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So schöne, kuriose und dramatische Tore fielen in der Bundesliga

Bislang sind 49.999 Tore in der Fußball-Bundesliga gefallen - es steht also ein Jubiläum an an diesem Wochenende. Viele Treffer sind bis heute unvergesslich. Eine Reise durch fast 54 Jahre Liga-Geschichte.

Oliver Kahn Jay-Jay Okocha Bundesliga

"Jay-Jay" Okocha von Eintracht Frankfurt bei seinem legendären Bundesliga-Tor gegen den damaligen KSC-Keeper Oliver Kahn

An diesem Wochenende fiel das 50.000ste Tor in der Geschichte der Fußball-Bundesliga. Bis zum großen Jubiläum fehlte vor dem Spieltag lediglich ein Treffer, wie aus den Daten der Deutschen Fußball Liga (DFL) hervorging. Bereits im Freitagabendspiel zwischen Augsburg und Leverkusen knackte Bayer-Spieler Karim Bellarabi die historische Marke. Deshalb werfen wir erneut einen Blick zurück in die Tor-Geschichte der Bundesliga. 

In den vorherigen 49.999 Treffern sind unter anderem auch die 41 Tore von aus der Saison 1971/72 enthalten, obwohl der Club damals zwangsabsteigen musste in der Statistik mit null Toren geführt wird. Das gleiche gilt für die eigentlichen Ergebnisse der Spiele, die anschließend am Grünen Tisch neu gewertet wurden.

Bundesliga: Schöne, kuriose, dramatische Tore

Zu den denkwürdigsten Treffern der Geschichte zählen aber nicht nur die schönsten und spektakulärsten, sondern auch jene, die besonders kurios waren, eine besondere Bedeutung hatten oder in den denkbar dramatischsten Momenten fielen.

Zum bevorstehenden 50.000 Jubiläum - eine Zeitreise in berühmten Bundesliga-Toren:


1963: eröffnet den Reigen

Es ist über 19.500 Tage her, seit Friedhelm "Timo" Konietzka am Premieren-Spieltag der neu gegründeten in der ersten Minute der Partie zwischen Werder Bremen und Borussia Dortmund das 1:0 für den BVB erzielte. Seit jenem 24. August 1963 hegen die 30.000 Zuschauer im Weserstadion Exklusiv-Anspruch als Zeitzeugen - von Konietzkas Tor existieren weder TV-Aufnahmen noch Bilder, nur Fotos vom jubelnden Torschützen und Vorbereiter Lothar Emmerich.

1971: Ulrik le Fevre trifft zum ersten "Tor des Jahres"

Borussia Mönchengladbach zeichnet sich für eine ganze Reihe schöner Tore der Bundesliga-Geschichte verantwortlich, vor allem die berühmte "Fohlen-Elf" der 70er-Jahre begründete den bis heute nachhallenden Mythos des Vereins als Symbol für spektakulären Fußball. Folgerichtig geht auch das erste offiziell gekürte "Tor des Jahres" auf das Konto eines Gladbachers: Der Däne Ulrik Le Fevre, erster ausländischer Spieler in der Bundesliga überhaupt, traf in der 52. Minute gegen Schalke 04 zum 6:0 (Endstand 7:0). An sein Tor erinnert sich der heute 70-Jährige in der "Fußball Bild" höchstpersönlich, als hätte er es letztes erzielt: "Der Ball ist hoch in den Strafraum reingekommen, in der Nähe des linken Pfosten. Da habe ich den Ball genommen und über den ersten Gegenspieler in Richtung Mitte gehoben. Der Ball ist nicht auf den Boden gefallen und ich habe den Ball in der Drehung über den Nächsten gehoben und dann volley ins Tor geschossen."

1975: Klaus Fischers erster Fallrückzieher

Kein Spieler ist bis heute so berühmt für seine spektakulären Fallrückzieher wie Klaus Fischer - kein Wunder also, dass der zweitbeste Torjäger der Liga-Historie auch sein allererstes "Tor des Monats" und "Tor des Jahres" auf diese Weise erzielte, am 27. September 1975 für Schalke beim Karlsruher SC zur 1:0-Führung (Endstand 2:2).

1982: Uwe Reinders größter Wurf

Uwe Reinders war Nationalspieler und ein durchaus torgefährlicher Rechtsaußen, sein mit Abstand berühmtestes Tor machte er aber mit der Hand: Per langem Einwurf überwand er die belgische Torwart-Legende Jean-Marie Pfaff in dessen erstem Einsatz für den FC Bayern München am 21. August 1982. Besonders unglücklich für Pfaff: Das Tor zählte nur, weil er mit den Fingern noch leicht den Ball touchierte und ihm damit zudem Effet und eine neue Richtung verlieh. Die offiziellen Fußball-Regeln besagen nämlich laut Punkt 15: "Der Einwurf ist eine Spielfortsetzung. Aus einem Einwurf kann ein Tor nicht direkt erzielt werden."

1985: "Litti" im Sitzen

Instinktfußballer wie Pierre Littbarski sind eine seltene Spezies. Noch seltener ist eine so eindrucksvolle Demonstration ihrer Gabe wie jene, die Pierre Littbarski für den 1. FC Köln im Spiel gegen Werder Bremen am 25. April 1985 zur Aufführung brachte. Eine seiner typisch-wuseligen Aktionen schloss der kleine Dribbler letztlich im Sitzen zum 3:1 ab (Endstand 3:2). Später wurde der schräge Treffer, den Sie hier im Video sehen können, zum "Tor des Jahres" gewählt. "Litti" im Rückblick: "Ich kann mich noch gut daran erinnern. Die Szene war ja schon fast vorbei. Ich habe das intuitiv gemacht, war selber überrascht, dass der Ball rein gegangen ist."

1993: "Jay-Jay" Okocha tanzt Oliver Kahn aus

Besser als mit den Worten des Sat.1-Reporters jörg Dahlmann lässt sich das Zaubertor des Frankfurter Supertechnikers Augustine "Jay-Jay" Okocha gegen den damaligen KSC-Keeper Oliver Kahn nicht beschreiben: "Liebe Zuschauer! Die Zeit für meinen Bericht ist zwar abgelaufen, aber egal. Sollen sie mich rausschmeißen, ich zeig' ihnen die Szene bis zum Umfallen." Warum sich Fußballfans vereinsübergreifend immer noch verzückt an den Treffer erinnern, lässt sich an unserem kleinen "Daumen-Kino" seines Tanzes nachvollziehen: 

Jay-Jay Okocha: Sein Traumtor gegen Oliver Kahn als Fotostrecke

Oder natürlich im Video inklusive Torabschluss:

1994: Das Tor, das keines war

Videobeweis, anyone? 1994 stocherte Thomas Helmer für die Bayern im Spiel gegen Nürnberg nach einer Ecke den Ball in einer unübersichtlichen Szene neben das Tor. Der Schiedsrichter Osmers gab das Tor auf Hinweis seines Linienrichters trotzdem, die Münchner gewannen das Spiel mit 2:1. Da der FC Bayern um die Meisterschaft und der Club gegen den Abstieg kämpfte, wurde ein Wiederholungsspiel zwingend notwendig. Dieses gewannen die Bayern mit 5:0 - und wurden Meister. Der 1. FC Nürnberg stieg aufgrund des schlechteren Torverhältnisses gegenüber dem SC Freiburg ab.

Ganz schön daneben: Thomas Helmers "Tor" gegen Nürnberg 1994

Ganz schön daneben: Thomas Helmers "Tor" gegen Nürnberg 1994

1997: Jens Lehmann setzt den Kopf ein

So macht man sich im Ruhrgebiet unsterblich: Freitagabend, Flutlichtspiel, und in der Nachspielzeit des Derbys in Dortmund gelang Jens Lehmann per Kopf der 2:2-Ausgleich - das damals 33.235. Tor der Bundesliga-Geschichte war der erste Treffer eines Torhüters aus dem Spiel heraus. Bittere Pointe aus Schalker Sicht: Nur ein gutes Jahr später wechselte der Keeper der legendären Eurofighter-Elf von 1997 nach kurzem Intermezzo beim AC Mailand zum BVB. Wie heißt es so häufig, aber selten so treffend: ausgerechnet.

2001: Patrik Andersson trifft ins Schalker Herz

Ein dramatischeres Saisonfinale als diese berühmten "vier Minuten im Mai" hat es bis heute nicht gegeben. Schalke hatte am 34. Spieltag der Saison 2000/01 das letzte Heimspiel im alten Parkstadion mit 5:3 gegen Unterhaching gewonnen, Premiere-Kommentator Hansi Küpper hatte bereits verkündet: "Der Deutsche Meister im Jahre 2001 heißt Schalke 04." Das Problem, das im Gelsenkirchener Trubel dummerweise unterging: Das Spiel des Meisterschaftskonkurrenten Bayern München lief noch - 0:1 lagen die Münchner in Hamburg nach dem Tor von Sergei Barbarez in der 90. Minute zurück, als HSV-Keeper Matthias Schober einen Rückpass im Strafraum mit der Hand aufnahm. Den indirekten Freistoß jagte Bayern-Verteidiger Patrik Andersson nach minutenlangen Protesten ins Hamburger Tor, aber vor allem ins Schalker Herz. Der Rest ist Wahnsinn: Ein enthemmter Oliver Kahn mit der Eckfahne in der Hand, hüpfende Bayern-Verantwortliche auf Tribüne und Rasen - und Tränen der Verzweiflung in allen Schalker Augen.

Das dramatische Saisonfinale 2001 in einem Bild: Oliver Kahn nach Patrik Anderssons Treffer in Hamburg

Das dramatische Saisonfinale 2001 in einem Bild: Oliver Kahn nach Patrik Anderssons Treffer in Hamburg

2002: St. Pauli besiegt den Weltpokalsieger

Es sind nicht die zwei schönsten Tore der Bundesliga-Geschichte, aber mit Sicherheit die am besten vermarkteten und am längsten gefeierten - 15 Jahre lang erinnern sich die Fans des FC St. Pauli inzwischen daran, wie sie dem übermächtigen FC Bayern München damals am Millerntor ein Bein stellten. Mit 2:1 wurde der damals frisch gebackene Weltpokalsieger besiegt. Die T-Shirts, die an das Spiel erinnern, werden auf dem Kiez bis heute mit einem Stolz getragen, den kein Pokal der Welt aufwiegen könnte. Am Ende der Saison 2001/02 stiegen die Braun-Weißen zwar ab - aber ganz ehrlich: Daran erinnert man sich heute rund um das Heiligengeistfeld längst nicht mehr so gut wie an den 6. Februar 2002.

St. Paulis Stürmer Nico Patschinski (r.) dreht nach seinem Tor zum 2:0 gegen die Bayern jubelnd ab

St. Paulis Stürmer Nico Patschinski (r.) dreht nach seinem Tor zum 2:0 gegen die Bayern jubelnd ab

2002: Slapstick mit Tomislav Piplica

Kuriose Eigentore hat es in 54 Jahren Bundesliga zuhauf gegeben: Jenes von Michael Ballack in Unterhaching zum Beispiel, das Bayer Leverkusen die schon sicher geglaubte Meisterschaft zu Gunsten der Bayern kostetet; oder in der jüngeren Vergangenheit der Unglücksschuss des Gladbacher Weltmeisters Christoph Kramer in Dortmund. Mehr Slapstick als bei Tomislav Piplicas Kopfball-Eigentor gegen Gladbach war aber nie. Mit der unglücklichen Aktion schaffte es der Keeper von Energie Cottbus bis in die Dauerrotation von Stefan Raabs "TV total".

2004: Hans-Jörg Butt wird überlupft

Hans-Jörg Butt hat zweifellos sein eigenes Kapitel in der Geschichte der Fußball-Bundesliga verdient: Kein Torhüter traf häufiger, insgesamt 26 Strafstöße verwandelte der beste Torschütze des HSV der Saison 1999/00 - so auch am 17. April 2004 für Bayer Leverkusen zur zwischenzeitlichen 3:1-Führung auf Schalke. Bei seinem anschließenden Jubellauf über das komplette Spielfeld zurück in seinen Strafraum lässt sich Butt allerdings ein bisschen zu viel Zeit - so dass der Schalker Stürmer Mike Hanke den Ball nach dem Wiederanstoß sofort vom Mittelkreis über die unsortierte Bayer-Mannschaft hinweg ins Tor schießt - von allen Weitschusstreffern (vgl. Alex Alves, Diego, Moritz Stoppelkamp etc.) in 54 Jahren. Tröstliche Pointe nach Butts peinlicher Panne: Es blieb beim 3:2 für Leverkusen.

2014: Keiner ist schneller als Karim Bellarabi 

Schnell, schneller, Karim Bellarabi: Am ersten Spieltag der Saison 2014/15 gelang dem Leverkusener Stürmer schon nach acht Sekunden das 1:0 für Leverkusen in Dortmund - das schnellste Tor der Liga-Geschichte, schneller als Giovane Elber 1998, Ulf Kirsten 2002 und Paul Freier 2003, die vorher jeweils 11 lange Sekunden gebraucht hatten. Fast genau ein Jahr später, am 2. Spieltag der Saison 2015/16 stellte Kevin Volland für die TSG Hoffenheim gegen den FC Bayern München den Rekord übrigens ein.

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