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Der Meister-Motor stottert

Borussia Dortmund hat überraschend beim HSV verloren. Eine Serie von 31 Spielen ohne Niederlage ist zu Ende. Es ist Sand im Getriebe des Meisters. Der BVB muss nun lernen, seine Fehler abzustellen.

Von Tim Schulze

  Wie konnte das passieren? Die BVB-Profis Blaszczykowski, Perisic und Piszczek (v.l.n.r.) sind enttäuscht.

Wie konnte das passieren? Die BVB-Profis Blaszczykowski, Perisic und Piszczek (v.l.n.r.) sind enttäuscht.

  • Tim Schulze

Borussia Dortmund ist auf dem Weg zu einem historischen Rekord gescheitert – ausgerechnet gegen den Club, der diesen Rekord seit fast dreißig Jahren hält. In den Spielzeiten 1981/82 und 1982/83 gelangen dem HSV unter Trainerlegende Ernst Happel saisonübergreifend 36 Spiele ohne Niederlage – es war die erfolgreichste Zeit der Hanseaten. Lang, lang ist's her. Drei Jahrzehnte später ist die Fußball-Welt eine andere, die Hamburger kämpfen gegen Frust und Abstiegsängste, während die Dortmunder in ganzen anderen Sphären schweben. Als sie nach Hamburg reisten, standen für sie 31 Spiele ohne Niederlage zu Buche, außerdem zwei Meisterschaften, der Gewinn des DFB-Pokals und jetzt der Auftaktsieg in der Champions League – die Dortmunder sind obenauf. Eigentlich.

Die Tatsache, dass sein Team vorerst keine Chance hat, die Uralt-Erfolgsserie des HSV zu knacken, wird BVB-Coach Jürgen Klopp verschmerzt haben. Dennoch wirkte der Coach nach der 2:3-Niederlage seines Teams ziemlich niedergeschlagen. Zu überraschend kam diese Pleite gegen den siechenden Bundesliga-Dino, der durch den Sieg eine Art Wiederauferstehung feierte. Zu groß war die Enttäuschung über das Auftreten seiner Spieler: "Die Anfangsphase war schon richtig scheiße. Wir haben gesagt, dass der Gegner händeringend darum kämpft, in die Erfolgsspur zurückzukehren. Und wir fangen an mit Passspiel. Da sitzt man draußen und fragt sich: Wo waren die denn eben in der Sitzung?" Der erfolgsverwöhnte Meister kassierte drei Treffer und unterstützte den Gegner durch Nachlässigkeiten und Fehler kräftig dabei. Nationalspieler Mats Hummels versuchte gar nicht erst, die Pleite schön zu reden: "Das 1:0 schenken wir her, das 2:1 kann man vermeiden, das 3:1 ist ein Fehler von mir."

Gegen Ajax kam Glück hinzu, beim HSV fehlte es

Die Dortmunder waren noch gar nicht richtig auf dem Platz, da lagen sie schon mit 0:1 hinten. Die HSV-Fans waren aus dem Häuschen – und Klopp an der Seitenlinie war es ebenfalls. Auch bei den zwei anderen Gegentoren war die Defensive des Meisters nicht auf der Höhe. Hinzu kamen die vielen verpassten Torchancen. Entweder scheiterten die eigentlich überlegenen Dortmunder am glänzenden Keeper René Adler oder an mangelnder Präzision. Doch verloren wurde die Partie in der Defensive. Zwei Tore haben sie ja erzielt.

Das alles erinnerte an das Champions-League-Spiel am vergangenen Dienstag gegen Ajax Amsterdam, als die Dortmunder durch ähnliche Fehler dem Gegner fast ein Tor geschenkt hätten und ebenfalls zahlreiche Torgelegenheiten ungenutzt ließen. Da war allerdings noch das Glück auf ihrer Seite, gegen den HSV, der hochmotiviert ins Spiel ging, fehlte es.

Die nötige Konsequenz fehlt

Der Meister hat nach vier Spieltagen fünf Punkte Rückstand auf die Bayern. Das muss zu diesem Zeitpunkt nichts bedeuten, das ist klar, aber eine Erkenntnis lässt sich ziehen: Wenn Klopps Team seinen Tempofußball nicht mit der nötigen Konsequenz ausführt, ist es schlagbar – auch für einen HSV, der trotz van der Vaart keine Spitzenmannschaft ist. Die Spielweise der Dortmunder, die auf aggressives Pressing, Balleroberung und (turbo-)schnelles Umschalten setzt, ist ganz besonders anfällig, wenn im Aufbau Fehler gemacht werden – es ist wie ein Hochleistungssystem, das mächtig ins Stottern gerät, wenn ein entscheidendes Teil nicht hundertprozentig funktioniert. Die Gegner wissen das, und wehren sich mit den gleichen Mitteln.

Die Dortmunder Fehler kommen nicht wie aus heiterem Himmel, sie ziehen sich schon durch die ganze Vorbereitung. Auch in der vergangenen Saison startete Dortmund schwerfällig in die Saison. Der Ausgang ist bekannt, aber darauf dürfen die Dortmunder nicht setzten. Im Moment kosten die Patzer von Hummels und Co. wichtige Punkte. In den nächsten Wochen müssen sie die Nachlässigkeiten minimieren, sonst könnte der Abstand zu den Bayern tatsächlich zu groß werden. Und dann ist da noch die Champions League. In der Hammergruppe mit Real Madrid und Manchester City muss das BVB-System auf Hochtouren laufen, kein Rädchen darf ausfallen. Aber das wissen sie in Dortmund am besten.

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