Startseite

Initiator erklärt: Darum warfen BVB-Fans Tennisbälle auf den Rasen

Erst 20 Minuten schweigen, dann für eine Spielunterbrechung sorgen: Die Anhänger des BVB machten bei der DFB-Pokalpartie in Stuttgart mit einer kuriosen Aktion auf sich aufmerksam. Ein Initiator sagt dem stern, was es damit auf sich hatte.

BVB- und VfB-Spieler müssen die Tennisbälle vom Feld räumen

Stuttgart gegen BVB im DFB-Pokal: Die Spieler müssen Tennisbälle vom Feld räumen, die Dortmund-Anhänger geworfen hatten

Die Anhänger des BVB sorgten im DFB-Pokal-Viertelfinale gegen den VfB Stuttgart mit einer kuriosen Aktion für Aufsehen. Zu Beginn ließen sie den Gästeblock 20 Minuten leer und gaben kaum einen Mucks von sich. Ein Banner mit der Aufschrift "Wann sieht man's auch in Stuttgart ein? Fußball muss bezahlbar sein!" sollte den Protest gegen die ihrer Meinung nach zu hohen Ticketpreise unterstreichen. 19,50 Euro für den günstigsten Stehplatz und 38,50 Euro für die niedrigste Sitzplatz-Kategorie fanden die Anhänger zu viel.

Nachdem die Fans dann ihren Block bezogen hatten, rollten sie ein weiteres - zweiteiliges - Banner mit der Aufschrift "Eure Preise - Großes Tennis" aus und warfen dutzende Tennisbälle auf das Spielfeld. Die Partie musste unterbrochen werden, die Spieler brauchten ein paar Minuten, um alle Bälle wieder vom Feld zu räumen. In Durchgang zwei, kurioserweise als BVB-Akteur Henrikh Mhkitaryan eine Ecke ausführen wollte, flogen erneut Tennisbälle.

Initiator: Das "geflügelte Wort Großes-Tennis"

Was wollten die Fans damit zum Ausdruck bringen? Hinter dem Protest steht die Initiative "Kein Zwanni", die sich für günstigere Ticketpreise einsetzt. Der Initiator, Jan-Henrik Gruszecki, sagte dem stern: "Wir wollten damit auf die zu hohen Preise aufmerksam machen und haben Tennisbälle gewählt, weil die, selbst wenn sie jemand aus Versehen an den Kopf bekommt - was natürlich niemand will - keinen Schaden anrichten." Dazu habe man sich für das "geflügelte Wort Großes Tennis" entschieden, "weil wir das witzig fanden" - wenngleich er einräumte: "Über Witz lässt sich bekanntlich streiten." Für ihn sei die Aktion ein "Akt des zivilen Ungehorsams".

Mehrere Medien hatten spekuliert, dass es sich dabei um eine Anspielung auf den vermeintlich elitären Tennissport handle. Darauf angesprochen, sagte Gruszecki: "Die German Open in Hamburg zum Beispiel sind ja sogar günstiger als die Tickets gestern." Mit einem Augenzwinkern fügte er hinzu: "Für diese Intention hätten wir mit Golfbällen werfen müssen, aber das will ja niemand." 

BVB-Protest erinnert an Hertha-Fanaktion

Mit einer ähnlichen Aktion hatten im Dezember 2012 Fans von Hertha BSC Berlin während des Zweitligaspiels beim SC Paderborn "protestiert". Damals flogen ebenfalls Tennisbälle aufs Feld, garniert mit dem Banner "Tennis-Publikum nicht mit uns". Den Berlinern ging es um die anstehende Sicherheitskonferenz der DFL und des DFB, bei der über verschärfte Sicherheitsmaßnahmen bei Fußballspielen diskutiert wurde. 

Schaden wird die Aktion der BVB-Fans, wie in solchen Fällen üblich, wohl vor allem dem Verein. Der DFB könnte wegen der ausgelösten Spielunterbrechung eine Strafe gegen Dortmund verhängen.

Fußballerisch bekamen die Fans anschließend wenigstens nichts zum Meckern geboten. In einer spannenden Partie setzte sich am Ende der BVB mit 3:1 gegen Stuttgart durch und steht nun zum dritten Mal in Folge im Halbfinale des DFB-Pokals.

fin
täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools