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Im Sog des Pep

Dortmund-Fans und Fußball-Romantiker sind sauer auf Mario Götze. Doch dessen Entscheidung, zum FC Bayern zu wechseln, ist nachvollziehbar – und daher nicht zu verurteilen.

Ein Kommentar von Wigbert Löer

  Mario Götze ist unter Jürgen Klopp das geworden, was er ist: ein Weltklassespieler. Pep Guardiola war die einzige ernstzunehmende Antwort des FC Bayern.

Mario Götze ist unter Jürgen Klopp das geworden, was er ist: ein Weltklassespieler. Pep Guardiola war die einzige ernstzunehmende Antwort des FC Bayern.

Mario Götze kam als Junge zu Borussia Dortmund. Er durchlief die Jugendmannschaften des Vereins, wurde dort Profifußballer und Nationalspieler. Im Moment dürfte er zu den fünf begehrtesten Offensivspielern der Welt zählen. Und er ist erst 20 Jahre alt. Nun verlässt Götze Dortmund. Geht zum FC Bayern. Dem Verein, den seine Dortmunder in den vergangenen zwei Spielzeiten demütigten, am schlimmsten mit dem 5:2-Sieg im Endspiel des DFB-Pokals.

Normal, dass Dortmund-Fans enttäuscht sind. Anders als beim Mittelstürmer Robert Lewandowski, der den Klub diesen oder nächsten Sommer verlassen wird, hatten manche von ihnen bei Mario Götze das Gefühl, er sei einer der ihren. Doch nun: Ausgerechnet zum FC Bayern – ginge er doch wenigstens zu Chelsea, Manchester United, Barcelona ...

Götze für Guardiola der perfekte Baustein

Noch lange ist der FC Bayern nicht das neue Barcelona, ganz gleich, wie das erste Champions-League-Halbfinale heute Abend in München endet. Und doch hat dieser Verein durch den Transfer des langjährigen Barca-Trainers Pep Guardiola gewaltig an Zugkraft gewonnen. Und das ist der entscheidende Punkt: Guardiolas Barca war für den Dortmunder Jugendspieler und Jungprofi Götze Jahr für Jahr das Maß aller Dinge.

Götze verehrt Barcas Art zu spielen und gleichzeitig kommt sie seinen Fähigkeiten auf dem Platz entgegen. Götze ist für Guardiola der perfekte Baustein eines neuen Barcas. Der Spieler weiß das, und er traut sich diese Rolle auch zu.

Dass er nach den Klopp-Jahren menschlich enttäuscht wird, braucht Götze offenbar ebenfalls nicht zu befürchten. Menschen ändern sich, aber es sind schon eindrucksvolle Geschichten, die von Pep Guardiola zu hören sind.

Als Barcelona 2010 im Halbfinale aus der Champions League flog und drei Tage später im Liga-Alltag beim FC Villareal antreten musste, fand der Trainer eine tief enttäuschte Mannschaft vor. "Männer, ich habe nichts mehr von euch zu fordern", begann Guardiola seine Ansprache vor dem Spiel. "Ihr habt mir mehr gegeben, als ein Trainer von seinen Spielern fordern kann. Ihr seid großartig. Danke für alles. Ich will euch nur eine Sache sagen: Wenn wir jetzt rausgehen und verlieren und so die Meisterschaft verlieren, passiert nichts. Gar nichts. Bleibt alle ruhig. Tausend Dank. Für mich seid ihr die Größten." Barcelona gewann 4:1 und zwei Wochen später die Meisterschaft.

Es geht immer auch um Geld im Profifußball, bei jedem Transfer, bei jeder Vertragsverlängerung. Aber natürlich hätte Götze auch in Dortmund wahnsinnig gut verdienen können – in einem Verein, der für die Zukunft finanziell bestens gerüstet scheint, im Halbfinale der Champions League steht, der weiterhin einen glänzenden Kader hat, den Ruf höchster Attraktivität und einen Trainer, der Spieler größer macht.

Götze ist unter Jürgen Klopp das geworden, was er ist. Er hatte in den für seine Entwicklung bedeutenden Jahren den besten Trainer, den er sich denken konnte. Pep Guardiola war die einzige ernstzunehmende Antwort des FC Bayern auf Jürgen Klopp. Das zeigt nun eben erstmals dieser Transfer.

Ist Götze deshalb scheinheilig, ein Söldner, ist er unromantisch? Nicht einmal sein Mannschaftskollege Kevin Großkreutz, Inbegriff des Fan-Fußballers, sagt, er werde ewig bei seinem BVB bleiben. Großkreutz will irgendwann in England spielen. Auch von Mario Götze sind keine Schwüre ewiger Treue übermittelt.

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