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Machtdemonstration am Aufbaugegner

Die Bayern haben der Liga durch den Sieg beim HSV gezeigt, wo der Hammer hängt. Damit hat auch Manuel Neuer das Duell der Torhüter gegen René Adler klar gewonnen - doch das muss kein Vorteil sein.

Von Tim Schulze

  Vollkommen bedient: Die HSV-Profis lassen nach der klaren Niederlage gegen die Bayern die Köpfe hängen.

Vollkommen bedient: Die HSV-Profis lassen nach der klaren Niederlage gegen die Bayern die Köpfe hängen.

  • Tim Schulze

Irgendwann patzte auch René Adler. In der zweiten Halbzeit beim Stand vom 0:3 gegen Bayern München rutschte ihm eine abgefälschte Flanke von Franck Ribéry aus den Armen. Es gab Eckstoß, der zum Glück für die schwer gebeutelten Hamburger kein weiteres Tor zur Folge hatte. Adler wird diesen kleinen Fauxpas verkraften, denn der Hamburger Torwart war der beste Spieler seiner Mannschaft auf dem Platz. Ohne seine Paraden hätte es zu diesem Zeitpunkt noch schlimmer für den HSV ausgesehen, auch wenn er zuvor beim zweiten Treffer durch Thomas Müller eine unglückliche Figur machte. Die Bayern beherrschten den überforderten Gegner bis auf die ersten 20 Minuten deutlich: "Wir haben gegen eine Mannschaft gespielt, die eine Klasse besser war", sagte Adler nach dem Abpfiff.

Ein bisschen hatten sie schon geträumt in der Hansestadt vor dem Duell gegen den Tabellenführer. Das hatte sich vor allem daran festgemacht, dass es in den Tagen zuvor ein beherrschendes Thema in Hamburg und ganz Fußball-Deutschland gab: das Duell von Adler und Nationalkeeper Manuel Neuer. Adler spielt bislang eine überragende Saison. Er ist einer der Väter der Wiederauferstehung, die der HSV in den letzten Wochen erlebt hat. Nach einem Jahr ohne ein einziges Spiel in Leverkusen zeigt die frühere Nummer eins der Nationalmannschaft in dieser Saison ein beeindruckendes Comeback. Adler drängt mit Macht zurück in die DFB-Elf, für die er exakt vor zwei Jahren das letzte Mal auflief. Da ist es verständlich, dass das Aufeinandertreffen der beiden Spitzenkeeper im Mittelpunkt stand. Irgendwie dachten sie in der Hansestadt wohl, dass die gesamte Mannschaft schon das Niveau ihrer Nummer eins hat. Das war ein Irrtum.

Van der Vaart mit schwachem Auftritt

An Adlers guten Aussichten auf eine Rückkehr ins Nationaldress wird das nichts ändern, auch wenn er seine Leistung im Hinblick auf den Konkurrenten Neuer brav unter das Gesamtergebnis ordnete: "Das habe ich heute grandios verloren." Doch dieser Umstand lässt sich auch positiv wenden. Adler, der die WM 2010 wegen einer gebrochenen Rippe verpasste, spielt in einer Mannschaft, in der er sich häufiger auszeichnen kann, weil seine Vorderleute viel mehr Torchancen zulassen als beim Konkurrenten aus dem Süden. Das war an diesem regnerischen Abend in der Hamburger Imtech-Arena besonderes deutlich zu sehen. Neuer erlebte eine ruhige Zeit. Auf diesen Umstand angesprochen sagte er nach dem Spiel nicht ganz ernsthaft: "So langweilig ist er nicht. Ich muss viel dirigieren und die Mannschaft mit ordnen. Ich will mich einbringen und helfen. Bei einigen Freistößen aus dem Halbfeld muss ich da sein. Wir müssen eine gute Ordnung haben und da muss ich auch mithelfen."

Die Mannschaft von Thorsten Fink hielt die Bayern nur in den ersten 20 Minuten gut gestaffelt und mit läuferischen Einsatz vom eigenen Tor weg. Allerdings spielten sie sich in dieser Phase auch nur eineinhalb Torchancen heraus. Nach einer schönen Kombination scheiterte Rafael van der Vaart am Knie von Bayern-Verteidiger Dante – ein Kopfballversuch des niederländischen Stars war noch harmloser – das war es. Überhaupt stand die Leistung van der Vaarts exemplarisch für die gesamte Mannschaft. Der Niederländer zeigte seinen schwächsten Auftritt seit seiner Rückkehr. Den Rest des Spiels bestimmten die Gäste aus München, die folgerichtig durch Bastian Schweinsteiger in Führung gingen. "Das 0:1 vor der Pause hat uns das Genick gebrochen. Die Bayern waren einfach zu stark heute, und wir haben nicht unseren besten Tag gehabt", urteile Fink.

Bayern haben bissige Nüchternheit wiedergefunden

Der Hamburger Trainer hatte durch seine Taktik Anteil daran, dass seine Mannschaft chancenlos war. Er schickte Spielmacher van der Vaart als Spitze auf den Rasen, dahinter spielte der sichtlich überforderte Heung-min Son. In der Pause korrigierte Fink seine Maßnahme und brachte Artjoms Rudnevs als Sturmspitze – aber da war es schon zu spät. Ein schnelles Tor von Thomas Müller nach Wiederanpfiff brachte die Vorentscheidung. Neuer wird von seinem Tor aus nur undeutlich gesehen haben, dass neuer Konkurrent beim zweiten Gegentreffer unglücklich aussah. Fairerweise muss man sagen, dass das Tor ein kleiner Geniestreich von Müller war. Nur wenige Spieler können einen Ball aus spitzem Winkel fast von der Grundlinie ins Tor streicheln. "Ich weiß nicht, ob es das schönste Saisontor war. Aber es hat sich gut angefühlt, weil es ein wichtiges war zum 2:0. Dann konnten wir ein bisschen durchschnaufen." Die Hamburger waren geschlagen und kassierten schließlich noch das 3:0 durch Toni Kroos, der ohne größere Mühe in den Strafraum eindrang und den Ball unter die Latte hämmerte.

Die Auftritt der Bayern war – wieder mal – eine Machtdemonstration. Ein Grund dafür war die überragende Leistung von Franck Ribéry, der nach seiner Rückkehr zusammen mit David Alaba mit überschäumender Spiellaune zu Werke ging. Auch der Rest der Mannschaft spielte konzentriert und dizipliniert. Die Bayern wollten in der Hansestadt nichts anbrennen lassen. Dafür spricht die Zahl der taktischen Fouls gegen den HSV im Mittelfeld. Es wurde nicht nur gezaubert, sondern auch gearbeitet. Die Niederlage gegen Leverkusen ist vergessen. Vielleicht kann man sogar im Gegenteil behaupten, dass die Bayern dadurch (auch durch den mühsamem Arbeitssieg in der Champions League gegen OSC Lille) wieder aus ihrer selbstentfachten Sieges-Euphorie der vergangenen Wochen aufgewacht sind. Sie haben ihre bissige Nüchternheit und Spielstärke wiedergefunden.

Die Konkurrenz macht es Bayern leicht

Allerdings macht es ihnen die Konkurrenz auch leicht. Schalke verlor in Hoffenheim und hat jetzt wieder sieben Punkte Rückstand. Dortmund spielte im eigenen Stadion 0:0 gegen Stuttgart, und schaut mit einem Abstand von elf Punkten auf die Münchner. Und die Hamburger sind nach der klaren Niederlage gegen die beste Mannschaft der Liga ernüchtert – dafür haben sie bald wieder einen Keeper, der in der Nationalmannschaft spielt.

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