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Die vier Probleme des FC Bayern München

Die Niederlage des FC Bayern München gegen Mainz kam überraschend, war aber kein Zufall: Im Spiel des Tabellenführers hakt es. Wer und was Pep Guardiola zurzeit die größten Sorgen macht - eine Analyse.

FC Bayern München Probleme

Mit dem Rücken zur Wand? So schlimm steht es um den FC Bayern München noch nicht. Aber die Lage ist ernst für Arjen Robben (l.), David Alaba und Kollegen.

Rigoros ist das Stichwort. Die Bayern müssen als Mannschaft wieder rigoroser agieren, sagt Arjen Robben, einer der wenigen rigorosen Akteure der letzten Spiele. Rigoros hat in der aktuellen Situation beim Bundesliga-Tabellenführer mehrere Bedeutungen: energisch, effektiv, eiskalt. Mit anderen Worten: das Gegenteil des Auftritts bei der Heimniederlage gegen den FSV Mainz 05.

Es ist diese überraschende Pleite, die den BVB-Fans (und allen neutralen Fußball-Fans) ein bisschen Hoffnung beschert, dass der Kampf um den Meistertitel in dieser Saison wider Erwarten noch einmal Fahrt aufnehmen könnte. Allein: So überraschend kommt die Niederlage bei näherer Betrachtung nicht, sie ist das Ergebnis eines schleichenden Prozesses der letzten Wochen. Die Unruhe bei den Bayern hat Gründe.

FC Bayern München: Warum es nicht rund läuft

Die Abwehr

Jerome Boateng ist in den letzten Jahren zum absoluten Weltklassespieler gereift - kein Wunder, dass selbst ein stabiles und einigermaßen flexibles Gebilde wie die Bayern-Abwehr durch den längeren Ausfall des Weltmeisters durcheinander gerät. Die langfristigen Verletzungspausen von Holger Badstuber und Javí Martinez dürften sich dagegen eigentlich nicht mehr bemerkbar machen, fielen beide in den letzten beiden Spielzeiten doch mehr aus, als dass sie verfügbar waren. Serdar Tasci ist (noch?) nicht in der Verfassung, um den Bayern eine Hilfe sein zu können. Joshua Kimmich müssen Fehler theoretisch zugestanden werden, praktisch gibt es bei Bayern traditionell auch für junge Talente quasi keine Toleranz - die nötige Reife muss der Nachwuchs meist woanders sammeln (siehe Lahm, Kroos etc.). Dem aktuell von Guardiola bevorzugten Innenverteidiger-Gespann Alaba/Benatia fehlt es im Verbund an der nötigen Schnelligkeit, vor allem im Kopf.

Anfälligkeit für Konter

Das Problem galt an der Säbener Straße schon als behoben, doch Mainz entlarvte die alte Schwäche aufs Neue - machte die Mitte zu und drängte die Bayern nach außen. Die dadurch erforderliche Verschiebung wurde von den Münchenern nur nachlässig umgesetzt, die entstehenden Lücken nutzten die Mainzer immer wieder für gefährliche Vorstöße. Diese Anfälligkeit ist Anschauungsunterricht für kommende Bayern-Gegner und direkte Folge von ... 

Guardiolas Rotation

Die Phrase, dass der Kader des FC Bayern zwei Spitzenmannschaften hergibt, ist nicht falsch - aber auch nicht ganz wahr: Bernat ist außen kein Alaba, Rafinha ist ganz und gar kein Lahm, Müller darf man eigentlich überhaupt nicht draußen lassen. Für Robbens Backup Kingsley Coman gilt grundsätzlich dasselbe wie für Kimmich: Die Nachsicht, die er aufgrund mangelnder Konstanz ganz offensichtlich braucht, kann er bei Bayern auf Dauer nicht erwarten. Und warum der zu Saisonbeginn überragende und nach langer Verletzungspause wieder einsatzbereite Götze trotz der unsteten Leistungen seiner Konkurrenten weiter auf der Bank bleibt, ist eines der großen Guardiola-Geheimnisse. Aber richtig viel konnte der spanische Meistertrainer mit dem deutschen Weltmeistertorschützen ohnehin noch nie anfangen.

Die letzte Überzeugung

Hier kommt Arjen Robbens Plädoyer für mehr Rigorosität wieder ins Spiel: Gegen Mainz waren die Bayern vom eigenen Ballbesitz teilweise überfordert, weil in den entscheidenden Sekunden der letzte Wille, der eine Geistesblitz, die totale Durchschlagskraft fehlte. Schon gegen Turin konnten die Münchener ihre für ein Champions-League-Achtelfinale geradezu absurd anmutende Feldüberlegenheit nicht zur Vorentscheidung nutzen, weil sie zu oft ins Zaudern gerieten. In den vergangenen Jahren konnte der FC Bayern vor allem in absoluten Spitzenduellen - oder in den seltenen Situationen, in denen das Team mit dem Rücken zur Wand stand - stets diese Überzeugung, diese Bedingungslosigkeit, diesen Killerinstinkt abrufen. Das Spiel in Dortmund wird Aufschluss darüber geben, ob die Bayern sich auf diese Qualität noch verlassen können. In den letzten Wochen machten sie nicht den Eindruck.

tim
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