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Kommentar

Der BVB setzt ein Zeichen gegen den Wahnsinn

Der absurde Transferkrimi um Dortmunds Jungstar Ousmane Dembélé ist der neueste Beweis, wie verkommen das internationale Fußballgeschäft ist. Umso beeindruckender mutet daher das jüngste Statement des BVB an.

BVB Ousmane Dembélé

Noch beim BVB, bald in Barcelona? Ousmane Dembélé sorgt in Dortmund für Ärger

Es ist eigentlich ein ganz normaler Vorgang: Der FC Barcelona hat ein Angebot für Ousmane Dembélé unterbreitet, der BVB hat es abgelehnt. So weit, so gewöhnlich. In Zeiten, in denen die Sitten im Fußballgeschäft immer rasanter verkommen, ist die entsprechende Mitteilung der Dortmunder trotzdem bemerkenswert.

Das Angebot entspreche "nicht dem außerordentlichen fußballerischen und sonstigen Stellenwert des Spielers und auch nicht der derzeitigen Marktsituation des europäischen Transfermarktes", heißt es da. Und: "Da bis zum heutigen Tag kein anderslautendes Angebot des vorliegt, ist derzeit mit einem Transfer des Spielers zum FC Barcelona nicht zu rechnen und dieser folgerichtig aktuell nicht überwiegend wahrscheinlich."

BVB: Die Mitteilung ist ein starkes Statement

Wie hoch besagtes Angebot von wirklich war, wurde offiziell nicht bestätigt. Es soll sich laut Medienberichten um rund 120 Millionen Euro handeln. Aber ganz egal, welche Summe der BVB vorläufig abgelehnt hat, ganz egal, auf welche Weise der Transfer in den nächsten Tagen wahrscheinlich trotzdem zustande kommt: Es ist zunächst einfach ein starkes Statement, zu dem man dem BVB nur gratulieren kann.

Weil es mehr ist als der übliche Poker: Es ist eine Absage an das unsägliche Gebaren, das Dembélé und sein Lager sowie der ehemals als Edel-Klub geltende FC Barcelona in dieser Transferposse an den Tag legen. Dem Spieler selbst ist noch der geringste Vorwurf zu machen. Mit 20 Jahren ist er kaum mehr als eine Marionette mächtiger Berater, die hier zwangsläufig zwischen die Fronten geraten ist.

"Kindisch und dreist", nennt "Kicker"-Reporter Thomas Hennecke den Trainingsstreik des Franzosen in einem Kommentar - und verweist zurecht darauf, dass dieser Erpressungsversuch wahrscheinlich mindestens mit Billigung aus Barcelona, wenn nicht sogar auf Anraten der Katalanen, gestartet wurde.

"Aktuell nicht überwiegend wahrscheinlich"

Es ist legitim, dass sich der BVB mit Blick auf den Neymar-Wahnsinn der vergangenen Woche auf die "derzeitige Marktsituation des europäischen " bezieht und eine unanständig hohe Summe wider der finanziellen Vernunft ablehnt. Es ist auch ein Zeichen: Für uns spielt auch die sportliche Perspektive eine Rolle, und zwar keine untergeordnete.

Und auch wenn Dembélé deshalb kaum in Dortmund bleiben dürfte, weil am Ende jeder Spieler verkäuflich ist: In Zeiten, in denen der internationale Fußball-Transfermarkt unwiderruflich dem unmoralischen Wahnsinn anheim gefallen ist, kommt die Ad-hoc-Mitteilung des BVB wie ein Silberstreif am Horizont daher. Ganz zu schweigen davon, dass der Formulierung "aktuell nicht überwiegend wahrscheinlich" eine geradezu literarische Ungenauigkeit innewohnt, die nur eine alte Phrase bestätigt: Im Fußball ist alles möglich. In diesen Tagen erst recht abseits des Platzes.


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