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Reus, Götze und ein Hallelujah

Borussia Dortmund hat das Auftaktspiel zur neuen Saison gegen Werder Bremen gewonnen - mit Glück und zwei Torschützen, die den Unterschied ausmachen.

Von Tim Schulze

  Alles fest im Griff: Passgeber Robert Lewandowski nimmt den Siegtorschützen Mario Götze in den Schwitzkasten und Marco Reus schaut zu.

Alles fest im Griff: Passgeber Robert Lewandowski nimmt den Siegtorschützen Mario Götze in den Schwitzkasten und Marco Reus schaut zu.

  • Tim Schulze

Die Erleichterung war den schwarz-gelben Akteuren deutlich anzusehen. Robert Lewandowski, der den Siegtreffer im Eröffnungsspiel der Jubiläumssaison gegen Werder Bremen durch einen Doppelpass mit Matchwinner Götze eingeleitet hatte, umklammerte den kurz zuvor eingewechselten Torschützen von hinten, als wollte er ihn in den Schwitzkasten nehmen und niederringen. Auch die anderen Dortmunder Spieler eilten herbei, Götze verschwand in einer Jubeltraube und war für kurze Zeit unsichtbar. Götze störte das herzlich wenig – wie entfesselt feierte er seinen sehenswerten Treffer und am Ende einen glücklichen, aber auch verdienten Sieg seines Teams.

Götzes emotionaler Jubel ist verständlich. Es war ja nicht nur ein Siegtreffer in einem Bundesliga-Spiel, den das Supertalent erzielt hatte. Das Tor markierte auch das Ende einer langen Leidenszeit. Die Rückrunde der abgelaufenen Meistersaison hatte er fast komplett verpasst, verhindert durch eine langwierige Schambeinentzündung. In der Nationalelf spielte er während der Europameisterschaft keine Rolle. Auch die Vorbereitung auf die neue Saison lief für ihn nicht optimal - eine Bindehautentzündung setzte ihn zweitweise außer Gefecht. Er trainiert erst seit knapp zwei Wochen wieder voll mit der Mannschaft. Und dann dieser Auftritt, der den Dortmundern drei Punkte zum Auftakt sicherte. "Dass es so gelaufen ist, ist für mich persönlich sehr, sehr wichtig. Dieses Tor ist für mich eine große Befreiung", sagte Götze nach dem Spiel.

Gelungener Einstand, erfolgreiches Comeback

Einer, der ihm als erster gratulierte, war Marco Reus. Der 17-Millionen-Mann ging dabei nicht so ruppig vor wie Kollege Lewandowski, freute sich aber selbstverständlich genauso. Erstens, weil Reus und Götze echte Kumpel sind, und zweitens, weil Reus es war, der die Borussia in der 11. Minute in Führung geschossen hatte. Es war ein gelungener Abend für die beiden: ein Einstand nach Maß für den Ex-Gladbacher und ein erfolgreiches Comeback für Götze nach einer frustierenden Auszeit. Dass ausgerechnet diese beiden die Tore für den Meister schossen, kann man als Zeichen für die Zukunft werten. Da haben sich zwei außergewöhnliche Begabungen in einer Mannschaft gefunden. Trainer Jürgen Klopp weiß, was für ein großes Versprechen die beiden darstellen. Die Leistung seines Teams ließ noch einiges zu wünschen übrig, dennoch war der Coach zufrieden. Er weiß ja, was da noch kommen kann - vor allem wegen Götze und Reus.

An diesem Abend hatten die Dortmunder eine gehörige Portion Glück, das den neu formierten Bremern fehlte. Werder begann stark und war zunächst überlegen, bis ein Fehler von Verteidiger Aleksandar Ignjovski das frühe Gegentor einleitete. Reus war nach einem Pass von Jakub Blaszczykowski zur Stelle und bestrafte die Gäste für ihre Nachlässigkeit. Es war die einzige echte Torchance des Titelverteidigers in der ersten Halbzeit. Bremen hätte sogar zweimal ausgleichen können. Erst scheiterte Eljero Elia an Torwart Roman Weidenfeller, danach Marko Arnautovic am Pfosten in einer sehr sehenswerten Partie auf hohem Niveau.

Dortmund ist noch in der Aufbauphase

Nach Wiederanpfiff zeigte sich der BVB in der zweiten Halbzeit dominanter, bekam das Spiel aber nie komplett in den Griff, weil Bremen vor allem in der Offensive große Qualität an den Tag legte. Ein Weitschuss von Zlatko Junuzovic strich nur knapp am Tor von Weidenfeller vorbei. In dieser Phase agierten die Dortmunder im Mittelfeld zu nachlässig, ihr gefürchtetes Hochgeschwindigkeits-Pressing ließen sie oft vermissen. Bremens Spielmacher Aaron Hunt fand immer wieder Gelegenheit, die Bälle zu verteilen. Die Folge war der verdiente Ausgleich, als sich der Kopfball vom Gebre Selassie nach einer Flanke von Arnautovic unhaltbar ins Netz senkte. Die Abwehr der Dortmunder war zu diesem Zeitpunkt zurück ins Sommerloch gefallen. Werder-Kapitän Clemens Fritz hatte durchaus recht, als er nach Abpfiff sagte: "Es hat das Quäntchen Glück gefehlt. Das ist bitter, heute mit leeren Händen nach Hause zu fahren. Was wir heute abgeliefert haben, wenn wir das weiter zeigen, dann ist diese Saison einiges möglich."

Für die Dortmunder gilt, dass sie nach einer mäßigen Vorbereitung noch in der Aufbauphase sind. Allerdings hat das Spiel gegen Bremen gezeigt, dass es schon mit einer für ihre Verhältnisse mittelmäßigen Leistung gegen einen ambitionierten Gegner reicht. Die Integration von Reus hat reibungslos funktioniert und Götze wird, wenn er nicht wieder von einer Verletzung gestoppt wird, schnell in die Startformation zurückkehren. Die beiden haben zum Saisonauftakt den Unterschied ausgemacht. Die Dortmunder Fans können sich mit größter Wahrscheinlichkeit auf viele fußballerische Sternstunden mit den Hochgeschwindigkeitstechnikern freuen – und die gegnerischen Fans werden sie verfluchen.

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