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30. Oktober 2006, 12:50 Uhr

Das Hirn durchpusten

Nürnbergs Trainer ist berüchtigt für seine Sprüche. Sein jüngster Verbal-Faux-Pas hat die Grenze der Geschmacklosigkeit deutlich überschritten. Hans Meyer will Spieler "erschießen" und "hängen". Wer legt dem Mann endlich das Handwerk? Von Klaus Bellstedt

Hans Meyer ist Trainer vom 1. FC Nürnberg - und ein gefährlicher Dampfplauderer© Thomas Langer/Bongarts/Getty Images

"Arm, aber sexy" - dieser Slogan wurde eigentlich von Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit für die Hauptstadt kreiert. Im Fußball trifft der Werbespruch derzeit allerdings mehr auf die kleinste Bundesliga-Stadt Cottbus zu. Am Wochenende schlug der Aufsteiger im prestigeträchtigen Berlin-Brandenburger Derby ausgerechnet die "alte Dame" Hertha mit 2:0. In der Summe macht das jetzt 14 Punkte nach neun Spielen - noch nie ist Energie Cottbus besser in die Bundesliga gestartet.

"Das war ein Beispiel dafür, wie man auch eine spielerisch bessere Mannschaft niederringen kann", sagte Trainer Petrik Sander am Abend nach dem Sieg über den von staatlichen Subventionen vollgepumpten Hauptstadt-Club im ZDF-Sportstudio. Der Mann ist klug. Auch wenn sein Team heimlich, still und leise seine Punkte sammelt und Fußball-Deutschland über das kleine und mit einem Mini-Etat ausgestattete Cottbus staunt, bleibt Sander Realist. "Wir werden immer gegen den Abstieg spielen", fügte er wohltuend bescheiden hinzu.

Gleich und gleich gesellt sich gern

Bescheidenheit ist nicht die Sache von Sanders Nürnberger Trainerkollegen Hans Meyer. Der launische und oft selbstverliebt daherkommende Coach ist für seine flapsig-derben Sprüche bekannt. Schon oft hat der Fußball-Lehrer deswegen die Lacher auf seiner Seite gehabt. Nach dem Unentschieden gegen Dortmund schlug die gelöste Stimmung nun in Fassungslosigkeit um. "Wenn wir denjenigen herausfinden, der das Gegentor verschuldet hat, werden wir ihn erschießen", kommentierte Meyer hinterher den späten Ausgleich des BVB vor der versammelten Journaille.

Tags darauf entschuldigte sich Meyer nicht etwa für seinen peinlichen Verbal-Faux-Pas, sondern legte in typischer Manier nach: "Jetzt hat sich herausgestellt, dass wir den Spieler Mnari hängen müssen, weil er zwei Mal einen Gegner angeschossen hat." Da hat man wirklich schon besser gelacht, Herr Meyer. Eigentlich müsste in solchen Fällen der Vorgesetzte ein Machtwort sprechen. Aber von Nürnbergs Club-Boss Michael A. Roth darf man diesbezüglich nicht allzu viel erwarten. Der hatte vor Jahren seinen Spielern nach einer Heimniederlage in der zweiten Liga mit folgenden Worten gedroht: "Ich habe einen Waffenschein und eine Pistole im Schrank. Man müsste denen vielleicht mal das Hirn durchpusten." Gleich und gleich gesellt sich halt immer noch gern.

Von Klaus Bellstedt
 
 
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