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Peps neuer Liebling Kimmich ist auch einer für Löw

Joshua Kimmich ist der Shootingstar des FC Bayern München. Der 21-Jährige wurde aus der Not zum Innenverteidiger umfunktioniert - und brilliert auf der Position. Auch in der Nationalelf könnte sein Typ gefragt sein.

Joshua Kimmich von FC Bayern München

Joshua Kimmich von FC Bayern München ist in aktueller Form auch ein Kandidat für die EM im Sommer

"Ich liebe diesen Jungen." Und vermutlich meint er das sogar so. Nun ist Pep Guardiola für überschwängliches - ja, teilweise auch lächerlich überzogenes - Lob bekannt. Doch in diesem Fall hat der scheidende Coach des FC Bayern München auch allen Grund dazu. Joshua Kimmich heißt der Mann, der Peps Herz höher schlagen lässt. 21 Jahre alt, vom Scheitel bis zur Sohle lediglich 176 Zentimeter - und dennoch auf dem Weg ein ganz Großer zu werden. "Er hat den Wunsch, er hat Leidenschaft, er hat absolut alles. Mit diesem Spieler kannst du gehen 'wherever you want'", bekam sich Guardiola gar nicht mehr ein.

Zuvor hatte Joshua Kimmich, gelernter defensiver Mittelfeldstratege, Aufbauspieler, Sechser, vermutlich sein bestes Spiel im Bayerndress auf den Rasen gebracht. Und das auf der für ihn bis vor Kurzem noch ungewohnten Position in der Innenverteidigung. Dort verhinderte er zusammen mit David Alaba, - ebenfalls von Guardiola zweckentfremdet - dass der BVB die Meisterschaft noch einmal spannend macht. Zumindest im ersten Durchgang hatte Kimmich dabei auch recht viel Defensivarbeit zu leisten. Abgesehen von einem Sprintduell gegen Aubameyang, als Afrikas Fußballer des Jahres Kimmich auf zehn Metern gefühlt elf abnahm, entschärfte er einen Vorstoß der Hausherren nach dem anderen. Dabei legte er eine Ruhe und Gelassenheit an den Tag, die mehr an einen Routinier jenseits der 30 erinnert, denn an ein aufstrebendes Talent am Beginn seiner Karriere.

Joshua Kimmich mit starkem Spiel gegen BVB

In Eckdaten sieht das Spiel des in Rottweil bei Stuttgart geborenen Talents wie folgt aus: 120 Ballkontakte, 64 Prozent gewonnene Zweikämpfe und 94 Prozent seiner Pässe an den eigenen Mann gebracht. Starke Werte - insbesondere die Passquote. Was die Statisitik aber nicht auszudrücken vermag, sind das Selbstverständnis, die Leichtigkeit und die Coolness Kimmichs. Letzter Mann im wichtigsten Spiel der Bundesliga-Saison, ein pfeilschneller gegnerischer Stürmer, der ihn unter Druck setzt - und Bolzen ist nicht einmal eine Option. Ohne einen Hauch von Nervosität, immer den Kopf oben, immer mit dem Auge für den freien Mann lässt Kimmich das Pressing ins Leere laufen und eröffnet das Münchener Spiel.

Er ist einer der im modernen Fußball schwer gefragten Allrounder: Ein flexibler Spieler, der dort Leistung bringt, wo es dem Trainer gerade passt. Bereits im wichtigen Champions-League-Achtelfinale gegen Juventus Turin machte der technisch versierte Schwabe eine starke Partie auf der ungewohnten Position -wenngleich ihm dort das alternativlose Mantra der spielerischen Lösung einen folgenschweren Fehler einbrockte. Doch trotz eines verschuldeten Gegentores machte er ein ganz starkes Spiel und ein erfolgreicher Lupfer als letzter Mann über einen heranrauschenden Mandzukic zeugte bereits von der Coolness des Youngsters.

Kimmich als Option für die EM

Im Signal-Iduna-Park machte sich auch Joachim Löw ein Bild von Kimmichs Fähigkeiten - natürlich mit Blick auf das Projekt Europameisterschaft im Sommer. Bayern Sportvorstand Sammer würde aber ob der längeren Pause präferieren, dass Kimmich im August mit dem U21-Team zu Olympia fährt. Zudem ist Kimmichs eigentliche Position im defensiven Mittelfeld in der A-Mannschaft bereits seit Jahren mehr als umkämpft. Mit Schweinsteiger, Gündogan, Kroos, Khedira und Kramer bewerben sich aktuell gleich mehrere Hochkaräter auf die Sechs(en).

Doch wie Kimmich aktuell zeigt, muss er ja nicht in der Schaltzentrale vor der Abwehr aufgestellt werden. Noch ist nicht klar, ob und wie fit Boateng bis zur EM werden wird. Folglich könnte Joachim Löw Probleme haben, den Platz neben Mats Hummels adäquat zu besetzen. Und dass Löw sich gern mal von Guardiola inspirieren lässt, zeigt er in der Vergangenheit bereits, als er Lahm statt hinten rechts auf einmal im defensiven Mittelfeld einsetzte.

Jede Menge Spielzeit - vermutlich als Innenverteidiger - dürfte es für Guardiolas neuen Liebling bis zum Sommer ob der defensiven Personalnot beim FC Bayern sicher geben. Und da es nun in die heiße Phase der Saison geht, werden die Begegnungen nicht unwichtiger. Wenn sich Kimmich auf der internationalen und nationalen Bühne weiter so präsentiert, wird Löw um eine Nominierung fast nicht herumkommen - für welche Position auch immer. Guardiola zumindest ist sich sicher: "Er kann überall spielen".

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