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Fußball-Deutschland atmet auf

Endlich: Nach gut fünfwöchiger Winterpause startet die Bundesliga in die Rückrunde. Der erneute Titelgewinn von Bayern München scheint bereits fix - spannend bleibt die Liga trotzdem.

Von Moritz Dickentmann

Nach 33 langen Tagen Winterpause ist die Vorfreude in Fußball-Deutschland riesengroß - dem Start in die Bundesliga-Rückrunde sei Dank. Und schon die erste Partie hält für die Fans einen echten Leckerbissen bereit: In Mönchengladbach stehen sich am Freitagabend (20.30 Uhr ARD und im Liveticker bei stern.de) Lucien Favres "Fohlen" und das Starensemble des FC Bayern München gegenüber – ein Klassiker, der in über 200 Ländern übertragen wird.

Obwohl der Triple-Sieger als ungeschlagener Herbstmeister und mit sieben Punkten Vorsprung auf Platz zwei anreist, warnte Münchens Thomas Müller vor den Hausherren, die sich nach einer starken Hinrunde auf dem dritten Tabellenplatz befinden. "Uns wird da nichts geschenkt. Sie sind verdient da oben mit dabei", sagte Müller, der der jüngsten 0:3-Testspielpleite gegen Red Bull Salzburg sogar etwas Positives abgewann: "Das war wie eine kleine Sirene, dass es nicht von alleine geht." Gegen Mönchengladbach will der deutsche Rekordmeister um Trainer Pep Guardiola jedenfalls weitermachen, wo man zuletzt aufgehört hat: fleißig Siege einfahren. "Wir müssen gut aus den Startlöchern kommen und der Konkurrenz direkt zeigen: Da ist nichts zu holen", gab Müller die Marschroute vor. Dass die Partie kein Selbstläufer werden dürfte, liegt auch an der Heimstärke der Gladbacher, die beeindruckende acht der bisherigen neun Partien vor eigenem Publikum gewannen. "Wir haben Respekt, aber keine Angst", stellte Borussia-Trainer Favre im Vorfeld klar.

Klopps Dortmunder wollen Platz zwei

Während das Auftaktmatch große Spannung verspricht, treibt die Frage nach dem kommenden deutschen Meister kaum noch jemanden um. Selbst für Bundestrainer Joachim Löw ist es nicht vorstellbar, dass sich die Bayern die erfolgreiche Titelverteidigung noch vermasseln lassen. "Ich denke, der Kampf um die Champions-League-Plätze wird am Ende noch ein Stück weit interessanter", sagte Löw, der höchstens Borussia Dortmund zutraut, die Bayern noch zu ärgern. "Wenn überhaupt, sind zwei Mannschaften in der Lage, Meister zu werden. Das sind die Bayern, und die Dortmunder sind auch immer in der Lage, eine sehr gute Rückrunde zu spielen", meinte der 53-Jährige. Allerdings hat das Team von Jürgen Klopp als Vierter hinter Bayer Leverkusen und den Gladbachern schon zwölf Punkte Rückstand auf den Rekordmeister. Nicht zuletzt deshalb schielt selbst Klopp nicht mehr nach ganz oben. Der BVB-Coach hat Platz zwei beziehungsweise die direkte Qualifikation für die Königsklasse zum Ziel erklärt. "Wenn wir Zweiter werden sollten, hole ich mir einen Lastwagen, fahr' durch den Garten und freu' mich", sagte Klopp, dessen Team am Samstag mit einem Heimspiel gegen den FC Augsburg, als Achter das Überraschungsteam der Hinrunde, den Kampf um das internationale Geschäft aufnimmt.

Vier Teams, drei Champions-League-Plätze

Außer Leverkusen, das im Auswärtsspiel gegen den FC Freiburg seinen zweiten Tabellenplatz verteidigen und sich damit als Bayern-Verfolger Nummer eins behaupten will, und Gladbach machen sich auch der VfL Wolfsburg (Platz 5) und Schalke 04 Hoffnungen auf einen Platz unter den ersten Vier. Schließlich sind der Tabellen-Dritte (Gladbach/33 Punkte) und Schalke (28) als Siebter nur durch fünf Zähler getrennt. Schon am 19. Spieltag kommt es auf Schalke zum spannenden Verfolger-Duell mit den "Wölfen", die am Samstag im Niedersachsen-Derby aber zunächst auf Hannover 96 und deren neuen Trainer Tayfun Korkut treffen. Der VfL kann dabei erstmals auf die Dienste seines 22-Millionen-Euro-Neuzugangs Kevin de Bruyne bauen, während Schalkes Hoffnungen vor allem auf der Rückkehr von Torjäger Klaas-Jan Huntelaar ruhen.

Seit seiner im Hinspiel im August in Wolfsburg erlittenen Knieverletzung konnte der "Hunter" nicht mehr auf Torjagd gehen. Nun meldete sich der 30-Jährige schon für die Auftaktpartie beim Hamburger SV am Sonntag einsatzbereit. "Mein Knie fühlt sich gut an. Ich bin fit, aber entscheiden muss der Trainer", sagte der Niederländer. Die Hamburger hoffen indes auch sportlich auf einen Aufschwung, nachdem die mehrheitliche Verabschiedung der Initiative "HSVPlus", die die Ausgliederung der Profiabteilung vorsieht, intern zuletzt für Aufbruchstimmung gesorgt hatte.

Ausgeweitete Abstiegszone

Von der Champions- beziehungsweise Europa-League ist der Bundesliga-Dino genau wie die Konkurrenz in der unteren Tabellenhälfte allerdings meilenweit entfernt - auch, weil die erweiterte Abstiegszone bereits mit den punktgleichen Teams auf den Plätzen zehn (Stuttgart) und elf (Bremen) beginnt. Einen besonders langen Weg bis zur Rettung vor dem Abstieg haben der in der bisherigen Saison noch sieglose 1. FC Nürnberg und Aufsteiger Eintracht Braunschweig vor sich. Das Duo hat jeweils nur elf Punkte gesammelt, ist aber dennoch nicht abgeschlagen. Alles in allem also genug Potenzial, um die bis zum 11. Mai gehende Rückrunde ungeachtet der Bayern-Dominanz spannend zu halten.

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