnet bereits damit, dass der 18-Jährige schon bei der WM in Südafrika positiv auf sich aufmerksam machen wird. Der hoch veranlagte zentrale Mittelfeldspieler, um den sich auch Werder Bremen intensiv bemüht hat, wird die Bundesliga bereichern. Daran besteht kein Zweifel. Zu den beiden neuen Offensivspielern Prince Tagoe (Al-Ittifaq) und Maicosuel (Botafogo) kann man wenig sagen, sie schnuppern wohl zunächst nur rein. Zum Kauf von Abwehr-Raubein Josip Simunic (Hertha BSC) kann man Hoffenheim indes gratulieren. Der kroatische Nationalspieler war in der abgelaufenen Saison der beste Innenverteidiger der Liga. So weit wird es Christian Eichner (Karlsruher SC) wohl nie bringen, dennoch ist der Linksverteidiger eine wertvolle Defensiv-Alternative für Ralf Rangnick.

Neben Ibisevic, Zucullini und dem bei den Fans wegen seiner Flirterei mit dem VfB Stuttgart in Ungnade gefallenen Stürmer Demba Ba wird auch Carlos Eduardo eine Schlüsselrolle im Team der Kraichgauer zukommen. Rangnick hat den brasilianischen Mittelfeldspieler das Trikot mit der Nummer zehn zugeteilt - und den Exzentriker damit in die Pflicht genommen: "Ich habe gesagt, wenn du sie trägst, verhalte dich entsprechend. Vor allem muss er schlauer und abgeklärter reagieren, wenn er provoziert wird", sagt Rangnick. Eduardo, der in der vergangenen Saison wegen einer Keilerei mit dem Ex-Hamburger Ivica Olic und einem Ellbogenschlag gegen Bochums Philipp Bönig mehrere Wochen gesperrt war, hatte jüngst seinen Vertrag in Hoffenheim bis 2013 verlängert.

Hoffenheim hat durch die Neuverpflichtungen einige gute Spieler dazu gewonnen und dadurch mehr Alternativen. Aber ist die Mannschaft dadurch wirklich stärker? Ist sie endlich auch stabiler? Das Team muss erst beweisen, dass es mehr Qualität hat als im Vorjahr. Die Gefahr eines Absturzes, der vielen Neulingen im zweiten Jahr prophezeit wird, ist jedenfalls latent vorhanden. Dass die zweite Saison traditionell schwerer wird, ist kein Mythos. In der Rückrunde leistete sich Hoffenheim Disziplinlosigkeiten in Serie. Die vielen Platzverweise warfen auch kein gutes Licht auf Trainer Ralf Rangnick. Dieses Problem muss der Trainer dringend in den Griff bekommen.

Die stern.de-Prognose: Kommt zur nachgewiesenen spielerischen Klasse noch Stabilität, und gelingt es Ralf Rangnick endlich, die Disziplinlosigkeiten in den eigenen Reihen abzustellen, reicht es möglicherweise so gerade noch für einen Europa-League-Platz. Realistischer ist allerdings die Wiederholung der Platzierung aus der Vorsaison, also Platz 7.

Zugänge: Josip Simunic (Hertha BSC, 7 Mio.)
Franco Zucullini (Racing Club, 4,6 Mio.)
Maicosuel (Botafogo, 4,5 Mio.)
Christian Eichner (Karlsruher SC, ablösefrei)
Jens Grahl (SpVgg Greuther Fürth, ablösefrei)
Prince Tagoe (Al Ittifaq, ablösefrei)


Abgänge: Steffen Haas (Kickers Offenbach)
Selim Teber (Eintracht Frankfurt)
Christoph Janker (Hertha BSC)


Auftaktprogramm: 1899 Hoffenheim - Bayern München
Bayer Leverkusen - 1899 Hoffenheim
1899 Hoffenheim - Schalke 04

VfL Bochum

Der VfL Bochum holte in der gesamten letzten Vorrunde ganze elf Punkte. Ein Wunder, dass sich das Team von Schweizer Trainer Marcel Koller überhaupt vor dem Abstieg retten konnte. Vor allem auch wenn man bedenkt, dass der VfL mit einer arg dezimierten Mannschaft den Kampf ums Überleben für sich entscheiden konnte. Jetzt, nach einer gelungen Vorbereitung, in der unter anderem ein unbequemer Alpen-Aufstieg das Wir-Gefühl im Team gestärkt haben soll, ist der Konkurrenzkampf bei den Westdeutschen endlich mal wieder voll entbrannt.

Trainer Koller, bei den Fans unbeliebt wie eh und je, kann also aus dem Vollen schöpfen - mit einem beinahe identischen Kader. Alle Leistungsträger blieben dem Club treu, die Mannschaft ist also eingespielt. Hoffnungen auf spielerisch bessere Zeiten wecken vor allem die Rückkehr von Linksverteidiger Christian Fuchs und Topstürmer Stanislav Sestak. Auch im Mittelfeld gibt es spielstarke Alternativen (Joel Epallé, Shinji Ono), und im Tor dürfte Philipp Heerwagen zur Nummer eins aufrücken. Der 26-Jährige strahlte im entscheidenden Saisonfinale und in der Vorbereitung eine größere Sicherheit aus als sein Vorgänger Daniel Fernandes.

Und dann wäre da noch U21-Europameister Dennis Grote. Der Mittelfeldmann ist so manchem ein Rätsel, denn riesiges Talent hat der 22-Jährige zweifelsfrei, doch zu selten zeigt er dies auch im Spiel. Bekommt Grote mehr Einsatzzeiten und schafft den nächsten Sprung, so könnte er sich zu einem festen Bestandteil der Bochumer Stammelf entwickeln. Zum absoluten Führungsspieler hat sich in der letzten Saison endgültig Christoph Dabrowski gemausert. Der Vize-Kapitän zieht vor der Abwehr die Fäden und strahlt Ruhe und Übersicht aus. Mit sechs Toren erzielte der lange Mittelfeldmann zuletzt eine Karrierebestmarke. Gemeinsam mit Skipper Marcel Maltritz gehört Dabrowski zum verlängerten Arm von Trainer Koller auf dem Platz.

Was Neuzugänge betrifft, hat sich der VfL zurückgehalten. Für zusammen nur 1,1 Millionen Euro wurden lediglich Mittelfeldspieler Andreas Johansson aus Schweden (300.000 Euro) und der slowenische Nationalstürmer Zlatko Dedic (800.000 Euro) verpflichtet. Das hört sich wahrlich nicht aufregend an. Einen "größeren Umbruch" plant Sportvorstand und Ex-Keeper Thomas Ernst erst 2010/11. Mal schauen, ob dann auch noch Marcel Koller das neue, frische Geld verplanen darf. Denn die spannendste Frage, die sich so ziemlich jeder vor Beginn der neuen Saison an der Castroper Straße stellt, lautet: "Wie lange hält der Coach den Frontenkrieg zwischen seinen Gegner und Befürworten eigentlich noch aus?"

Die stern.de-Prognose: Der VfL wird den Klassenerhalt mit einem kompletten Kader souverän schaffen, da man ja bereits in der letzten Saison den Abstiegskampf trotz des unfassbaren Verletzungspechs für sich entscheiden konnte. Das eingespielte Team hat noch viel Luft nach oben und ist sogar für die eine oder andere Überraschung gut - auch wegen Topstürmer Stani Sestak. Bochum wird es also erneut packen und am Ende auf Rang 13 landen.

Zugänge: Andreas Johansson (Halmstads BK)
Zlatko Dedic (Frosinone Calcio)
Kevin Vogt (eigene Junioren)
Andreas Luthe (VfL Bochum II)


Abgänge: Heinrich Schmidtgal (Rot-Weiss Oberhausen)
Danny Fuchs (1. FC Kaiserslautern/war ausgeliehen)
Ivo Ilicevic (1.FC Kaiserslautern/ausgeliehen)
David Zajas (SSVg Velbert)
Marcin Mieciel (Legia Warschau)
Oliver Schröder (Hansa Rostock)
Sinan Kaloglu (Vitesse Arnheim)
Andreas Lengsfeld (Ziel unbekannt)

Auftaktprogramm: VfL Bochum - Borussia Mönchengladbach
Schalke 04 - VfL Bochum
VfL Bochum - Hertha BSC Berlin

1. FC Nürnberg

Der "Club" aus dem Frankenland ist nach einem furiosen Schlussspurt in der Zweiten Liga und der locker gewonnenen Relegation gegen Cottbus zurück im Fußball-Oberhaus. Mittlerweile ist der Verein siebenmal auf- und siebenmal abgestiegen und versucht in dieser Saison einmal mehr, in der Bundesliga Fuß zu fassen.

Die "Clubberer" setzen im Jahr eins nach dem überraschenden Rückzug des allmächtigen Präsidenten Michael A. Roth auf einen jungen, aus dem Aufstiegsjahr eingespielten Kader mit einigen erfahrenen Haudegen. Einer davon ist Marek Mintal. Das "Tor-Phantom" hat in der letzten Saison endlich wieder zu seiner alten Torgefährlichkeit zurückgefunden. Ihm wird in der Nürnberger Mannschaft eindeutig eine Schlüsselrolle zukommen. Im Offensiv-Bereich verfügt der Club mit Isaac Boakye, Christian Eigler und Angelos Charisteas über Spieler, die schon einige Erstliga-Spiele auf dem Buckel haben. Allerdings haben alle nie über einen längeren Zeitraum auf Bundesliga-Niveau überzeugen können. Marek Mintal droht somit zum Alleinunterhalter der Abteilung Torgefahr zu werden. Ein durchaus problematischer Umstand. Neuzugang Thomas Broich ist in der offensiven Kreativabteilung eine Alternative, mehr aber auch nicht. Zu oft ist Broich, sicherlich mit guten Anlagen ausgestattet, in Köln seine Tauglichkeit auf gehobenem Niveau schuldig geblieben.

Hinten sieht es da schon etwas besser aus. Immerhin stellte der 1. FC Nürnberg mit nur 29 Gegentreffern die beste Defensive der Zweiten Liga. Kapitän Andreas Wolf, die zentrale Figur auf der Innenverteidiger-Position, fehlte wegen einer Meniskus-Verletzung allerdings lange. Das 19-jährige Talent Havard Nordtveit kommt als Leihgabe von Arsenal London, muss seine Klasse in der rauen Bundesliga-Umgebung aber erst noch beweisen.

Als Trainer leitet Michael Oenning seit knapp einem Jahr die Mannschaft. Ein Mann mit interessanter Vita: Der Sportpädagoge spielte nie Profifußball und erhielt für seine Leistung als Fußball-Kommentator an der Seite von Marcel Reif bei der WM 2002 den Grimmepreis. Cheftrainer wurde Oenning durch den überraschenden Rückzug von Thomas von Heesen eher zufällig. Der 44-Jährige ist ein "Bundesliga-Greenhorn" und hat wenig Erfahrung im Profi-Bereich. Gerade im Abstiegskampf macht aber die Erfahrung nicht selten den Unterschied aus. Bei ersten Misserfolgen sind Kritik und Diskussionen bei den fußballverrückten Franken vorprogrammiert. Wie Oenning mit Krisensituationen und wachsendem Druck umgeht, wird sich noch zeigen müssen.

Die stern.de-Prognose: Der 1. FC Nürnberg wird die Vorreiterrolle bei den "Fahrstuhl-Clubs" wieder bestätigen. Ein guter Offensiv-Mann Mintal ist für die Bundesliga einfach zu wenig. Das kann auch eine mehr oder minder sattelfeste Defensive nicht wettmachen. Der Abstiegskampf in dieser Saison wird zwar eng, doch am Ende ist der "Club" chancenlos und wird als 18. erneut den bitteren Gang in die Zweitklassigkeit antreten müssen.

Von Marius Koch

Zugänge: Havard Nordtveit (Lilleström SK, war ausgeliehen von Arsenal London)
Thomas Broich (1. FC Köln)
Angelos Charisteas (Bayer Leverkusen)
Jonathan Kotzke (1. FC Nürnberg II)
Tomasz Welnicki (VfL Bochum U19)
Güngör Kaya (VfL Bochum U19)


Abgänge: Dominik Reinhardt (FC Augsburg)
Aleksandar Mitreski (FC Sion)
Stefan Reinartz (Bayer Leverkusen)
Jose Goncalves (Heart of Midlothian)


Auftaktprogramm: 1. FC Nürnberg – Schalke 04
Eintracht Frankfurt – 1. FC Nürnberg
1. FC Nürnberg – Hannover 96

VfB Stuttgart

Ein Mann und seine Taten. Was Horst Heldt, seines Zeichens Sportdirektor beim VfB Stuttgart, in den letzten Monaten geleistet hat, ist auf seinem Gebiet durchaus als genial zu bezeichnen. 35 Millionen Euro hatte Heldt mit dem Verkauf seiner Tormaschine Mario Gomez an Bayern München auf das Bankkonto der Stuttgart gescheffelt, danach hieß es: Einen neuen Torjäger braucht das Schwabenland.

Erst Demba Ba, dann Klaas-Jan Huntelaar, darauf Vagner Love - viele Namen machten die Stuttgarter Zeitungen voll, die ersten Schlagzeilen über Heldts Fehlleistungen kursierten. Nur er selbst blieb ruhig und landete im Laufe der vergangenen Woche gleich zwei bemerkenswerte Transfer-Coups. Erst präsentierten die VfB-Verantwortlichen den Rückkehrer Aliaksandr Hleb, der für ein Jahr vom FC Barcelona ausgeliehen werden konnte. Letzten Samstag nach dem 4:1-DFB-Pokalerfolg bei der SG Sonnenhof Großaspach erreichte Heldt dann ein Anruf aus Russland: Der Deal mit Gomez-Nachfolger Pawel Pogrebnjak war perfekt.

Optimale Verstärkungen Mit Hleb und Pogrebnjak haben sich die Stuttgarter optimal verstärkt und zwar genau auf den Positionen, wo es am nötigsten war. Hlebs Aufgabe ist es, in der kommenden Spielzeit für die kreativen Impulse zu sorgen, an denen es im vergangenen Jahr im Stuttgarter Spiel gemangelt hat. Und im Angriff soll Pogrebnjak zusammen mit seinem Sturmpartner Cacau, immerhin mittlerweile deutscher Nationalspieler, die Zuspiele Hlebs in Treffer ummünzen.

Die Erwartungen der schwäbischen Anhänger sind hoch. Mit den genannten hochkarätigen Verpflichtungen ist das Erreichen der "Geldmaschine" Champions League beinahe schon Pflicht. Und national in der Bundesliga sollte die Mannschaft von Trainer-Aufsteiger Markus Babbel unter den ersten Drei zu finden sein, alles andere käme einer Enttäuschung gleich.

Aber die Chancen dafür stehen gut. Besonders in der Defensive überzeugt der VfB mit höchster Qualität. Mit Torwart Jens Lehmann hat der letztjährige Tabellen-Dritte einen Torwart, der in der öffentlichen Wahrnehmung zwar sehr stark polarisiert, auf der anderen Seite aber jede Menge Erfahrung in die Waagschale werfen kann. Davon profitieren seine Vorderleute, allen voran die beiden Innenverteidiger Serdar Tasci und Matthieu Delpierre, ein Duo, das mittlerweile zu den besten der Bundesliga gehört. Im Mittelfeld stehen Babbel mit Thomas Hitzlsperger, Kapitän und Leader, sowie Sami Khedira zwei exzellente "Sechser" zur Verfügung. Dazu Hleb und der junge Timo Gebhardt - das könnte sehr gut funktionieren.

Babbels Spagat und eine Baustelle Für Unruhe könnte die Doppelbelastung des Trainers sorgen. Die Hälfte der Woche verbringt Babbel auf der Schulbank in Köln, die andere Hälfte bei seiner Mannschaft - ein Konstrukt, das Gefahren und Probleme in sich birgt. Was passiert, wenn der VfB in eine Krise schlittert? Kommt Babbel dann noch an seine Spieler heran? Fragen, die wohl erst im weiteren Saisonverlauf beantwortet werden können.

Und dann ist da noch die Baustelle "Mercedes-Benz-Arena". In der Saison 2009/2010 werden die Stuttgarter auf Grund des Stadion-Umbaus zu einer reinen Fußball-Arena auf viele Fans verzichten müssen. Nicht gerade stimmungsfördernd und für die Schwaben sicher ein Manko, da sie in der Vergangenheit doch des Öfteren auch von der Euphorie ihrer Fans getragen wurden.

Die stern.de-Prognose: Es scheint in diesem Jahr beim VfB Stuttgart vieles sehr gut zusammen zu passen. Starker Torwart und Abwehr, das Mittelfeld mit Hleb noch besser geworden, und vorne hoffen alle auf Pogrebnjak. Nur: Der Russe ähnelt einer Wundertüte. Sein wahres Leistungsvermögen ist schwer einzuschätzen. Dennoch ist davon auszugehen, dass Babbels Truppe eine sehr starke Saison spielen wird und sogar Chancen auf die Meisterschaft besitzt. Am Ende steht Platz zwei auf dem Stuttgarter Arbeitszeugnis.

Zugänge: Pavel Pogrebnyak (Zenit St. Petersburg)
Aliaksandr Hleb (FC Barcelona)
Alessandro Riedle (Grasshopper-Club Zürich)
Matthias Schwarz (FC Ingolstadt)
Stefano Celozzi- (Karlsruher SC)
Patrick Funk (VfB Stuttgart II)
Daniel Didavi (VfB Stuttgart II)


Abgänge: Georges Mandjeck (1. FC Kaiserslautern)
Mario Gomez (FC Bayern München)
Danijel Ljuboja (Unbekannt)
Marco Pischorn (VfB Stuttgart II)


Auftaktprogramm: VfL Wolfsburg - VfB Stuttgart
VfB Stuttgart - SC Freiburg
Borussia Dortmund - VfB Stuttgart

Hannover 96

Hannover steckt schon vor dem Beginn der Saison in der Krise und steht vor einer sehr schweren Saison. Im Pokal blamierten sich die 96er beim Viertligisten Eintracht Trier bis auf die Knochen und schieden als zweiter Bundesligist neben Mainz 05 in der ersten Runde aus. Ein schlimmer Tiefschlag, denn gerade in den Pokalwettbewerb hatte man große Hoffnungen gesetzt. In Mainz musste Trainer Jörn Andersen fünf Tage vor Saisonbeginn seinen Hut nehmen und auch Dieter Heckings Platz auf der Trainerbank in Hannover scheint alles andere als gefestigt. Bei den Fans hatte der 45-Jährige schon in der letzten Saison einen schweren Stand und auch jetzt fordern viele seinen Rauswurf. Club-Chef Martin Kind stärkt Hecking allerdings (noch) den Rücken und sagte der "Bild"-Zeitung zu einem möglichen Trainerwechsel: "Das kommt bei uns nicht in Frage."

Positiv für Hannover 96: Robert Enke, einer der besten deutschen Keeper, hat seinem Verein die Treue gehalten und sich nicht zu einem ambitionierten Club verabschiedet. Eine noble Geste, die Enkes völlige Identifikation zu seinem Club unterstreicht, allerdings im Hinblick auf die Weltmeisterschaft 2010 Risiken birgt. Dort möchte Enke nämlich das deutsche Nationaltor als Nummer 1 sauber halten. Auf internationalem Niveau hat er allerdings in Hannover erneut keine Chance, sein Können zu beweisen. In der Bundesliga ist Enkes Tor in der letzten Saison trotz seiner starken Leistungen zur Schießbude verkommen: 69 mal musste Enke hinter sich greifen - Bundesliga-Spitze und eine frustrierende Bilanz für einen Torwart mit solch hohen Ambitionen.

Sparkurs und Verletzungspech Große Hoffnung auf Besserung darf sich Robert Enke wohl auch in dieser Spielzeit nicht machen. Die Clubführung um Chef Martin Kind und Sportdirektor Jörg Schmadtke fährt einen rigorosen Sparkurs. Karim Haggui und Valdet Rama wechseln ablösefrei zu den Niedersachsen, Constant Djakpa ist für kleines Geld ausgeliehen. Stürmer Nelson Cuevas konnte die sportliche Leitung nicht überzeugen und fiel im Test durch. Eine Stelle in der Offensive bleibt also weiter unbesetzt, die Suche hält an. Zu allem Überfluss wird Hannover auch noch vom Verletzungspech verfolgt. Jan Schlaudraff (anhaltende Adduktorenbeschwerden) und Leon Andreasen (Weisheitszahn-OP) werden den Start verpassen, Sergio Pinto zog sich im Testspiel gegen Arsenal London (0:1) eine Meniskus-Verletzung zu und wird einige Wochen pausieren müssen.

Viel wird für Hannover und Dieter Hecking vom Saisonstart abhängen. Nach dem Auftakt in Berlin, treffen die 96er auf die Aufsteiger Mainz und Nürnberg. Erfolgserlebnisse sind in diesen Spielen Pflicht. Sonst wird die Luft für Mannschaft und Trainer schon in der Frühphase der Spielzeit mehr als dünn.

Die stern.de-Prognose: Hannover 96 schafft den Klassenerhalt, wird die Gefahrenzone der Tabelle allerdings nie ganz aus den Augen verlieren. Am Ende steht der zwölfte Platz zu Buche. Das ungeliebte Image der "grauen Liga-Maus" kann Hannover leider auch in diesem Jahr nicht ablegen.

Von Marius Koch

Zugänge: Constant Djakpa (Bayer Leverkusen)
Karim Haggui (Bayer Leverkusen)
Manuel Schmiedebach (Hannover 96 II)
Sofien Chahed (Hannover 96 II)
Valdet Rama (FC Ingolstadt)


Abgänge: Chavdar Yankov (MSV Duisburg)
Bastian Schulz (1. FC Kaiserslautern)
Gaetan Krebs (Karlsruher SC)
Frank Fahrenhorst (MSV Duisburg)
Patrick Herrmann (VfL Osnabrück)
Michael Tarnat (Karriereende)


Auftaktprogramm: Hertha BSC – Hannover 96
Hannover 96 – FSV Mainz 05
1. FC Nürnberg – Hannover 96

Werder Bremen

Für den Pokalsieger ist es die erste Saison nach Diego. Der Brasilianer, der in den vergangenen drei Spielzeiten wie kein anderer zuvor in der Geschichte der Grün-Weißen die Geschicke im Bremer Mittelfeld lenkte und dabei eine enorme Torgefahr ausstrahlte, wechselte für die Rekordablöse von 24,5 Millionen Euro zu Juventus Turin. Ein herber Verlust für Werder, vergleichbar mit dem Weggang von Johan Micoud im Sommer 2006.

Damals ersetzte Diego den charismatischen Franzosen. Der Rest ist bekannt. Insofern könnte das Ende der Ära Diego auch eine Chance für Werder sein. Das Spiel der Norddeutschen ist - und davon konnte man sich beim 5:0 gegen Union Berlin in der ersten Pokalrunde am Sonntag bereits überzeugen - variabler geworden. Früher lief beinahe jeder Angriffsspielzug über den genialen Brasilianer, heute lastet die Verantwortung mindestens auf doppelt so vielen Schultern; die beiden U-21-Europameister Mesut Özil und Marko Marin bilden im neuen System von Trainer Thomas Schaaf eine Art Doppelzange.

Werder hat die über viele Jahre bewährte Raute eingemottet. Hinter den beiden technisch hoch veranlagten Özil und Marin räumen jetzt als "Doppelsechs" Routinier und Neu-Kapitän Torsten Frings sowie Heimkehrer Tim Borowski ab. Apropos Borowski: Wer Thomas Schaaf kennt, der weiß, wie wichtig ihm diese Personalie war. Der Mittelfeldspieler kennt das Werder-Umfeld aus dem Effeff. Er kennt zum Teil auch noch die Mitspieler. Integrationszeit wird Borowski also nicht brauchen. Aber was noch viel entscheidender ist: Der blonde Schlacks ist in der Lage - gemeinsam mit Frings und Mertesacker - sofort Verantwortung zu übernehmen. Auch das war beim Gastauftritt im Pokal bei Union Berlin schon gut zu beobachten. Die neue taktische Ausrichtung im Mittelfeld, darin könnte in der Tat der Schlüssel für eine erfolgreiche Werder-Saison liegen.

Aber auch in der Defensive steht Werder verbessert da. Über die Innenverteidigung mit Naldo und Mertesacker sowie die Torhüterposition muss man keine großen Worte mehr verlieren, wohl aber über die Außen. Da drückte bei den Grün-Weißen in den letzten Jahren regelmäßig der Schuh. Rechtzeitig zur neuen Saison scheint rechts Nationalspieler Clemens Fritz eine ewig andauernde Talsohle endlich durchschritten zu haben. Sein Pendant auf der linken Seite heißt Sebastian Boenisch. Und auch der dritte U-21-Europameister im Team von Thomas Schaaf hat sich, vor allem im Defensivspiel, weiter entwickelt. Nach vorne ist das immer noch ein wenig zu hektisch, und auch das Flankenspiel von Boenisch ist - vornehm ausgedrückt - verbesserungsdürftig. Aber sollte der Linksfuß seinen konditionellen Rückstand aufgrund einer teilweise verpassten Vorbereitung im Zuge der U-21-EM schell aufholen, geht an Boenisch kein Weg vorbei.

Die Bremer erzielten in der abgelaufenen Saison 64 Tore, nur die Bayern und Meister Wolfsburg trafen öfter. Dass die grün-weiße Tormaschine fast schon traditionell gut funktionierte, lag vor allem auch an Claudia Pizarro. Das Schlitzohr im Sturm machte oft genug den Unterschied aus. Und damit das auch so bleibt, arbeitet Manager Klaus Allofs seit Wochen und mit Hochdruck an einer Verpflichtung des zuletzt ja nur von Chelsea London ausgeliehenen Peruaners. Allein, es tut sich nichts. Pizarro will zu Werder, aber die "Blues" fordern (noch) eine aus Bremer Sicht zu hohe Ablöse. Ausgang: offen. Tendenz: ein vorsichtiges JA. Auch wenn Werder mit Marcelo Moreno bereits einen Angreifer verpflichten konnte, ohne Pizarro fehlt den Norddeutschen derzeit noch der Stürmer Nummer Eins. Hugo Almeida, Boubacar Sanogo, Markus Rosenberg und Marcelo Moreno: Alles gute Stürmer, Claudio Pizarro aber verkörpert aus dieser Reihe als einziger internationales Spitzenformat. Und genau das braucht man, um Meister zu werden.

Die stern.de-Prognose: Vieles hängt vom Pizarro-Deal ab. Sollte der noch gelingen, dann wäre Werder nach einer völlig missratenen Meisterschaftssaison, auch ohne Diego, ein ernsthafter Titelkandidat. Mittelfeld und Defensive sind mit kleineren Abstrichen bereits Extraklasse. Einzig der zweite Anzug sitzt nicht richtig. In der Breite ist Werder (wie schon in der Vergangenheit) nicht stark genug besetzt, so dass am Ende Platz drei herausspringen könnte.

Von Klaus Bellstedt

Zugänge: Said Husejinovic (1.FC K'lautern)
Boubacar Sanogo (1899 Hoffenheim)
Timo Perthel (Werder Bremen II)
Marcelo Moreno (Schachtjor Donezk)
Torsten Oehrl (Werder Bremen II)
Marko Marin (Borussia M'gladbach)
Dominik Schmidt (Werder Bremen II)
Tim Borowski (Bayern München)


Abgänge: Claudio Pizarro (FC Chelsea)
Alexandros Tziolis (Panathinaikos Athen)
Max Kruse (FC St. Pauli) ablösefrei
Kevin Schindler (FC Augsburg)
Frank Baumann (Karriereende)
Diego (Juventus Turin)
Nico Pellatz (Apollon Limassol) ablösefrei
John Jairo Mosquera (1. FC Union Berlin) wird ausgeliehen


Auftaktprogramm: Werder Bremen - Eintracht Frankfurt
Bayern München - Werder Bremen
Werder Bremen - Borussia M'gladbach

VfL Wolfsburg

Der neue Trainer Armin Veh tritt beim VfL Wolfsburg ein schweres Erbe an, schließlich führte Felix Magath die Wölfe einigermaßen überraschend zur Meisterschaft. Dieses Kunststück zu wiederholen, dürfte für Veh schwierig werden. Aber der Ex-Stuttgarter ist ein Kämpfer und noch dazu großer Motivator. Abwarten! Fakt ist: Veh ist von den Qualitäten der Wölfe überzeugt: "Die Mannschaft macht einen richtig guten Eindruck. Ich werde nur Kleinigkeiten verändern." Ähnlich wie Magath, soll auch er als Trainer, Manager und Geschäftsführer in Personalunion agieren. Eine Position, die viel Fingerspitzengefühl, Flexibilität und Verantwortungsbewusstsein erfordert. Ob der 48-Jährige diesen Balanceakt meistert, ist fraglich. Denn in Stuttgart hatte er mit Horst Heldt stets einen starken Manager im Rücken, der ihm auch in Krisensituationen zur Seite stand. In Wolfsburg fehlt ihm nun dieser Schutzschild. Ein Problem, dass Unruhe in das sonst so homogene Team bringen könnte. Aber nicht nur der Trainer steht im Fokus, sondern auch die etablierten Stars wie Zvjezdan Misimovic, Grafite und Edin Dzeko. Letztere fallen in letzter Zeit mehr denn je als eitle Einzelgänger denn als Teamplayer auf. Besonders den beiden Stürmer scheint ihr Erfolg aus der Vorsaison ein wenig zu Kopf gestiegen zu sein. Ein Problem, dass das sonst so harmonierende Duo schnell in den Griff bekommen sollte.

Große Töne "Wir wollen in der nächsten Saison noch besser werden und vom ersten Spiel an gut spielen", sagt Dzeko. Doch statt sich - wie in der letzten Saison - voll auf die Meisterschaft zu konzentrieren, müssen die Wölfe in der kommenden Spielzeit auch in der Champions League ran. Zwar ist das Minimalziel für Veh, die Gruppenphase zu überstehen, doch die Königsklasse wird der Mannschaft zusätzliche Kräfte rauben. Ist das Team dann auch noch im DFB-Pokal erfolgreich, droht eine kräftezehrende Dreifachbelastung. Daran ist schon so mancher Überraschungsmeister gescheitert. Damit die Mannschaft trotz dieser Belastung weiter konkurrenzfähig sein kann, wurden mit Thomas Kahlenberg und Karim Ziani zusätzliche Offensivkräfte verpflichtet. Speziell Ziani soll die Offensive entlasten und auf der rechten Seite für Wirbel sorgen. "Mit ihm und Misimovic haben wir jetzt zwei, die Dzeko und mich in Position bringen können. Die Chance ist also da, dass wir unsere Tor-Quote noch erhöhen", sagt Grafite beinahe schon arrogant. Doch ganz unberechtigt ist seine Selbsteinschätzung nicht, denn der Brasilianer erzielte bereits in der vergangenen Saison 28 Treffer und ergatterte damit die begehrte Torjägerkanone. Bereits im ersten Spiel können die Wölfe gegen Vehs Ex-Club VfB Stuttgart beweisen, dass ihr Optimismus mehr ist, als nur müdes Mondschein-Gejaule.

Die stern.de-Prognose: Nach der Meistersaison 2008/2009 wird es für die Wolfsburger schwer, die hohen Erwartungen zu erfüllen. Die Niedersachsen wollen nun auch in Europa zur Elite aufsteigen. Eine Aufgabe, an der nicht Trainer und Mannschaft scheitern könnten. Hinzu kommt, dass Vereine wie Leverkusen, Schalke und München deutlich stärker auftrumpfen werden, als letzte Saison. Tipp: In der Champions-League werden die Wölfe überraschen, in der Bundesliga hingegen reicht es am Ende nur für Platz 4.

Von Stefan Brand

Zugänge: Karim Ziani (Olympique Marseille)
Thomas Kahlenberg (AJ Auxerre)
Fabian Johnson (1860 München)
Daniel Baier (FC Augsburg) war ausgeliehen
Alexander Laas (Arminia Bielefeld) war ausgeliehen
Vlad Munteanu (Arminia Bielefeld) war ausgeliehen
Jonathan Santana (San Lorenzo) war ausgeliehen
Mahir Saglik (Karlsruher SC) war ausgeliehen


Abgänge: Rick Hoogendorp (SVV Scheveningen)
Kamani Hill (Vitória Guimarães)
Patrick Platins (unbekannt)
Alex (Vitória Guimarães)
Sergiu Radu (Energie Cottbus) Christopher Lamprecht (Holstein Kiel)
Cédric Makiadi (SC Freiburg)
Yoshito Okubo (Vissel Kobe)
Caiuby (MSV Duisburg) wird ausgeliehen


Auftaktprogramm: VfL Wolfsburg - VfB Stuttgart
1. FC Köln - VfL Wolfsburg
VfL Wolfsburg - Hamburger SV

Borussia Mönchengladbach

Nur knapp galoppierte die Fohlen-Elf letzte Saison am Abgrund vorbei. Mit lediglich einem Punkt Vorsprung auf Energie Cottbus retteten sich die Gladbacher am 34. Spieltag auf Platz 15. Nach dem Weggang von Marko Marin (Werder Bremen), Alexander Baumjohann (Bayern München) und Tomás Galásek (Karriereende) fehlen den Gladbachern drei wichtige Säulen im Mittelfeld. Nun drängt sich die Frage auf, ob die Gladbacher trotz dieser Verluste eine bessere Saison als die letzte abliefern können. Juan Arango, der von RCD Mallorca zu den Fohlen stieß, soll die Lösung für das Kreativproblem im Mittelfeld sein.

Doch nach der Personalie Federico Insúa, der 4,5 Millionen gekostet hatte und enttäuschte, sind die Fans, was die Verpflichtung eines starken Spielgestalters aus Südamerika betrifft, eher pessimistisch. Der Venezolaner muss also beweisen, dass er nicht der nächste Fehleinkauf ist - viel lastet auf seinen Schultern. Das Gleiche gilt für den neuen Stürmer Raúl Marcelo Bobadilla, der bereits beim 1:1 Testspiel gegen die Bolton Wanderes sein erstes Tor für Gladbach erzielte. In der Defensive sind die Probleme nicht weniger dramatisch. Dort fallen verletzungsbedingt Torwart Logan Bailly (Mittelfußbruch) und Kapitän Filip Daems (Innenbandeinriss) aus. Letzterer sollte eigentlich die Abwehr stabilisieren und im Strafraum für Ordnung sorgen. Flexibles System Aber nicht nur die dünne Personaldecke bereitet Trainer Michael Frontzeck Kopfzerbrechen, sondern auch die Frage nach dem Spielsystem. Zwar sagt der Ex-Armine, dass die "Mannschaft flexibel bleiben soll" und daher kein festes Spielsystem benötige, doch nach stern.de-Einschätzungen braucht ein Team mit so vielen Reservisten und Neueinkäufen, eine klare taktische Marschroute. Frontzeck ist also gefordert. "Jeder normal denkende Mensch sollte nach der vergangenen Spielzeit tief durchatmen und sich klarmachen, dass nur ein Vorhaben realistisch sein kann. Und das lautet: Klassenerhalt", sagte der Trainer jüngst. Was schwer genug fallen dürfte.

Die stern.de-Prognose: Nicht nur aufgrund der Abgänge von Marin, Baumjohann und Galásek, sondern auch wegen der verletzten Bailly, Daems und Friend wird den Gladbachern die nötige Klasse fehlen. Die Fohlen-Elf wird wohl bereits in den ersten Partien wichtige Punkte abgeben müssen. Tipp: Nur Platz 17 für die Fohlen-Elf und damit der Abstieg.

Von Stefan Brand

Zugänge: Thorben Marx (Arminia Bielefeld)
Roman Neustädter (FSV Mainz 05)
Raúl Marcelo Bobadilla (Grasshoppers Zürich)
Juan Arango (RCD Mallorca)
Marcel Meeuwis (Roda JC Kerkrade)
Marco Reus (Rot Weiss Ahlen)
Tim Heubach (M'gladbach II)
Tony Jantschke (M'gladbach U19)
Fabian Bäcker (M'gladbach U19)
Sebastian Svárd (Hansa Rostock) war ausgeliehen


Abgänge: Alexander Baumjohann (Bayern München)
Soumaila Coulibaly (FSV Frankfurt)
Sharbel Touma (Iraklis Saloniki)
Patrick Paauwe (VVV Venlo)
Marko Marin (Werder Bremen)
Marcel Ndjeng (FC Augsburg)
Johannes van den Bergh (Fortuna Düsseldorf)
Tomás Galásek (Karriereende)
Sebastian Schachten (SC Paderborn) wird ausgeliehen


Auftaktprogramm: VfL Bochum - Borussia M'gladbach
Borussia M'gladbach - Hertha BSC
Werder Bremen - Borussia M'gladbach

Hertha BSC Berlin

Nur gucken, nicht anfassen. Mit knapp sechs Millionen Euro Transferüberschuss ist das Konto der Hertha zwar gut gefüllt, doch der neue Manager Michael Preetz darf dieses Geld nicht anrühren. Aufgrund der angestrebten Konsolidierung muss der Verein pro Jahr fünf Millionen Euro sparen, um die angehäuften Schulden bis Ende 2010 von ehemals 54 auf 25 Millionen Euro zu senken. So bleibt dem 40-Jährigen nur der neidische Blick auf die investitionsfreudige Konkurrenz aus Bayern, Bremen und Hamburg.

Trotzdem herrscht im Jahr eins nach der zwölfeinhalbjährigen Ära von Dieter Hoeneß Aufbruchstimmung in Berlin. Vielleicht liegt es am überraschenden vierten Platz, den die Berliner in der letzten Saison dank ihrer torgefährlichen Offensive und stramm organisierten Defensive erreichten. Mit Andrey Voronin (30, zurück zum FC Liverpool), Marko Pantelic (30, noch ohne Klub) und Josip Simunic (31, TSG Hoffenheim) fehlen nun drei wichtige Eckpfeiler, die in der vergangen Saison maßgeblich zu diesem Erfolg beitrugen. "Uns ist Qualität verloren gegangen. Gerade der Weggang von Simunic tut uns weh, er war zuletzt der beste Innenverteidiger der Liga", sagt Kapitän Arne Friedrich.

Der Neuanfang Ob der Ex-Hoffenheimer Christoph Janker (24) oder Steve van Bergen (26) diese Lücke stopfen können, ist fraglich. Die größte Überraschung ist allerdings die Wiederverpflichtung des Polen Artur Wichniarek (32), der bereits zwei Spielzeiten in Berlin tätig war, und damals schon dort scheiterte.Viel hängt also vom dem jungen Trio Cicero (24), Kacar (22) und Raffael (24) ab, die in der letzten Saison zusammen 13 Tore erzielten. Frei nach der Devise: "Wir können uns keine Stars kaufen, also machen wir sie uns selbst", müssen die Berliner mit dem arbeiten, was sie zur Verfügung haben; und das ist nicht sonderlich viel.

Die stern.de-Prognose: Zwar versuchen die Hauptstädter die Euphorie aus der vergangenen Saison mitzunehmen, doch diese wird vermutlich schnell wieder verfliegen. Zu tief sind die Einschnitte in den Kader durch die Abgänge von Simunic, Pantelic und Voronin. Dazu kommt noch die Doppelbelastung durch die Euro-League. Berlin fehlt es deutlich an Personal, um die Leistung der vergangen Saison zu wiederholen. Tipp: Berlin schafft es am Ende nur auf Platz 11.

Von Stefan Brand

Zugänge: Christoph Janker (1899 Hoffenheim)
Artur Wichniarek (Arm. Bielefeld)
Fanol Perdedaj (Hertha BSC U19)
Nemanja Pejcinovic (FK Rad Belgrad)
André Lima (Botafogo, war ausgeliehen)


Abgänge: Marko Babic (Unbekannt)
Marko Pantelic (Unbekannt)
Sofian Chahed (Hannover 96)
Josip Simunic (1899 Hoffenheim)
Christian Fiedler (Karriereende)
Florian Riedel (Hertha BSC II)
Rodnei (1.FC Kaiserslautern, wird ausgeliehen)
Andrey Voronin (FC Liverpool, war ausgeliehen)


Auftaktprogramm: Hertha BSC - Hannover 96
Mönchengladbach - Hertha BSC
VfL Bochum - Hertha BSC

Borussia Dortmund

2009 ist ein besonderes Jahr für die Borussia: Der Klub wird 100. Anlass genug, um wieder an gute alte Zeiten anzuknüpfen. 1997 gewannen die Borussen die Champions-League und wurden dreimal deutscher Meister (1995, 1996, 2002). Doch dazu fehlen den Schwarz-Gelben nach wie vor die Mittel. Club-Boss Hans-Joachim Watzke sind die Hände gebunden. Von der 119-Millionen-Euro-Pleite aus 2005 gebeutelt, kann der Club nicht wie die Konkurrenz aus Hamburg, München und Bremen viel investieren, sondern muss sich mit wenig zufrieden geben. Letzte Saison gelang das ziemlich gut, nur knapp verfehlten die Dortmunder einen Euro-League-Qualifikationsplatz. Selbst das war für Trainer Jürgen Klopp schon eine Überraschung, wollte man doch eigentlich mit jungen Talenten und Perspektivspielern langfristig etwas aufbauen. "Wir sind uns allerdings vollkommen im Klaren darüber, dass Weiterentwicklung nur über harte Arbeit funktioniert. Aber genau das fordere ich von uns allen jeden Tag", sagt Trainer Klopp.

Arbeit erwartet den BVB vor allem im Sturm. Nach dem Weggang von Alexander Frei zum FC Basel, fehlt eine tragende Rolle im Offensivspiel der Schwarz-Gelben. Zwar konnte mit der Ablöse von Frei postwendend der Argentinier Lucas Barrios verpflichtet werden, ob dieser den Schweizer Kapitän ersetzen kann, bleibt aber fraglich. Barrios, der mit 37 Toren in 38 Spielen zum weltbesten Erstliga-Torschützen 2008 wurde, muss sich erst einmal in Deutschland zurechtfinden. Und das fällt Südamerikanern in Europa in ihrer ersten Saison traditionell schwer. Zweifel bleiben also.

Prunkstück Abwehr Neben dem gesetzten Welttorschützen drängen sich gleich drei weitere Spieler für die zweite Position in der Sturmspitze auf. Hier kämpfen Nelson Valdez, Mohamed Zidan und Neuzugang Dimitar Rangelov um den begehrten Platz in der Startformation. Dahinter sieht es ähnlich aus. Jede Position ist eigentlich doppelt besetzt, so will Trainer Jürgen Klopp Konkurrenz schüren. Das Problem: die Qualität. Ob Nuri Sahin, Jakub Blaszczykowski, Tamas Hajnal oder Sebastian Kehl, sie alle spielen solide mit, aber richtigen Glanz versprüht keiner der erwähnten. Zu allem Überfluss hat sich Kapitän Kehl vor dem Spiel gegen Valencia erneut eine Verletzung im Leistenbereich zugezogen.

In der Abwehr sieht es besser aus: Obwohl Supertalent Mats Hummels wieder fit ist, setzt Klopp auf die bewährten Innenverteidiger Neven Subotic und Felipe Santana. Auf den Außenposition verteidigen der Ex-Bremer Patrick Owomoyela und Dede. Letzterer könnte beim Auswärtsspiel in Mönchengladbach (achter Spieltag) zum "Ausländer mit den meisten Bundesliga-Einsätzen für einen Verein" werden. Noch hält diesen Titel der heutige Kölner Trainer Zvonimir Soldo. Ob neben diesem Einzeltitel ein weiterer von der Mannschaft gewonnen werden kann, ist aber kaum denkbar. "Ich fürchte, wir müssen noch besser spielen als in der letzten Saison, um in ähnliche Tabellenregionen vorzustoßen", sagt Jürgen Klopp. Bei den Fans bleibt der BVB absolute Spitze - der Dauerkarten-Rekord von 50.400 Tickets wird wohl in Kürze eingestellt.

Die stern.de-Prognose: Dortmund hat zwar mit einem Alterdurchschnitt von 25 Jahren ein junges und hungriges Team, doch die Konkurrenz aus Bremen, Leverkusen und Schalke wird sich nicht so schwach zeigen wie noch in der letzten Saison. Das Team findet zwar immer besser zusammen, aber es wird auch in dieser neuen Saison nicht für eine Euroleague-Platzierung reichen. Auch aufgrund fehlender Transfergelder verschwindet der BVB im Niemandsland der Liga. Die Stars spielen woanders. Am Ende heißt es dann: Platz 10. für die Ruhrpott-Kicker.

Von Stefan Brand

Zugänge: Sven Bender (1860 München)
Kevin Großkreutz (Rot Weiss Ahlen)
Markus Feulner (FSV Mainz 05)
Lucas Barrios (CSD Colo Colo)
Mats Hummels (Bayern München) war vorher nur ausgeliehen
Dimitar Rangelov (Energie Cottbus)
Yasin Öztekin (B. Dortmund II)
Christopher Kullmann (B. Dortmund II)


Abgänge: Antonio Rukavina (1860 München)
Young-Pyo Lee (Al Hilal Riad)
Giovanni Federico (Arminia Bielefeld)
Alexander Frei (FC Basel)
Markus Brzenska (Energie Cottbus)
Kevin-Prince Boateng (Tottenham Hotspur) war ausgeliehen


Auftaktprogramm: Borussia Dortmund - 1. FC Köln
Hamburger SV - Borussia Dortmund
Borussia Dortmund - VfB Stuttgart

Bayer Leverkusen

Bayer Leverkusen setzt in der neuen Saison auf Erfahrung und Routine. Diese Feststellung lässt sich ganz leicht mit den beiden wichtigsten personellen Verpflichtungen untermauern. Jupp Heynckes, der seine Karriere eigentlich schon für beendet erklärt hatte, wird Trainer und mit Sami Hyypiä kommt eine Institution des internationalen Fußballs vom FC Liverpool.

Uli Hoeneß sei Dank Dass die Leverkusener Jupp Heynckes von einem Engagement überzeugen konnten, haben sie nicht zuletzt Uli Hoeneß zu verdanken. Der Bayern-Manager hatte bekanntermaßen seinen alten Spezi Heynckes aus der Fußball-Rente zurückgeholt, um ihn als Nachfolger für den entlassenen Jürgen Klinsmann zu installieren. In München ist Heynckes noch einmal auf den Geschmack gekommen - und Leverkusen hat zugegriffen.

Die Wahl von Heynckes als Labbadia-Nachfolger ist aus Bayer-Sicht durchaus verständlich. Das Experiment mit dem Bundesliga-Neuling Bruno Labbadia war trotz des Pokalfinal-Einzugs nicht von dem erwarteten Erfolg gekrönt. Es gelang Labbadia nicht, das unbestritten große Potential im Kader über einen längeren Zeitraum auszuschöpfen, auch wenn die Klasse immer wieder durchblitzte. Zudem soll es zwischenmenschliche Probleme mit Mannschaft und sportlicher Führung gegeben haben.

Hyypiä muss sich beweisen Zum Schlüsselspieler für Jupp Heynckes soll der schon erwähnte Sami Hyypiä werden. Der Innenverteidiger wurde in zehn Jahren beim FC Liverpool zur Legende und hat sich Bayer 04 als womöglich letzte sportliche Herausforderung ausgesucht. Allerdings muss sich der Finne, der bei den "Reds" in der letzten Saison nur noch sporadisch zum Einsatz kam, auch in der Bundesliga neu beweisen. Die Erwartungen sind entsprechend groß, schließlich ist der 35-Jährige Bayers einzige namhafte Verstärkung.

Ob es den beiden Veteranen Heynckes und Hyypiä gelingt, Bayer endlich die nötige Konstanz zu vermitteln, ist fraglich. Außerdem wird Bayer vom Verletzungspech verfolgt. Kapitän Simon Rolfes musste sich in der Vorbereitung einer Meniskus-Operation unterziehen und wird mit einem großen Trainingsrückstand in die Saison gehen. Noch schwerer wiegt aber der Ausfall von Torjäger Patrick Helmes, der sich bei einem Freizeit-Kick einen Kreuzbandriss zuzog und mindestens bis zur Rückrunde fehlen wird. Dieser Ausfall ist für die Werkself nicht zu kompensieren. Seinen Platz in der Stammelf wird wohl der erst 21-jährige Eren Derdiyok einnehmen.

Die stern.de-Prognose: Die Klasse der Mannschaft immer wieder durchblitzen. Doch ein 35-jähriger Altstar allein reicht nicht, um in dieser ausgeglichenen Liga das internationale Geschäft zu erreichen. Weitere Verstärkungen müssten her. Leverkusen wird Achter und verbessert das Vorjahresergebnis um einen Rang. Daran kann auch Jupp Heynckes’ große Erfahrung nichts ändern.

Von Marius Koch

Zugänge: Sami Hyypiä (FC Liverpool)
Theofanis Gekas (FC Portsmouth)
Eren Derdiyok (FC Basel)
Daniel Schwaab (SC Freiburg)
Reinartz, Stefan (1. FC Nürnberg)
Assimiou Touré (VfL Osnabrück)
Pierre de Wit (VfL Osnabrück)
Fabian Giefer (Bayer Leverkusen II)


Abgänge: Bernd Schneider (Karriereende)
Henrique (FC Barcelona)
Angelos Charisteas (1. FC Nürnberg)
Karim Haggui (Hannover 96)
Constant Djakpa (Hannover 96)
Gabor Kiraly (1860 München)
Pirmin Schwegler (Eintracht Frankfurt)
Vratislav Gresko (Ziel unbekannt)
Erik Domaschke (SV Wehen-Wiesbaden)


Auftaktprogramm: FSV Mainz 05 - Bayer Leverkusen
Bayer Leverkusen - 1899 Hoffenheim
SC Freiburg - Bayer Leverkusen

SC Freiburg

Vier Jahre hat der SC Freiburg in der Zweitklassigkeit verbracht. Nach dem Aufstieg geht es in der kommenden Saison nun wieder gegen Bayern, Bremen und Co. Statt Angst versprüht die Mannschaft Euphorie und pure Spielfreude. Trainer Robin Dutt (44), der die Mannschaft seit zwei Jahren führt, hat eine klare Vorstellung von der kommenden Bundesliga-Saison: "Für alle Aufsteiger muss das Ziel zunächst lauten, in der Bundesliga zu bleiben."

Neues Konzept In der Mannschaft muss ein anderes Denken einsetzen. Weg vom Offensiv-Fußball, hin zum sicheren Spiel aus der Defensive heraus, so sollte nach Einschätzung von stern.de die Marschrichtung lauten. "Das kann in der Bundesliga gegen qualitativ besser besetzte Mannschaften in die Hose gehen, wenn wir so offensiv spielen", erklärt Kapitän Heiko Butscher.

Dieser wird voraussichtlich den Innenverteidiger-Posten des verletzen Ömer Toprak einnehmen, der seit seinem schweren Kartunfall auf der Intensivstation liegt. Neben Toprak muss Dutt auch auf Daniel Schwaab verzichten, dieser wird in der kommenden Saison für Bayer Leverkusen auflaufen. "Ein Spieler, der für uns schwierig zu ersetzen ist", sagt Manager Dirk Dufner.

Im Mittelfeld sieht es besser, mit Cédrik Makiadi konnte ein offensiver Allrounder verpflichtet werden, der in der zweiten Liga mit 16 Toren und acht Vorlagen bereits für jede Menge Aufsehen sorgte. Neben Makiadi sind wie in der vergangenen Saison die Flügelspieler Schuster und Abdessadki gesetzt.

Zum Konkurrenzkampf kommt es im defensiven Mittelfeld. Dort streiten mit Johannes Flum, Ivica Banovic und Eke Uzoma gleich drei Spieler um den Platz in der Startformation. In der Offensive ergibt sich ein Duo zwsichen Mohamadou Idrissou, der bereits in der vergangenen Saison 13 Mal erfolgreich war, und dem Neuzugang Stefan Reisinger. Ob sich die Offensiv-Kräfte der Freiburger auch in der Bundesliga durchsetzen können, wird sich bereits früh herausstellen. Denn in den ersten drei Begegnungen warten auf die Freiburger bereits Hamburg, der VfB Stuttgart und Bayer Leverkusen. Ein hartes Auftaktprogramm für den Zweitliga-Aufsteiger.

Die stern.de-Prognose: In Freiburg ist die Defensive das Herz der Mannschaft. Doch nach dem Weggang von Daniel Schwaab und der schweren Verletzung von Ömer Toprak ist es eher unwahrscheinlich, dass die Abwehr wieder so souverän aufspielen kann wie in der vergangenen Zweitliga-Saison. Zwar verstärkten sich die Freiburger mit Reisinger und Makiadi in der Offensive, doch dass diese auch in der Bundesliga bestehen können, ist unwahrscheinlich. stern.de-Tipp: Der SC Freiburg wird - trotz einer geschlossenen Mannschaftsleistung - nur auf den 16. und damit dem Relegationssplatz schaffen.

Von Stefan Brand

Zugänge: Stefan Reisinger (Greuther Fürth)
Manuel Salz (Stuttgarter Kickers)
Du-Ri Cha (TuS Koblenz)
Cédric Makiadi (VfL Wolfsburg)
Mensur Mujdza (NK Zagreb)
Felix Bastians (Young Boys Bern)
Oliver Baumann (SC Freiburg U19)


Abgänge: Manuel Konrad (SpVgg Unterhaching)
Ali Günes (Kasimpasa)
Maximilian Mehring (Unbekannt)
Daniel Schwaab (Bayer Leverkusen)
Kevin Schlitte (Hansa Rostock)
Michael Müller (Saarbrücken)
Vitali Rodionov (FC BATE Borisov)


Auftaktprogramm: SC Freiburg - Hamburger SV
VfB Stuttgart - SC Freiburg
SC Freiburg - Bayer 04 Leverkusen

FC Schalke 04

Nach einer enttäuschenden Saison, die die Knappen mit Platz acht abschlossen, stehen die Schalker vor einem Scherbenhaufen. Keine Champions-League, keine Europa League und dazu noch fehlende Disziplin. Eine Wandlung musste vollzogen werden. Und sie wurde vollzogen. Neben Rutten entließ der Aufsichtsrats-Vorsitzende Clemens Tönnies auch Mike Büskens, Youri Mulder und Oliver Reck. Neben der fehlenden Ordnung weist der Kader auch deutliche Rückstände in der Fitness auf. "Die war im Schnitt bei Mannschaften, die ich vorher trainiert habe, besser", sagt der neue Schalke-Coach Felix Magath. Ein Mammutprogramm steht für das Team an. Treppenläufe, Medizinball-Übungen, "Quälix-Magath" weiß, was das Team braucht; alles ohne technischen Schnick-Schnack. Doch statt zu mosern, dankt es ihm die Mannschaft: "Die Vorbereitung und das Training tun mir gut", sagte unlängst Stürmer Kevin Kuranyi. Dieser gibt sich seit neuestem ungewohnt kämpferisch und will sogar wieder für die Nationalmannschaft stürmen. Doch woher kommt diese neue Denkweise? Nur am Trainer kann es nicht liegen. Wahrscheinlich ist: Die Mannschaft hat gemerkt, dass es ohne Disziplin und Kampf nicht geht. Frei nach dem Motto "Back to Basic" malochen die Blau-Weißen wie einst die Kumpel im Untertagebau.

Verjüngungskur Auch in der Kaderplanung hat sich einiges getan. Kamen in der letzten Saison noch teure Spieler wie Engelaar (29) oder Farfán (24), so wird in dieser Spielzeit vermehrt in Talente investiert. Holtby (18), Moravek (19) oder Pliatsikas (21) sind die Neuzugänge im blau-weißen Ensemble und verlangen den älteren Stammspielern im Konkurrenzkampf einiges ab. Der frisch gebackene U21-Europameister Benedikt Höwedes hat es bereits geschafft und steht nach dem Weggang von Mladen Krstajic (35) in der Anfangself. Mit Spielern wie Ernst, Krstajic, Løvenkrands und Bajramovic gehörten die Schalker in der Vergangenheit zu den Senioren-Teams in der Liga. Jetzt liegt der Altersdurchschnitt bei 24 Jahren, und die Mannschaft wirkt frischer denn je. Einzig und allein der Leitwolf Marcello Bordon hat in der Stammformation noch Platz. Levan Kobiashvili (32) dürfte indes vergeblich seine Position in der Anfangself suchen. Zu groß und zu jung ist die Konkurrenz im Mittelfeld geworden.

Neben dem Mittelfeld und der Abwehr wird sich aber besonders der Sturm auf eine neue taktische Ausrichtung einstellen müssen. Statt wie gewohnt im 4-3-3 System will Magath auch auf Schalke mit einer Raute 4-4-2 spielen lassen. Doch fehlt dem Verein aus dem Ruhrpott ein geeigneter Spielmacher. Die Kreativabteilung Rakitic/Farfán ist also mehr denn je gefordert, die Stürmer gekonnt in Szene zu setzen. Zu allem Überfluss hat sich Rakitic in der Vorbereitung einen Bänderriss zugezogen und fällt länger aus.

Wohin geht die Reise? Auf Schalke ist es ruhiger geworden. Die Spieler kennen nun endlich ihre Rolle im Team. Bleibt nur die Frage, wohin die Reise in der Tabelle geht. "Ich will Schalke zunächst in der Bundesligaspitze und dann in Europa etablieren", sagt Magath. Von Meisterschaftsambitionen zu sprechen, wäre auch mehr als unangebracht. Dieses neue, wieder hart arbeitende Schalke klingt glaubhaft. Es wird nicht übereifrig von Meisterschaft und Champions League gefaselt, sondern es werden Minimalziele gesteckt. In den vergangenen Jahren wurde um den blau-weißen Traditionsverein immer viel Druck durch die Fans und Vereinsführung aufgebaut, heute ist der Club besonnener. Vielleicht ist der Machtwechsel von der Fußball-Demokratie unter Büskens, Mulder und Reck zum Alleinherrscher Magath in der jetzigen Situation genau das Richtige. "Wer sich nicht mit Schalke identifiziert - von dem trennen wir uns", schnaubt der neue Schalke-Coach. Kein "Hacke-Spitze-1-2-3" mehr, sondern harte ehrliche Arbeit, so wie es die Fans mögen.

Die stern.de-Prognose: Zwar konnten die Schalker mit Felix Magath einen etablierten und erfolgreichen Trainer verpflichten, doch das alleine wird die Knappen in dieser Saison nicht auf einen Europa-League-Platz katapultieren. Erfahrene Spieler wie Kuranyi, Bordon und Jones bilden bei dieser Mission wichtige Eckpfeiler. Das junge Team muss sich jedoch erst noch finden, bevor es wieder in die oberen Tabellenregionen eindringen kann. Daher reicht es in der kommenden Saison noch nicht für einen internationalen Rang, am Ende stehen die Knappen auf Platz sechs.

Von Stefan Brand

Zugänge: Lewis Holtby (Alemannia Aachen)
Emin Yalin (1. FC Nürnberg II)
Vassilios Pliatsikas (AEK Athen) Jan Moravek (Bohemians Prag)
Marvin Pachan (Schalke 04 U19)
David Loheider (Schalke 04 U19)
Predrag Stevanovic (Schalke 04 U19)
Marvin Pourie (1860 München)
Zé Roberto II (Flamengo Rio de Janeiro)
Albert Streit (Hamburger SV)


Abgänge: Mladen Krstajic (Partizan Belgrad)
Ralf Fährmann (Eintracht Frankfurt)
Orlando Engelaar (PSV Eindhoven)


Auftaktprogramm: 1. FC Nürnberg - FC Schalke 04
FC Schalke 04 - VfL Bochum
TSG 1899 Hoffenheim - FC Schalke 04

Eintracht Frankfurt

Bei Eintracht Frankfurt gab es nach der letzten Saison einen Trainerwechsel der etwas anderen Art. Friedhelm Funkel, der die Eintracht nach seiner Amtsübernahme zur Saison 2004/2005 zurück in die Bundesliga führte, 2006 das Pokalfinale erreichte und in der Folgesaison im Uefa Cup spielte, erklärte wegen des anhaltenden öffentlichen Drucks seinen Rücktritt. Die Eintracht hat sich in den letzten Jahren unter Funkels Regie zwar in der Bundesliga etabliert, verkörpert mittlerweile allerdings das ungeliebte Image der "grauen Maus", ähnlich wie Hannover 96. Friedhelm Funkel sah sich besonders in der Rückrunde immer wieder wüsten Beschimpfungen der eigenen Fans ausgesetzt, weshalb sein Rückzug aus menschlicher Sicht nur verständlich war. Sportlich hat sich Funkel sicherlich wenig vorzuwerfen.

Torwart-Talent Fährmann schon verletzt Nun ist mit Michael Skibbe ein neuer Mann am Eintracht-Ruder und soll den Club zu neuen Ufern führen. Wenn man sich die Liste der Neuzugänge vor Augen führt, sind allerdings auch in der nächsten Saison keine Wunderdinge zu erwarten. Selim Teber aus Hoffenheim und Maik Franz vom KSC sind solide Profis - mehr aber auch nicht. Dazu kommen mit Pirmin Schwegler und Torwart Ralf Fährmann zwei unerfahrene Talente, die sich erst noch beweisen müssen. Fährmann hat sich im Kampf um die Nummer 1 mit Markus Pröll und Oka Nikolov sowieso vorerst verabschiedet. Auf Grund einer gebrochenen Hand wird er den Saisonbeginn verpassen. Wenn man sich das Frankfurter Personal anschaut, ist eine Verbesserung des 13. Ranges aus dem Vorjahr realistisch gesehen schwer vorstellbar.

Besonders an der Person Michael Skibbe werden sich die Fans reiben. In seiner Vita stehen die Rauswürfe in Dortmund, Leverkusen und bei Galatasaray Istanbul. Hinzu kommen ein blamables Vorrunden-Aus mit der Deutschen Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft 2004 in Portugal an der Seite von Rudi Völler, allerdings auch der Vize-Weltmeistertitel zwei Jahre zuvor. Skibbe ist der Trainertyp "akribischer Arbeiter", der im Misserfolgsfall wegen seiner eher zurückhaltenden Art indes das "Potential" besitzt, zu einem ähnlich unreflektierten Feindbild der Fans zu werden wie Friedhelm Funkel.

Krach in der Vorbereitung Schon in der Vorbereitung hat es bei Eintracht Frankfurt mächtig gekracht. "Ich gestehe den Spielern Fehler zu. Aber diese Geduld ist endlich. Wenn einer es gar nicht kapiert, dann ist er nicht mehr dabei", sagte Skibbe kürzlich in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Grund für seine Wut waren die ungenügenden Auftritte seiner Mannschaft in den Testspielen der Vorbereitung. "Wenn jemand denkt, er kann machen, was er will, wenn sich jemand nicht an die Marschroute hält, dann muss er ausgesondert werden", so Skibbe weiter. Ungemütliche Zeiten also für Eintracht-Profis, von denen Skibbe noch vier oder fünf bis zum Beginn der neuen Spielzeit ausmustern will.

Die stern.de-Prognose: Besserung ist bei der Eintracht nicht in Sicht. Als Abschlussplatzierung reicht es für die Hessen nur zu einem enttäuschenden 15. Platz. Das bedeutet: Abstiegskampf pur die ganze Saison lang! Ob Michael Skibbe unter diesen Voraussetzungen bei den Frankfurtern längerfristig auf der Bank sitzen wird, muss ernsthaft bezweifelt werden.

Von Marius Koch

Zugänge: Pirmin Schwegler (Bayer Leverkusen)
Selim Teber (1899 Hoffenheim)
Marcel Heller (MSV Duisburg)
Maik Franz (Karlsruher SC)
Ralf Fährmann (FC Schalke 04)
Cenk Tosun (Eintracht Frankfurt II)
Sebastian Jung (Eintracht Frankfurt II)
Marcos Alvarez (Eintracht Frankfurt II)
Juvhel Tsoumou (Eintracht FrankfurtII)


Abgänge: Michael Fink (Besiktas Istanbul)
Junichi Inamoto (Stade Rennes)
Alexander Krük (VfL Osnabrück)
Leonard Kweuke (Energie Cottbus)
Kreso Ljubicic (Hajduk Split)


Auftaktprogramm: Werder Bremen – Eintracht Frankfurt
Eintracht Frankfurt – 1. FC Nürnberg
1. FC Köln – Eintracht Frankfurt

Hamburger SV

Der Hamburger SV hat turbulente Zeiten hinter sich. Nach einem verkorksten Saisonfinale mit den schmerzhaften Niederlagen gegen den Erzrivalen Werder Bremen in DFB-Pokal und Uefa-Cup, retteten sich die Hamburger nach langem Kampf im Titelrennen gerade noch in die Europa Legaue. Der eigene Trainer versetzte den schwer gebeutelten Hanseaten dann den nächsten Tiefschlag. Martin Jol verabschiedete sich fluchtartig in seine Heimat zu Ajax Amsterdam. Angeblich war ihm das zur Verfügung gestellte Geld für Transfers zu wenig. Er sah keine Perspektive, die Mannnschaft weiterzuentwickeln. Doch damit war der Höhepunkt der Krise im Rauten-Club noch lange nicht erreicht.

Während sich andere Vereine längst mit Verstärkungen für die nächste Saison schmückten, entbrannte beim Hamburger SV in der Vereinsführung ein erbitterter Machtkampf zwischen dem hemdsärmeligen und pragmatischen Club-Chef Bernd Hoffmann und dem eher ruhigen und zurückhaltenden Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer - ein Konflikt, der die Planung der kommenden Saison in den Hintergrund rücken ließ. Beiersdorfer, in Hamburg beliebt und geschätzt, zog letztendlich trotz zahlreicher interner Führsprecher im Kompetenzgerangel den Kürzeren und musste nach siebenjähriger Amtszeit seinen Hut nehmen. Ein Nachfolger ist übrigens immer noch nicht gefunden. Stefan Reuter gilt als einer der Topkandiadten.

Kein idealer Start für Labbadia Für den neuen Trainer Bruno Labbadia war der Start in Hamburg also alles andere als ideal. Aber er kann auf starkes Personal bauen. Mit Zé Roberto schließt sich den Hamburgern ein absoluter Top-Mann an, trotz seiner 35 Jahre. Auch von Eljero Elia, einem Außenstürmer, der aus Enschede an die Elbe wechselt, erwartet man viel. Zudem kommt mit Marcus Berg das größte schwedische Sturm-Talent. Beide sollen den Verlust von Ivica Olic wettmachen. Olic war in Hamburg Torjäger, vorbildlicher Teamplayer und Publikumsliebling zugleich - ein mehr als schweres Erbe für die beiden Jungspunde. Schmerzen wird den HSV der langfristige Ausfall von Verteidiger Alex Silva (Kreuzbandriss) bereiten. Als Ersatz für ihn wollen die Hamburger noch den Tschechen David Rozenahl verpflichten. Den ganz großen Durchbruch könnte in dieser Saison Jerome Boateng schaffen, der von Martin Jol oft auf der falschen Position eingesetzt wurde und unter Labbadia als Innenverteidiger auflaufen wird.

Für alle Transfers ist Bernd Hoffmann nach der Ausbootung von Dietmar Beiersdorfer hauptverantwortlich und wird im Falle eines Misserfolges die Konsequenzen zu tragen haben. Die Gunst der Fans wird er sich sowieso nur im Falle eines wichtigen Titelgewinns zurückerobern können. Ansonsten muss sich der HSV die Frage stellen, ob ihr allmächtiger Boss überhaupt noch tragbar ist. Unruhe ist in jedem Fall vorprogrammiert...

Der Hamburger SV ist in der nächsten Saison eine Art Wundertüte. Labbadia hat in seiner ersten Bundesliga-Saison als Trainer von Bayer Leverkusen zwar das Pokal-Finale erreicht, aber auch offenkundige Fehler im Umgang mit Mannschaft, Medien und Vereinsführung begangen. Hamburg ist hinsichtlich Größe, Umfeld und Erwartungshaltung eine völlig andere Hausnummer als Leverkusen und Labbadia steht unter großem (Erfolgs-)Druck. Die Fans fordern nach 22 Jahren (DFB-Pokal 1987) endlich wieder einen Titel.

Die stern.de-Prognose: Der ganz große Wurf wird dem Hamburger SV (trotz guter Frühform wie beim T-Home-Cup-Sieg bewiesen) auch in dieser Saison nicht gelingen. Dafür gibt es zu viele Unwägbarkeiten, selbst ein Spieler wie Trochowski gibt zu, dass er die wahre Leistungstärke nicht einschätzen kann. Das spricht dafür, dass die Saison von vielen Höhen und Tiefen geprägt sein wird. Begeisternden Auftritten wird Ernüchterung folgen. Die Hamburger werden das Problem der mangelnden Konstanz nicht beheben können und landen am Ende wieder nur auf einem enttäuschenden fünften Platz. Das reicht zumindest für die Europa League.

Von Marius Koch

Zugänge: David Rozenahl (Lazio Rom)
Marcus Berg (FC Groningen)
Eljero Elia (FC Twente Enschede)
Zé Roberto (Bayern München)
Robert Tesche (Arminia Bielefeld)
Änis Ben-Hatira (MSV Duisburg)
Miroslav Stepanek (Kapfenberger SV)
Kai-Fabian Schulz (Hamburger SV II)
Christian Groß (Hamburger SV II)
Maximilian Beister (Hamburger SV II)
Hanno Behrens (Hamburger SV II)
Tom Mickel (Energie Cottbus II)
Tolgay Arslan (Borussia Dortmund)


Abgänge: Ivica Olic (Bayern München)
Thimothée Atouba (Ajax Amsterdam)
Michael Graavgard (FC Nantes)
Albert Streit (FC Schalke 04)
Marcel Ndjeng (FC Augsburg)
Rouwen Hennings (FC St. Pauli)
Raphael Wolf (Kapfenberger SV)
Macauley Chrisantus (Karlsruher SC)
Khalid Sinou (Ziel unbekannt)
Timo Kunert (Ziel unbekannt)


Auftaktprogramm: SC Freiburg – Hamburger SV
Hamburger SV – Borussia Dortmund
VfL Wolfsburg – Hamburger SV

1. FC Köln

Der 1. FC Köln geht in die erste Saison nach der Amtszeit von Christoph Daum. Der ehemalige Heilsbringer hatte sich völlig überraschend in die Türkei verabschiedet und dafür Schimpf und Schande von den Fans geerntet. Mittlerweile hat Zvonimir Soldo den Posten als Cheftrainer übernommen und die Lage in der Domstadt ist wieder entspannt. Die Stimmung ist sogar außerordentlich gut, was nicht zuletzt auch daran liegt, dass der Kölner "Prinz", Lukas Podolski, aus seinem Münchener Exil endlich zu seinem FC heimgekehrt ist.

In Christoph Daums Abschied liegt auch eine große Chance für einen Neuanfang beim FC. Trotz seiner unbestrittenen fachlichen Qualität ist Daum ein rhetorisch begabter Lautsprecher, der bekanntermaßen keinem Konflikt aus dem Weg geht, mit diesem Vorgehen aber immer wieder für große Unruhe im Umfeld des Clubs sorgte.

Der Star ist die Mannschaft Soldo ist ein ganz anderer Typ und Neuling im Geschäft. Ruhig, sachlich und mit der Erfahrung von 348 Bundesliga-Spielen für den VfB Stuttgart ausgestattet. Mit seiner Verpflichtung hat sich in Köln noch etwas gravierend geändert. Nicht mehr der Trainer ist der Star, sondern die Mannschaft. Der Kölner Kader bietet im zweiten Bundesliga-Jahr nach dem Aufstieg gehöriges Star-Personal, angeführt von Petit, Podolski und Maniche. Mit Letzterem ist dem 1. FC Köln, wie schon damals bei seinem portugiesischen Landsmann Petit, ein nicht erwarteter Transfer-Coup gelungen.

Selten hat ein Spieler mit einer derartigen Erfolgsakte das Kölner Trikot getragen. Mit Porto gewann Maniche unter Trainer Jose Mourinho Uefa Cup, Champions Legaue und Weltpokal. Außerdem wurde der 31-Jährige mit der portugiesischen Nationalmannschaft 2004 Vize-Europameister. Maniche gilt zwar als schwieriger Typ, seine fußballerische Klasse hingegen ist unbestritten. Kumpel Petit, der ein maßgeblicher Grund für den Wechsel war, wird Maniche auf die rheinländische Fußball-Mentalität eingestellt haben und bei Fehltritten der Profis werden in Köln traditionell auch mal gerne beide Augen zugedrückt.

Maniche nimmt Poldi aus der Schusslinie Einen unterschätzten, aber nicht unwichtigen Faktor bringt der Maniche-Transfer außerdem mit sich. Mit Anspruch und Realität ist das in Köln eine Sache für sich und vor allem Lukas Podolski steht, auch wenn er es nicht zugeben möchte, unter einem immensen Erwartungsdruck. Maniche wird einen Teil der Aufmerksamkeit von ihm ablenken, was den sensiblen Podolski ein wenig aus der Schusslinie von Fans und Medien nehmen wird. Der kommentierte die Verpflichtung des portugiesischen Superstars übrigens in seiner gewohnten Art kurz und bündig: "Guter Name, gute Verpflichtung!"

Der 1. FC Köln verfügt mit Podolski, Milivoje Novakovic, Petit, Maniche und auch Innenverteidiger Pedro Geromel über für Bundesliga-Verhältnisse herausragende Akteure. Mit Stürmer Sebastian Freis und dem 20-jährigen Abwehr-Talent Christopher Schorch kommen zudem Spieler mit einer vielversprechenden Perspektive. Stabilität, Konstanz und vor allem auch mehr Spielkultur als in der Daum-Ära sind Aufgaben, denen sich Soldo annehmen muss. Manager Michael Meier hat allerdings angekündigt, auf dem Transfermarkt noch einmal aktiv werden zu wollen.

Die stern.de-Prognose: Wenn sich die Kölner Mannschaft schnell findet und das immens schwere Auftaktprogramm (bis zum 7. Spieltag gegen Wolfsburg, Hamburg, Schalke, Stuttgart, Leverkusen und Bayern) gut übersteht, ist den Kölnern ein einstelliger Tabellenplatz allemal zuzutrauen. Mit dem Abstieg wird der FC in jedem Fall nichts zu tun bekommen und belegt am Ende den 9. Tabellenplatz.

Von Marius Koch

Zugänge: Lukas Podolski (Bayern München)
Maniche (Atletico Madrid)
Sebastian Freis (Karlsruher SC)
Christopher Schorch (Real Madrid)
José Pierre Vunguidican (eigene Jugend)
Stephan Salger (eigene Jugend)
Sebastian Zielinsky (eigene Jugend)
Lukas Nottbeck (eigene Jugend)
Christian Clemens (eigene Jugend)
Alexander Vaaßen (eigene Jugend)


Abgänge: Thomas Broich (1. FC Nürnberg)
Sergiu Radu (VfL Wolfsburg)
Matthias Scherz (Karriereende)
Nemanja Vucicevic (Ziel unbekannt)


Auftaktprogramm: Borussia Dortmund – 1. FC Köln
1. FC Köln – VfL Wolfsburg
1. FC Köln – Eintracht Frankfurt

FSV Mainz 05

Nach zwei Jahren Zweitklassigkeit kehrt Mainz 05 in die Bundesliga zurück. Trainer Jörn Andersen ist damit schon im ersten Jahr aus dem Schatten der Mainzer Ikone Jürgen Klopp herausgetreten und hat den Club als Vizemeister der Zweiten Liga wieder ins Oberhaus gebracht.

Die Euphorie bei den Mainzern vor der neuen Saison ist riesig. Beim offiziellen Trainingsauftakt strömten 8.000 Fans ins Stadion am Bruchweg, um dem Team einen gebührenden Empfang zu bereiten. Filip Trojan und Eugen Polanski werden die Mainzer im Mittelfeld verstärken. Beide werden zum Saisonauftakt allerdings verletzungsbedingt fehlen. Polanski musste sich einer Zehenoperation unterziehen, und Trojan, der die Lücke des zu Borussia Dortmund abgewanderten Markus Feulner schließen soll, laboriert noch an einer Meniskusverletzung.

Namenhaftester Neuzugang ist Mittelfeldspieler Andreas Ivanschitz. Der österreichische Nationalspieler führte sein Land als Kapitän bei der Europameisterschaft 2008 an und spielte zuletzt für den griechischen Spitzenclub Panathinaikos Athen. Freuen darf sich die Liga außerdem auf die Auftritte eines gewissen Aristide Bancé, immer gut zu erkennen an seiner wasserstoff-blond gefärbten Haarpracht. Im DFB-Pokal sorgte der Mann aus Burkina Faso für ordentlich Furore. Durch seinen Treffer im Viertelfinale gegen den FC Schalke schoss er die Mainzer sensationell ins Halbfinale. Und auch dort hielt der Underdog dank eines Bancé-Treffers gegen Bayer Leverkusen lange mit und zwang den Bundesligisten bis in die Verlängerung.

Mainz 05 wird auch in der Bundesliga immer für eine Überraschung gut sein. Der FSV lebt vor allem von Euphorie und großen Emotionen, die Mannschaft und Fans in der Lage sind zu entfachen. Mit diesem Rezept wird der Club aus der Karnevalshochburg sogar dem ein oder anderen hoch gehandelten Favoriten ein Bein stellen. Dass sie das Zeug dazu haben, können die Mainzer gleich am dritten Spieltag beweisen. Dann sind nämlich am Bruchweg die großen Münchener Bayern zu Gast.

Die stern.de-Prognose: Es wird knapp, aber Mainz 05 schafft den Klassenerhalt und wird 14.

Zugänge: Andreas Ivanschitz (Panathinaikos Athen)
Filip Trojan (FC St. Pauli)
Heinz Müller (FC Barnsley)
Eugen Polanski (FC Getafe)
Pierre Keinheider (FSV Mainz 05 II)
Viktor Riske (FSV Mainz 05 II)
Aleksandar Petreski (FSV Mainz 05 II)
Andre Schürrle (eigene Jugend)
Jan Kirchhoff (eigene Jugend)


Abgänge: Markus Feulner (Borussia Dortmund)
Robert Fleßers (FC Ingolstadt)
Roman Neustädter (Borussia M'gladbach)
Nejmeddin Daghfous (SC Paderborn)
Christian Demirtas (Karlsruher SC)
Mario Vrancic (Rot Weiß Ahlen)


Auftaktprogramm: FSV Mainz 05 – Bayer 04 Leverkusen
Hannover 96 – FSV Mainz 05
FSV Mainz 05 – Bayern München

Zum Thema
KOMMENTARE (10 von 28)
 
germinal (08.08.2009, 03:31 Uhr)
@vegefatz
Hast Du schon wieder Deine Pillen nicht genommen?
Vielleicht solltest Du Dich irgendwann mal um ein Gehirnimplantat bemühen. Schmeiß` Dein Geld dafür lieber in Dein Sparschwein, im Wettbüro wirste nämlich nix verdienen.
Trotzdem liebe Grüße von der Tabellenspitze!
chatahootchee (07.08.2009, 14:25 Uhr)
ORDENTLICHE TISCHSITTEN?
Muessen die Ballschubser jetzt etwa mit Messer und Gabel essen?
Unertraegliche Berichterstattung.
figaroo (07.08.2009, 12:45 Uhr)
ein typischer bayern-artikel
der weniger die bayern als eher die deutschen sport-journalisten kennzeichnet....
wie schlecht und schwierig das bei den bayern alles ist.. da hakts und hier.. und da fehlt die qualität, hier ein paar problemchen..
und dann? prognose platz 5? ne ne - sie werden meister... wie albern, wenn doch nur ribery sie von pomadig, langsam bla bla bla weg bringen kann...
albern...vorhersehbar...
Mariachi (06.08.2009, 18:16 Uhr)
deutsch?
"darf man den Niedergang in 2009... "
Ist das Denglisch?
Wann lernt ihr Reporter mal Deutsch?
Ist peinlich nicht kleinlich...!
Netzpilot (04.08.2009, 08:50 Uhr)
@ vegefranz
danke für dein Tipp und bitte lass du aber die Finger davon, sonst bist du obdachlos!
@ Slapmastert
eure einsame Spitze in der Innenverteidigung hat letzte Saison 50 Tore zugelassen.
Bayern, Wolfsburg, Stuttgart, Hamburg, Hoffenheim und Schalke werden vor Werder stehen. Über die Reihenfolge kann lässt sich streiten :)
Slapmastert (04.08.2009, 07:57 Uhr)
@Vegefranz
Ich sehe das genau so! Ich verstehe außerdem nicht, warum ausgerechnet der HSV, der ja nun nicht gerade glänzen konnte im DFB-Pokal besser abschneiden sollte. Ich sehe allerdings Dortmund auch weiter oben, Platz 10 ist schon hart, andererseits gibt es viele gute Mannschaften diese Saison, so zum Beispiel Stuttgart, Bayern, Bayer, Wolfsburg und Bremen. Vielleicht greifen auch die Berliner nochmal an, sicher aber wird Hoffenheim versuchen oben mitzuspielen. Das sind jetzt schon 7 Vereine, die normaler Weise vor dem BVB stehen sollten am Ende der Saison, damit ist für die Dortmunder nur noch der 8.-10. Platz drin, je nachdem wie sich auch der HSV entwickelt.
vegefranz (03.08.2009, 21:28 Uhr)
dem geballten Komentatorensachverständigen hier wird empfohlen: Haus verkaufen - Fussballwetten abschliessen

dann haben wir demnächst ein paar Milliardäre mehr im Land.
Bei Euren Kenntnissen und Fähigkeiten, die Euch befähigen, einen Tip bereits jetzt als falsch zu entlarven, kann bei der fussballwette nix schief gehen.
Bellstedt Werder Fan? - das spricht doch eindeutig für ihn
Miguelo (03.08.2009, 19:50 Uhr)
Auweia...
... Hamburg "nur" auf Fünf, Dortmund auf Zehn, aber Werder auf Drei.
Diese ganze Serie kann und darf man einfach nicht ernst nehmen. Unfassbar.
Slapmastert (03.08.2009, 19:15 Uhr)
Werder...
...wird je nachdem ob Pizarro jetzt noch kommt oder nicht, und es weniger Verletzungen als die letzten beiden Jahre geben wird, sicherlich um den Titel mitspielen! Etwas anderes zu behaupten wäre reine Blasphemie! Ich bin zwar Werder-Fan, ja, aber ich weiß auch um die Stärke in unserem Mittelfeld und unsere Innenverteidiger sind einsame Spitze diese Saison!Schwächen haben wir im Sturm und über die Außen, aber das war noch nie wirklich Werders Stärke.
Netzpilot (03.08.2009, 18:21 Uhr)
WOW, Herr Bellstedt!
Werder - brandgefährlich und ein ernsthafter Titelkandidat????
Das Sie ein Werder Fan sind, haben Sie hier schon mehrfach gezeigt aber trotzdem hätte ich Ihnen etwas mehr Sachverstand als neutraler Journalist zugetraut.
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