HOME

Mutmaßlicher BVB-Attentäter: Wer ist Sergej W.?

Er soll geplant haben, mit seinem Anschlag auf den BVB-Bus Menschen zu verletzen oder zu töten, um Gewinne an der Börse einzustreichen: Was weiß man sonst noch über den mutmaßlichen Attentäter Sergej W.?

Der mutmaßliche BVB-Attentäter Sergej W. wird zum Haftrichter beim Bundesgerichtshof vorgefahren

Der mutmaßliche BVB-Attentäter Sergej W. wird zum Haftrichter beim Bundesgerichtshof vorgefahren

Sein perfider Plan ist glücklicherweise gescheitert: Die drei Bomben am BVB-Mannschaftsbus haben keinen Spieler des Bundesligisten getötet oder erheblich verletzt. Verteidiger zog sich unter anderem einen Bruch der Speiche am rechten Handgelenk zu, ein Polizist erlitt ein Knalltrauma, der Bus wurde stark beschädigt.

Wer ist , der mutmaßlich hinter der Wahnsinnstat steckt? Die Ermittler der Bundesanwaltschaft geben sich bedeckt: Sergej W. ist 28 Jahre alt und hat die deutsche und die russische Staatsbürgerschaft. Seine Familie stammt aus dem Ural. Das ist alles, was die Beamten offiziell erklären.

Sergej W. war bei der Bundeswehr

Über sein Vorleben, seine Verbindungen, seine Überzeugungen ist nicht viel bekannt: Nach Informationen des "Schwarzwälder Boten" wohnte der Verdächtige zuletzt in dem 20.000-Einwohner-Ort Freudenstadt im Schwarzwald in einem Mehrfamilienhaus in der Nähe des Bahnhofs. Daneben soll er häufig in einer Wohnung im rund 40 Kilometer entfernten Rottenburg am Neckar gewesen sein, war dort aber nicht gemeldet. Etwa auf halber Strecke zwischen den beiden Städten liegt der Ort Haiterbach. Dort soll die jetzige oder frühere Freundin von Sergej W. leben.

Von April bis Dezember 2008 soll der 28-Jährige seinen Wehrdienst im Lazarettregiment Dornstadt der Bundeswehr abgeleistet haben, in einer Unterstützungseinheit für Sanitäter. Das berichtet der "Spiegel" in seiner Online-Ausgabe. Unklar ist, wo der Deutschrusse den Umgang mit Sprengstoff lernte.

Sollten BVB-Spieler für seinen Profit sterben?

Fest steht aber, dass der 28-Jährige technisch versiert ist und große elektrotechnische Kenntnisse hat: Er arbeitete seit Mitte 2016 als Elektriker in einem Heizwerk in Tübingen, bestätigte ein Sprecher des Energiekonzerns "MVV" auf Anfrage. Seine Fähigkeiten könnten zu den Sprengsätzen passen: Sie waren professionell gebaut, wurden laut Bundesanwaltschaft auch "zeitlich optimal" ferngezündet. 2015 soll W. von der Heinrich-Schickhardt-Schule, der gewerblich-technische Schule in Freudenstadt für seine Gesellenprüfung ausgezeichnet worden sein: Als Elektroniker für Betriebstechnik mit einem Notendurchschnitt von mindestens 1,7. 

Bei seiner Tat handelte der Verdächtige nach Einschätzung der Bundesanwaltschaft alleine, er plante sie offenbar detailliert und präzise über einen langen Zeitraum, sein mörderischer Plan ging glücklicherweise trotzdem nicht auf (die Gründe dafür lesen Sie hier im stern).

Nach der Festnahme stellte sich heraus: Der mutmaßliche Bombenleger ist kein Islamist, kein Links- oder Rechtsextremer - trotzdem hat er Terror verbreitet. Er war bereit, für seinen persönlichen Profit fast zwei Dutzend Leichen in Kauf zu nehmen, sollten sich die Vorwürfe der Ermittler bewahrheiten.

Die Anklage lautet unter anderem auf versuchten Mord in 20 Fällen - aus Habgier. Dafür kommt W. möglicherweise lebenslang in Haft. Genug Zeit für einen Täter, darüber nachzudenken, wer er wirklich ist.


mit DPA

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Wissenscommunity