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Stefan Effenberg - das Debakel eines Trainernovizen

Die Trainerentlassung von Stefan Effenberg beim SC Paderborn ist nicht nur aus sportlicher Sicht nachvollziehbar. Denn was das Ansehen angeht war Effenbergs erste Trainerstation für alle Beteiligten eine Katastrophe.

Stefan Effenberg

Wie oft Stefan Effenberg sich als Paderborn-Trainer wohl die Hände vors Gesicht geschlagen hat?

Erst ging es steil nach oben, dann stetig bergab: Mitte Oktober übernahm Stefan Effenberg den Trainerposten beim SC Paderborn und führte die Mannschaft prompt zu zwei Siegen. Doch seitdem schaffte der "Tiger" mit seiner Truppe nur noch sechs Unentschieden und sieben Niederlagen in Liga und Pokal. Mit nur 19 Punkten nach 24 Spieltagen droht der Verein den zweiten Abstieg in Folge hinzulegen und direkt von der Bundesliga in die 3. Liga durchzurutschen. Die Entlassung von Effenberg ist wohl der letzte Versuch, den sportlichen Supergau abzuwenden. Doch der ist nicht einmal das Schlimmste an diesem knapp fünfmonatigen Missverständnis. Denn die Außendarstellung des Klubs hätte in den letzten Monaten kaum schlechter sein können.

Erst suspendierte Effenberg im Dezember die Spieler Daniel Brückner, Mahir Saglik und Srdjan Lakic - ohne dass klar war, warum. Ihr Kollege Süleyman Koc brachte mit einem Halbzeit-Interview die Paderborner Verantwortlichen ins Schwitzen. Auf die Suspendierung angesprochen, sagte Koc nur: "Ach so? Uns wurde nichts gesagt. Dass sie für Unruhe gesorgt haben, glaube ich nicht." Effenberg konterte vor laufenden Kameras: "Natürlich wissen sie das. Unter dem Strich steht die Suspendierung. Das ist eine ganz klare Aussage. Wer das nicht versteht, dem kann ich auch nicht helfen." 

Stefan Effenberg: Erst Rückendeckung, dann Rauswurf

Im Winter-Trainingslager folgte das nächste Debakel. Stürmer Nick Proschwitz entblösste sich laut Medienberichten in der Bar des Mannschaftshotels im türkischen Belek. Was genau nun vorgefallen war, blieb nach widersprüchlichen Aussagen von Beteiligten und Augenzeugen unklar. "Es ist mir egal, wie tief die Hose hing", bemerkte Vereinspräsident Wilfried Finke. Nach einer mehrstündigen Sitzung Ende Januar erklärte Paderborns Präsident: "Nick Proschwitz wird das Trikot des SC Paderborn 07 nie wieder tragen. Das ist die wesentliche Nachricht des Tages." Zurück blieb der Eindruck, dass Trainer Effenberg seine Spieler nicht im Griff hat.

Dass er sich selbst auch nicht immer im Griff hat, wurde allen klar, als Effenberg im Februar einen Strafbefehl wegen Trunkenheit am Steuer nach einem Oktoberfestbesuch akzeptierte. Als dann noch bekannt wurde, dass Effenberg Fortbildungen zur Verlängerung seiner Trainerlizenz versäumt hatte, stand der Verein trotzdem hinter ihm. "Wir hatten eine vergleichsweise prekäre Situation. Es ist logisch, dass er sich da voll und ganz in die Aufgabe reingekniet hat und keine Zeit für die Fortbildung hatte", sagte Vereinssprecher Matthias Hack.

Präsident Finke nicht mehr glaubwürdig

Und auch Präsident Finke gab Effenberg Rückendeckung. "Wir halten an ihm fest. Dafür nehmen wir notfalls auch den Abstieg in Kauf", sagte der Möbelunternehmer nach dem 1:1 bei Arminia Bielefeld. Das war am 21. Februar. Keine zwei Wochen später ist diese Aussage Makulatur. Auch, wenn Finke damit nur Ruhe in Verein und Umfeld bringen wollte: Glaubwürdig ist er nicht mehr. "Ich konnte es zum Schluss nicht mehr ertragen, wie der Verein dastand", bekannte der Vereinspatron in der "Bild". Ob er sich dessen bewusst ist, wie viel er selbst dazu beigetragen hat?

René Müller, bisheriger Leiter des Paderborner Nachwuchsleistungszentrums, beerbt Effenberg als Trainer. Das gab der SC Paderborn auf einer Pressekonferent bekannt. Bis Stefan Effenberg auf der Pressekonferenz eines Vereins als neuer Trainer vorgestellt wird, dürfte es ziemlich lange dauern.

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