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Lob für Bayern, Tadel für die Konkurrenz

Nach dem Sieg über Leverkusen können die Bayern zu Ostern bereits Meister werden. So viel Dominanz gab es noch nie und macht die Liga langweilig. Doch Jammern oder China-Vergleiche bringen nichts.

Ein Kommentar von Tim Schulze

  In andere Dimensionen entrückt: Bastian Schweinsteiger und Dante können die Möchtegern-Verfolger nur noch durch ein Fernglas wahrnehmen.

In andere Dimensionen entrückt: Bastian Schweinsteiger und Dante können die Möchtegern-Verfolger nur noch durch ein Fernglas wahrnehmen.

Im Laufe der zweiten Halbzeit meckerte sich Matthias Sammer auf der Bank der Bayern in Rage. Was der Sportdirektor sah, konnte ihm nicht gefallen. In der ersten Halbzeit hatten die Bayern gegen ängstlich spielende Leverkusener in der BayArena nach Belieben dominiert. Ein Tor durch Mario Gomez und 66 Prozent Ballbesitz waren eine klare Antwort von Deutschlands Rekordmeister auf die Kritik von Uli Hoeneß, der nach der Pleite gegen Arsenal London wutschäumend davon gesprochen hatte, dass die Mannschaft "seit drei Wochen schönen Dreck" zusammenspiele. Doch nach Wideranpfiff überließ das Team von Jupp Heynckes dem Gastgeber das Feld.

Nachlässig, fast schon schlampig traten die Bayern auf und machten Leverkusen stark, das nach einer Ecke den Ausgleich durch Simon Rolfes erzielte. Kurz vor dem Abpfiff dieser mittelmäßigen Partie trat dann Bastian Schweinsteiger zum Freistoß an. Sein Schuss wurde von Philipp Wollscheids Rücken ins Tor gelenkt – und sieh da: Die Dusel-Bayern hatten wieder mal zugeschlagen. Der 22. Sieg im 26. Spiel war unter Dach und Fach. Und wieder mal mit einer B-Elf ohne Ribéry, Müller, Lahm, Kroos und Mandzukic. Der Vorsprung auf die ebenfalls siegreichen Dortmunder (5:1-Erfolg gegen Freiburg) beträgt weiterhin 20 Punkte. Einen Sieg am nächsten Spieltag bei gleichzeitiger Niederlage von Dortmund, und die Bayern dürfen sich Ostern die Schale ins Nest legen.

Schwachbrüstige Konkurrenz

Das ist beeindruckend – aber für die Spannung in der Liga tödlich. Die Bundesliga, die von allen Seiten – zu recht - als echtes Erfolgsprodukt beschrieben wird, kann sich auf Dauer eine derartige Dominanz eines einzelnen Clubs nicht leisten. Aber ist das die Schuld der Bayern? Selbstverständlich nicht. Der Rekordmeister hat nach zwei Pleite-Jahren, in denen die Dortmunder die Liga beherrschten, aus seinen Fehlern gelernt, die Mannschaft wurde klug und mit viel Geld verstärkt. Die Konkurrenz zu den Schwarz-Gelben, das hat Uli Hoeneß in der Vergangenheit klar gesagt, war der eigentliche Antrieb für diese Entwicklung. Sie ist bislang auf ganzer Linie gelungen. Die Bayern steuern auf das Triple zu. Die Meisterschaft ist bereits verbucht. Ob sie auch den DFB-Pokal und die Champions League gewinnen, ist natürlich offen. Doch möglich ist der Mega-Triumph. Dafür gebührt den Bayern Lob.

Die Kehrseite der Medaille ist, dass die Dominanz eines einzelnen Clubs nur bestehen kann, wenn die Konkurrenz so schwachbrüstig daherkommt, wie es aktuell in der Bundesliga der Fall ist. Mannschaften wie Dortmund, Leverkusen oder Schalke fehlt es an Konstanz. Und sie spielen gegen die Bayern oft wie Leverkusen am Samstagabend. Das einzige Team in der Bundesliga, das dem enteilten Tabellenführer bislang eine Niederlage zufügte, agierte zunächst eingeschüchtert und mutlos. Für eine Mannschaft, die in der nächsten Saison in der Champions League spielen will, war das zu wenig. Erst als die Bayern den Gastgeber gewähren ließen und Matthias Sammer zu seinen Schimpftiraden veranlassten, kam Leverkusen besser ins Spiel und erzielte den Ausgleich. Doch die Bayern schlugen zurück. Klar, mit viel Dusel. Aber zum Dusel gehört, dass man sich die Möglichkeit zum Sieg offen hält, und nicht zu viele Tore kassiert. Glück muss man sich auch erarbeiten.

Ausgeglichenheit auch Zeichen für Mittelmaß

Und die anderen Clubs? Dortmund ist zu schwach aufgestellt, um in drei Wettbewerben mitzuhalten, außerdem fehlt national nach zwei Meisterschaften vielleicht die Motivation. Die Dortmunder brillieren eindrucksvoll in der Champions League. Doch um auf Dauer national wie international eine echte Konkurrenz zu den Bayern zu sein, müssen sie sich breiter aufstellen. BVB-Boss Watzke hat angekündigt, dass er investieren will. Das ist der logische Schuss aus dem Saisonverlauf. Und der Rest? Gefühlte zehn Mannschaften rangeln um den Qualifikationsplatz für die Champions League und die Europa-League-Plätze. Die viel gerühmte Ausgeglichenheit der Liga, so lobenswert sie ist, ist auch ein Zeichen für Mittelmaß. Kein deutscher Club hat es in der Europa-League ins Viertelfinale geschafft, nur Stuttgart gelang der Sprung ins Achtelfinale.

Die Bayern sind der Maßstab. Jammern oder China-Vergleiche helfen der Konkurrenz nicht, den Abstand auf den Branchenprimus zu verkürzen. Vielmehr sollte es mehr Vereine neben Dortmund geben, die den Bayern nacheifern. Schalke und der Hamburger SV haben durchaus die Voraussetzungen dafür. Und wenn die wirtschaftlichen Voraussetzungen fehlen, reicht es, sich ein wenig von der bajuwarischen Siegermentalität anzueignen.

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