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Fünf Tore und der Sahin-Effekt

Dortmunds fulminante Torgala gegen Bremen war ein klares Zeichen an die Konkurrenz. Der Sieg ist auch dem zurückgekehrten Nuri Sahin zu verdanken, auch wenn er nur ein kurzes Comeback gab.

Von Tim Schulze

  Nuri Sahin (l.) feiert mit Lukasc Piszczek den Torschützen Jakub Blasczcykowski.

Nuri Sahin (l.) feiert mit Lukasc Piszczek den Torschützen Jakub Blasczcykowski.

  • Tim Schulze

Nuri Sahin lächelte und atmete noch einmal tief durch. Jetzt war es soweit. Jürgen Klopp wechselte den Mittelfeldspieler in der 84. Minute im Spiel gegen Bremen im Weserstadion ein. Sahin, der verlorene Sohn der Dortmunder, beendete in diesem Augenblick seine anderthalbjährige Irrfahrt über die Stationen Real Madrid und den FC Liverpool und kehrte zurück auf die Bühne Bundesliga. Klopp gönnte seinem Star aus dem ersten Meisterschaftsjahr den Auftritt. Die mitgereisten BVB-Fans feierten ihn mit lauten "Nuri, Nuri"-Rufen. "Ich hatte absolute Gänsehaut. Dafür will ich mich bei diesen im positiven Sinne kranken Fans bedanken. Das ist nach anderthalb Jahren nicht selbstverständlich."

Aber nicht nur die Rückkehr von Sahin ließ die Fans jubeln. Zu diesem Zeitpunkt führte Dortmund mit 4:0 gegen überforderte Bremer. Ein Tor legten sie sogar noch drauf. Der ebenfalls eingewechselte Jakub Blaszczykowski setzte mit dem Treffer zum 5:0 den Schlusspunkt zu diesem grandiosen Auftakt in Rückrunde. "Wenn man sich bewegt, wird man warm. Wir haben uns auf die Partie gefreut und wir haben verdient gewonnen", sagte Marco Reus nach dem Spiel, während die Bremer Profis wie geprügelte Hunde von Platz schlichen.

Ungeschickte Bremer, treffsichere Dortmunder

Die Überlegenheit des Doublesiegers war aber auch zu deprimierend aus Bremer Sicht. In der 9. Minute foulte der unbedachte Werder-Verteidiger Sokratis Robert Lewandowski 20 Meter vor dem eigenen Tor, also genau auf der Position, an der ein kluger Verteidiger ein Foul unbedingt vermeidet, zumal gegen eine Mannschaft, die über einen Kunstschützen wie Marco Reus verfügt. Prompt verwandelte Reus den Freistoß kunstfertig zur frühen Führung. Bremen setzte in der Folge weiter auf Offensive, spielte aber viel zu harmlos und unpräzise. Dortmund hatte viel Raum für eigene Angriffe, den Mario Götze bei seinem Tor zum 2:0 zehn Minuten später ausnutzte, als er am Sechzehner nicht angegriffen wurde. Sein Schuss wurde leicht abgefälscht und landete erneut im Ziel. Als Felipe Santana, der für den verletzten Neven Subotic neben Mats Hummels in der Innenverteidigung auflief, kurz nach Wiederanpfiff den dritten Treffer der Dortmunder per Kopf nach einer Ecke erzielte, war das Spiel endgültig gelaufen.

In der Folge nahmen die Dortmunder das Tempo heraus, so dass Klopp an der Seitenlinie immer wieder wütend auf seine Mannschaft einredete nicht nachzulassen. Klopps Versuche, auf seine Mannschaft einzuwirken, waren aber gar nicht nötig. Die Bremer bekamen noch weniger zustande als in der ersten Halbzeit. In der Schlussphase lieferten Lewandowski und Blaczszykowski mit ihren Toren den Schlussakt. "Wir haben uns nach dem dritten Tor nicht mehr gewehrt. Wir sind nicht mehr mitgegangen", stellte der sichtlich mitgenommene Werder-Coach Thomas Schaaf ernüchtert fest.

Für die Dortmunder bedeutet der Sieg zunächst nur, dass sie den dritten Platz gefestigt haben, weil Frankfurt zuvor gegen Leverkusen verloren hatte. Der Abstand auf die gegen Fürth siegreichen Bayern beträgt immer noch zwölf Punkte. Doch die Dortmunder haben mit ihrem Gala-Auftritt ein Zeichen gesetzt. Sie wollen in der Liga wieder kontinuierlich ihr Potential abrufen, dass sie in der Hinrunde oft vermissen ließen. Da konzentrierten sie sich mehr auf die Bewährungsprobe in der Champions League und verspielten mit großer Wahrscheinlichkeit die Titelverteidigung.

Sahin belebt die Konkurrenz

Medien und Fans hatten im Vorfeld die Personalie Sahin aufgeregt diskutiert. Doch Klopp hat klar gemacht, dass sie sich mit der Reintegration des Hochtalentierten Zeit lassen werden. Den Luxus kann sich Dortmund mittlerweile erlauben. Sahin konnte 84. Minuten von der Bank aus verfolgen, dass da eine hervorragend eingestellte Mannschaft spielte. Seine Konkurrenten im defensiven Mittelfeld, Sebastian Kehl und Ilkay Gündogan, organisierten souverän das Spiel vor der Abwehr. Dann gibt es da noch Sven Bender und Moritz Leitner. Für Sahin wird der Weg zurück in die Startelf schwer. Er muss nach seiner verlorenen Zeit in Madrid und Liverpool erst Spielpraxis sammeln.

Vor dem Spiel hatte Klopp erklärt, dass die Rückholaktion auch eine Investition in die Zukunft sei. Das war die Antwort auf die Frage, die sich viele stellten: Warum holen sie einen Spieler für eine Position, auf der Dortmund hervorragend besetzt ist? Aber das ist zu kurz gedacht. Sie peilen in Dortmund dauerhaft auch einen internationalen Spitzenplatz an – so wie der große Konkurrent aus München. Dazu muss es in allen Mannschaftsteilen absolute Spitzenkräfte geben, auf dem Platz wie auf der Bank. Konkurrenz treibt zu stärkeren Leistungen an, wenn ein Trainer es versteht, die positvien Effekte zu nutzen. Das haben sie in München gerade vorgemacht. Vielleicht war der Sieg gegen Bremen auch schon einem Sahin-Effekt zu verdanken. Der Konkurrenzkampf wird in Dortmund in Zukunft schärfer werden, er muss es sogar. Auch Kehl, Gündogan, Bender und Leitner müssen sich steigern, wollen sie ins Team rücken. Eine Mannschaft braucht Impulse von außen. Das haben sie in Dortmund verstanden.

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