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Wahnsinn auf Schalke und Gurkentruppe HSV

Auf Schalke war mächtig was los: ein Ellenbogentor, ein aufregendes Debüt und merkwürdige Irritationen um den Trainer. Die Aufsteiger machen Eindruck und der HSV beweist: "Wir sind eine Gurkentruppe."

Aufregendes Debüt: Xabi Alonso (l.) zeigt gegen Schalke sofort seine Qualitäten

Aufregendes Debüt: Xabi Alonso (l.) zeigt gegen Schalke sofort seine Qualitäten

So liefen die Spiele

FC Augsburg - Borussia Dortmund 2:3 (0:2)
Bayer Leverkusen - Hertha BSC 4:2 (0:1)
VfL Wolfsburg - Eintracht Frankfurt 2:2 (1:1)
Werder Bremen - 1899 Hoffenheim 1:1 (0:1)
VfB Stuttgart - 1. FC Köln 0:2 (0:2)
Hamburger SV - SC Paderborn 0:3 (0:1)
FC Schalke 04 - Bayern München 1:1 (0:1)
FSV Mainz 05 - Hannover 96 0:0
SC Freiburg - Bor. Mönchengladbach 0:0

Aufreger des Spieltags

Diesmal haben sich vor allem die Bayern aufgeregt. Keeper Manuel Neuer war erbost und rannte aufgeregt zum Linienrichter, um ihm seine Sicht der Dinge zu darzulegen. Da hatte Benedikt Höwedes den Ball mit den Ellenbogen zum 1:1-Ausgleich über die Linie gedrückt - und der Schiedsrichter ließ den Treffer gelten. Die Begründung: angelegter Arm. Dass der Ellenbogen ein bisschen vom Körper abstand und ohne diese Körperflächenvergrößerung der Ball niemals ins Netz gegangen wäre - spielte keine Rolle. Auch für den Schiedsrichter-Experten Markus Merk nicht. Sein Urteil: Der Treffer war korrekt. So verdarb das Ellenbogen-Tor auch den guten Einstand von Superstar Xabi Alonso, der von den Bayern mal eben so von Real Madrid verpflichtet wurde und ohne ein einziges Mannschaftstraining sofort in der Startelf stand. Man wird dabei einfach das Gefühl nicht los, dass auch die Experten (nicht nur Merk) sich insgeheim tierisch freuten, dass Schalke der Ausgleich gelungen war und die Münchner nicht gleich zu Saisonbeginn der Konkurrenz enteilen. So etwas trübt gemeinhin den objektiven Blick auf die Dinge, oder?

Diese Tor sollten Sie (nochmal) sehen

Das Tor von Köln Anthony Ujah war nicht außergewöhnlich, sondern einfach schön anzuschauen. Mit dem Treffer zum 2:0 gegen Stuttgart war das Spiel entschieden. Ein satter Schuss aus der Distanz, volley, kraftvoll und ohne Schnörkel. Genau so spielte Köln gegen die Schwaben. Es ist die Handschrift des österreichischen Trainers Peter Stöger, der Köln zurück in die Bundesliga führte, und jetzt einen gelungenen Frühstart feiern kann. Allerdings neigt dieser Mann nicht zu übertriebener Euphorie. Ruhig und besonnen - so wird er beschrieben. Und Karneval ist gar nicht sein Ding. Vielleicht ist das sein Erfolgeheimnis in der traditionsreichen Fußball-Stadt, in der sich die Trainer in der Regel nicht lange halten.

Satter Schuss: Anthony Ujah zieht ab und trifft zum 2:0 gegen Stuttgart.

Satter Schuss: Anthony Ujah zieht ab und trifft zum 2:0 gegen Stuttgart.

Gewinner des Spieltags

Mehr als Stöger steht aber der Shootingstar der Trainerzunft im Blickpunkt: Roger Schmidt. Der neue Trainer von Bayer Leverkusen ist mit seinem Team sehr beeindruckend in die Saison gestart. Die Champions-League-Quali geschafft, im Pokal ohne Probleme und mit zwei Siegen an die Spitze der Tabelle gestürmt, auch wenn Bayer gegen Hertha Anlaufzeit benötigte, um ins Rollen zu kommen. Der neue Darling der Bundesliga lässt einen forschen Tempofußball spielen, der den Fans richtig Spaß macht. Da interessieren auch die Gegentore nicht, wenn man vorne stets häufiger trifft.

Verlierer des Spieltags

"Das Grauen geht weiter", titelte die Hamburger Morgenpost. Das ist treffend formuliert nach der peinlichen 0:3-Heimniederlage des HSV gegen den forschen Aufsteiger Paderborn. Der Verein steht nach Strukturreform und vielen Millionen von Milliardär Klaus-Michael Kühne ("Irgendwann soll der HSV die Champions League gewinnen") genau da, wo er am Ende der vergangenen Saison schon stand: ganz unten. Man muss es so deutlich sagen. Dieses Team ist und bleibt eine echte Gurkentruppe. In Hamburg schlagen alle die Hände über dem Kopf zusammen, überall herrscht in Bezug auf die einst stolzen Rothosen Fatalismus und böser Sarkasmus vor. Doch abwarten: Am Sonntag wurde die Ausleihe von Bayern-Talent Julian Green vermeldet, am Montag wird wohl Lewis Holtby von den Tottenham Hotspurs als letzter von sechs Neuzugangen vermeldet. Hoffnung besteht noch. Und der neue HSV-Boss Dietmar Beiersdorfer wird nicht lange zögern, Trainer Mirko Slomka den Laufpass zu geben, wenn sich nicht bald Erfolge einstellen. Es ist noch nicht aller Spieltage Abend, liebe HSV-Fans.

Bild des Bundesliga-Wochenendes

Der Mann hat bereits einiges hinter sich, schließlich spielt er seit 2001 auf Schalke Fußball. Jetzt ist Benedikt Höwedes Weltmeister geworden, danach gönnte er sich eine Haartransplantation, weil er als Weltmeister einfach nicht mit Platte auf dem Kopf durch die deutschen und europäischen Stadien tingeln will. Am Samstagabend hat er mit dem Ellenbogen den Ball über die Linie von Nationalelf-Kumpel Manuel Neuer gedrückt. Mit viel Power und absolut kompromisslos. Es war der Ausgleichstreffer gegen die Bayern. Das Bild vom entfesselt jubelnden Höwedes spricht für sich. Es zeigt, mit wie viel Biss (und einigen Tritten) sich die Schalker gegen die Niederlage stemmten.

Der Mann hat bereits einiges hinter sich, schließlich spielt er seit 2001 auf Schalke Fußball. Jetzt ist Benedikt Höwedes Weltmeister geworden, danach gönnte er sich eine Haartransplantation, weil er als Weltmeister einfach nicht mit Platte auf dem Kopf durch die deutschen und europäischen Stadien tingeln will. Am Samstagabend hat er mit dem Ellenbogen den Ball über die Linie von Nationalelf-Kumpel Manuel Neuer gedrückt. Mit viel Power und absolut kompromisslos. Es war der Ausgleichstreffer gegen die Bayern. Das Bild vom entfesselt jubelnden Höwedes spricht für sich. Es zeigt, mit wie viel Biss (und einigen Tritten) sich die Schalker gegen die Niederlage stemmten.

Die Frage des Tages: Was wird aus Jens K.?

Wir bleiben auf Schalke, dieser Wundertüte des deutschen Fußballs. Der Club ist gegen den Drittligisten Dresden aus dem Pokal geflogen. Auch die Leistung im ersten Liga-Spiel gegen Hannover war nicht so dolle. Und zack, da war sie wieder, die Trainerdiskussion um Jens Keller. Der Autor dieser Zeilen hat mal vor anderthalb Jahren schlaumeiermäßig geschrieben, dass Keller nicht der Richtige für den schwierigen Club sei. Da war der Mann gerade wenige Wochen im Amt. Es folgten: Zwei Champions-League-Qualifikationen, die vergangene Rückrunde war die beste in der Schalker Geschichte und: Keller hat bislang die beste Bilanz aller Schalker Trainer! Trotzdem wird immer wieder über den Mann diskutiert, der sicherlich kein geschickter Verkäufer seiner Person ist.

Die Sehnsucht auf Schalke ist groß nach einem Supertrainer, der wie Klopp in Dortmund oder Guardiola bei den Bayern außergewöhnlich ist. Keller ist das in den Augen vieler Anhänger und Experten nicht. Jetzt, nach dem erfolgreichen Remis gegen die Bayern, wird dennoch munter weiter diskutiert. Präsident Clemens Tönnies wollte die Diskussion abwürgen und behauptete grimmig-forsch, es gebe einen Termin für ein Gespräch über eine mögliche Vertragsverlängerung. Keller seinerseits sagte, er habe noch von keinem Termin gehört. Herrlich. Das ist Schalke.

Tim Schulze

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