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Auf Kante genäht

Als Aufsteiger direkt in die Playoffs zur Europa League - die Euphorie in Frankfurt könnte kaum größer sein. Doch viel spricht dafür, dass die Eintracht nun den Preis für den Erfolg zahlen muss.

Von Dieter Hoß

  Im Zeichen der Eintracht: Trainer Armin Veh macht der launischen Diva vom Main immer wieder Beine.

Im Zeichen der Eintracht: Trainer Armin Veh macht der launischen Diva vom Main immer wieder Beine.

Auf Europa-Kurs, Absturz, Aufstieg, zurück in Europa - die Frankfurter Eintracht hat eine wahre Achterbahnfahrt hinter sich. Beachtlich ist, wie die Hessen mit mentaler Stärke den Abstieg 2011 zum Betriebsunfall degradierten. Nun spielt das Gründungsmitglied der Bundesliga wieder international. Allerdings gibt selbst Trainer Armin Veh zu: "Normalerweise haben wir mit unserem Budget da oben nichts zu suchen."

Was ist neu?

Die bloße Teilnahme am "Europacuuup! In diesem Jahr!" - so ein T-Shirt-Aufdruck - ist daher auch schon die größte Neuerung. Große Sprünge lässt der Finanzrahmen nicht zu. Jan Rosenthal (Freiburg) und Stephan Schröck (Hoffenheim) kommen ablösefrei, Stürmer Joselu (Hoffenheim) und Winterzugang Marco Russ (Wolfsburg) sind ausgeliehen, nur Sechser Johannes Flum (Freiburg) hat mit zwei Millionen Euro eine nennenswerte Ablöse gekostet. Im Jargon nennt man das: "In der Breite verstärkt".

Was ist gut?

Die Neuen erweitern die Möglichkeiten der erfolgreichen Stammelf, die komplett zusammengeblieben ist. Das Team ist also schon eingespielt - dementsprechend absolvierte die Eintracht die Testspiele mit weißer Weste. Dass Kapitän Pirmin Schwegler und Talent Sebastian Jung hochdotierte Angebote ausschlugen, spricht für eine positive Stimmung in Mannschaft und Verein. Den hält Trainer Armin Veh auf Trab. Durch seine manchmal sehr direkte Art bekämpft er wirkungsvoll jene lähmende Selbstgefälligkeit, die anscheinend zum Charakter der "launischen Diva vom Main" gehört.

Was ist schlecht?

Was Veh nicht in den Griff bekommt, ist das chronische Sturmproblem. Angreifer kommen und gehen, keiner überzeugt. Mickrige sechs Stürmertore schossen die Hessen im vergangenen Jahr - vier davon immerhin durch Winterzugang Srdan Lakic, der dennoch seit Jahren seine Bestform sucht. Und nun kommt nur Joselu dazu, der bisher aber nicht als Goalgetter aufgefallen ist. Da sich Verpflichtungen von Nicklas Bendtner (Arsenal London) und Vaclav Kadlec (Sparta Prag) zumindest vorerst zerschlagen haben, denken die Frankfurter über Peniel Mlapa nach, obwohl das ewige Talent - in Gladbach auf dem Abstellgleis - ebenfalls keine Tormaschine ist. So hängt viel zu viel an Alex Meier. Von dem Mittelfeldmann darf niemand erwarten, dass er wieder 16 Tore schießt. Rosenthal könnte ihn vielleicht entlasten, doch für ihn gilt wie für seinen Kompagnon Flum: Ob die beiden auch außerhalb des Freiburger Kollektivs so stark sind wie vergangene Saison, bleibt abzuwarten. Zusätzlich belastend für den Club ist die problematische, teils gewaltbereite Fanszene. Jüngster negativer Höhepunkt: Beim Testspielsieg in Luxemburg drangen Frankfurter Hooligans ohne gültige Tickets gewaltsam ins Stadion ein und tauchten die Ränge in Bengalo-Feuer.

Was ist möglich?

Vieles spricht dafür, dass die Eintracht den Fluch des Erfolges erleben wird. Europa ist Abenteuer und ungewohnte Belastung zugleich. Meier und Co. spielten schon im vergangenen Jahr am Limit, echte Verstärkungen hat es nicht gegeben. Stuttgart, Wolfsburg, Gladbach - zuletzt allesamt hinter der Eintracht platziert - wirken personell stärker aufgestellt. Frankfurt wird in der unteren Tabellenhälfte landen. Treffen Meier und Lakic ist das sichere Mittelfeld drin, haben sie Ladehemmung könnte es sogar kritisch werden.

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