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Warum Claudio Pizarro der Lieblingsspieler der wahren Fußballfans ist

Peruanische Publikumslieblinge und bankdrückende Weltmeister, Slapstick-Tore und Schiedsrichterschelte, große Gefühle und Kopf-ab-Gesten: Es war mächtig was los am Bundesliga-Wochenende. Alle Höhe- und Tiefpunkte im stern-Check.

Bundesliga im stern-Check: Claudio Pizarro, Lieblingsspieler der wahren Fußball-Fans

Bundesliga-Legende: Claudio Pizarro präsentiert den Ball, mit dem er sich zum Bremer Rekordtorschützen geschossen hat

So liefen die Spiele

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Nicht weil es so spektakulär gewesen wäre - in dieser Wertung hätte wohl Frankfurts Änis Ben-Hatira die Nase vorn -, sondern weil es eher einer Slapstick-Nummer ähnelte als einem Bundesliga-Treffer: Wie sich die Gladbacher Verteidiger Hinteregger und Nordtveit auf Schalke das Ei gegenseitig ins Nest legten, hätte Monty Python nicht besser inszenieren können. Wer solche Tore kassiert, muss sich nicht wundern, wenn er trotz haushoher Überlegenheit als Verlierer vom Platz geht.

Aufreger des Tages

Neben der Kopf-ab-Geste von Bremens Papy Djilobodji war Thomas Schaaf der Aufreger des Tages - im wahrsten Sinne des Wortes, kommt es doch nicht häufig vor, dass sich der Trainer-Routinier aus der Ruhe bringen lässt. Seine neunte Niederlage im zehnten Spiel als Coach von Hannover 96 regte Schaaf allerdings so richtig auf. Genauer gesagt war es die Leistung von Schiedsrichter Wolfgang Stark, die er nicht fassen konnte. Stark hatte die Abseitsstellung vor dem Frankfurter Siegtreffer übersehen und Hannover einen Elfmeter nach Foul von Frankfurts Stefan Reinartz an Edgar Prib versagt.

Die Krönung war für Schaaf aber die Bewertung des "Sky"-Schiedsrichterexperten Markus Merk, der allen Ernstes argumentierte, dass die Spieler ja schließlich auch nicht reklamiert hätten. "Dass sich der Herr Merk danach hinstellt und sagt, er könne nicht verstehen, warum die Spieler sich nicht beschwert hätten, ist für mich der Ober-GAU", schimpfte Schaaf. "Denn wenn ein Spieler zum Schiedsrichter läuft und sich beschwert, wird er in der Regel sofort gemaßregelt oder sogar gesperrt."

Gewinner des Tages

Als seine Kollegen nach dem 1:1 gegen Mainz noch den Pressevertretern in den Katakomben des Weserstadions Rede und Antwort standen, war Claudio Pizarro schon auf dem Weg zum Flughafen: Ab nach Lima, denn auch die peruanische Nationalmannschaft ist in der WM-Qualifikation auf seine Tore angewiesen. Typisch Pizarro - auch mit 37 Jahren ist der frischgebackene Bremer Rekordtorschütze noch ein Hans Dampf in allen Fußballgassen. Längst könnte er die Ernte einholen, noch ein paar Milliönchen in den chinesischen oder US-amerikanischen Rentnerligen dieser Welt kassieren. Stattdessen stellt er sich dem rauhen Abstiegskampf mit Werder, dem Verein, dem er seine internationale Karriere verdankt - und dem er jetzt alles und noch viel mehr zurückzahlt. Seine vorbildliche Einstellung und Klasse - Mehmet Scholl bezeichnete ihn einst als "besten Fußballer, mit dem ich je zusammengespielt habe" - haben Pizarro nicht nur zum erfolgreichsten ausländischen Torjäger der Bundesliga-Geschichte gemacht, sondern auch zum Lieblingsspieler aller wahren Fußball-Fans. Man muss kein Nostalgiker sein, um festzustellen: Typen wie ihn gibt es nicht mehr viele.

#Piza101 - Werders neuer Rekordtorschütze

101 Tore für die Ewigkeit und ein Treffer schöner als der andere. Bei WERDER.TV gibt es alle #Werder-Tore von #Pizarro im Zeitraffer: bit.ly/Piza101VideoBewahre dir den hisTORischen Moment! Hier gibt es das Pizarro-Rekordshirt: bit.ly/PizarroRekord

Posted by SV Werder Bremen on Sonntag, 20. März 2016

Verlierer des Tages

Wann soll Mario Götze eigentlich noch zum Einsatz kommen, wenn nicht im schnöden Bundesliga-Spiel beim 1. FC Köln? Drei Tage nach dem Champions-League-Wahnsinn gegen Juventus baute Pep Guardiola seine Startformation auf vier Positionen um, wechselte während des Spiels noch dreimal aus - und trotzdem saß der deutsche Weltmeistertorschütze einmal mehr 90 Minuten auf der Bank. Kollegen wie Müller oder Lewandowski zeigten in anschließenden Interviews sogar Mitleid mit Götze, so weit ist es schon gekommen. Bemerkenswert auch Guardiolas ausgesprochen eitle Begründung für die Nichtberücksichtigung: "Es war meine Entscheidung und es war die beste Lösung für Bayern München. Wenn wir gewinnen, dann liege ich richtig." So weit, so arrogant.

Noch weniger nachvollziehbar sind aber die Einschätzungen vieler "Experten", die nun einen Wechsel Götzes am Saisonende prophezeien. Angeblich würden die reichen englischen Klubs der Premier League den deutschen Edeltechniker schon mit großen Geldscheinen heranwinken. Dabei geht Guardiola am Ende der Saison doch selbst nach England, zu Manchester City - und womöglich würde sein Nachfolger auf dem Münchener Trainerstuhl, der väterliche Carlo Ancelotti, ja einen besseren Zugang zum sensiblen Götze finden als der kühle Projektleiter Pep. Aber ob die Zukunft von "Super Mario" nun in Bayern oder in England liegt, eines wagen wir zu prophezeien: Zu Manchester City wird Götze nicht gehen.

Bild des Tages

Patrick Herrmann, Julian Korb und Andre Hahn von Borussia Mönchengladbach

Bankdrücker mit Botschaft: Die Gladbacher Patrick Herrmann, Julian Korb und Andre Hahn (v. l.) am Freitag auf Schalke

Das Auswärtsspiel beim FC Schalke 04 wird Borussia Mönchengladbach wegen der völlig unnötigen Niederlage so schnell nicht vergessen. Die Fußballfans der Republik werden eher die große Geste der Gladbacher in Erinnerung behalten: Die komplette Mannschaft samt Trainer André Schubert lief in T-Shirts mit der Aufschrift "Josip, wir sind bei Dir!" ins Stadion ein - der Gruß galt dem nach Hamburg ausgeliehenen Schweizer Nationalstürmer Josip Drmic, der wegen eines Knorpelschadens im Knie für Monate ausfällt und auch die EM in Frankreich verpassen wird. Da sage noch mal einer, in der Bundesliga sei kein Platz für Sentimentalitäten.

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