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Der heimliche Boss des BVB

Seit Jahren wird Sven Mislintat heftig umworben, jetzt sogar von den Bayern. Doch bei Borussia Dortmund denken sie gar nicht daran, ihren Chefscout abzugeben - aus gutem Grund: Der Perlentaucher ist unersetzlich.

BVB Scout Sven Mislintat

Hat für den BVB schon Stars wie Shinji Kagawa und Ousmane Dembélé entdeckt: Talentscout Sven Mislintat

Eifersucht ist ein Zeichen der Wertschätzung. Es besteht also kein Zweifel, dass die Verantwortlichen von Borussia Dortmund ganz genau wissen, was sie an Sven Mislintat haben. Denn sobald der Chefscout mal wieder bei einem anderen Verein im Gespräch ist, reagieren Sportdirektor Michael Zorc oder Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke regelmäßig ziemlich zickig.

So war es, als Mislintat vor der vergangenen Saison bei Fortuna Düsseldorf als Sportchef und beim Hamburger SV als Sportdirektor im Gespräch war. Der 44-Jährige konnte sich den beruflichen Aufstieg angeblich gut vorstellen, aber für Watzke gab es damals trotz brodelnder Gerüchteküche "keine Personalie Mislintat", sprich: keine Gesprächsbereitschaft seitens des Vereins. "Er bleibt beim ", sagte Watzke in seltener Deutlichkeit. "Punkt, aus, Ende."

BVB: Bei Mislintat beißen auch die Bayern auf Granit

Weshalb auch der FC Bayern München mit seinem Interesse an Mislintat in auf Granit beißt. In München sähen sie den Scout gerne als Ersatz für den zum VfB Stuttgart gewechselten Kaderplaner Michael Reschke. Aber: "Sven bleibt hier bei Borussia Dortmund - und damit fertig", erklärte Zorc jetzt im Interview mit der Funke-Mediengruppe. Er sei etwas irritiert über das Vorgehen des FC Bayern, ließ der Sportdirektor wissen, aber das Thema sei damit erledigt.

Der Vertrag mit Mislintat sei "nicht umsonst" vor einigen Monaten bis 2021 verlängert worden, so , auch wenn "grundsätzlich jeder ersetzbar" sei. Speziell die letzte Aussage darf zumindest angezweifelt werden. Vielmehr ist die Rigorosität, mit der in Dortmund das Werben der Konkurrenz abgeblockt wird, ein Beleg dafür, dass Mislintat grundsätzlich sehr wohl unersetzlich ist.

Aus gutem Grund: Einige der größten BVB-Entdeckungen der letzten Erfolgsjahre kann Mislintat für sich und sein Team verbuchen. Shinji Kagawa spürten sie in der Zweiten Japanischen Liga auf, auch Perlen wie Pierre-Emerick Aubameyang oder Ousmane Dembélé tauchte man der Konkurrenz weg, bevor diese überhaupt auf sie aufmerksam wurde. Inzwischen gilt Borussia Dortmund international als Top-Adresse für Spitzentalente, die im Signal-Iduna-Park den Sprung zum Superstar schaffen wollen.

Das ist der Verdienst von Mislintat, der im Verein auch "Superauge" genannt wird. Sein internes Standing lässt sich auch aus den Vorgängen der kurzen Tuchel-Ära beim BVB lesen. Unter dem umstrittenen Ex-Trainer galt Mislintat auf dem Trainingsgelände in Brackel zeitweise als "unerwünschte Person", nachdem er sich einen heftigen Streit mit geliefert haben soll.

Details über die Auseinandersetzung wurden nie nach außen getragen. Nach Informationen des Fachmagazins "Kicker" soll es aber um den geplatzten Transfer von Óliver Torres gegangen sein: Der damals 21-jährige Mittelfeldspieler sollte seinerzeit von Atlético Madrid zum BVB wechseln, wurde stattdessen aber trotz weit voran geschrittener Verhandlungen schließlich an den FC Porto ausgeliehen.

Sven Mislintat und der Zoff mit Thomas Tuchel

Zum Streit zwischen Trainer und Scout hätten beide Parteien beigetragen, berichtete damals die "FAZ", was beim als schwierig geltenden Tuchel nicht weiter verwundert: "Aber auch Mislintat soll im Umgang nicht immer so unkompliziert sein, wie es sein locker-lässiges Aussehen vermuten ließe", hieß es in dem Bericht weiter.

Die Verantwortlichen spielten den Zwist damals herunter, da Mislintat schließlich nicht dem Trainer, sondern Zorc und Watzke zuarbeite. Trotzdem wirkte die bezeichnende Beförderung von Mislintat zum "Leiter Profifußball", die kurz darauf erfolgte, fast wie eine direkte Reaktion. Sie ließ Mislintat, der nur selten in der Öffentlichkeit auftaucht, aus der zweiten Reihe wie einen heimlichen Boss beim BVB wirken - zumindest wenn es um Transfers geht.

Und dieser heimliche Boss wird er offenbar auch weiterhin bleiben, bis mindestens 2021. Da können die Bayern anfragen oder die Chinesen oder sonstwer - für die "echten" Bosse gibt es keine Personalie Mislintat. Punkt, aus, Ende.

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