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Kevin Großkreutz: vom Lobby-Pinkler zurück zum Leistungsträger

Im DFB-Pokal heute Abend wird Kevin Großkreutz erstmals gegen seinen BVB auflaufen. Beim VfB Stuttgart findet der vielleicht mäßig begabte, aber dafür umso leidenschaftlichere Kevin wieder zu alter Stärke - weil dort genau das gefordert ist, was er verkörpert.

Kevin Großkreutz im Trikot des VfB Stuttgart

Kevin Großkreutz im Trikot des VfB Stuttgart. Sportvorstand Robin Dutt sagt über ihn: "Wir haben jetzt eine gewisse Mentalität, für diese Mentalität steht Kevin."

Wenn der Schiedsrichter heute Abend in der Mercedes-Benz-Arena das DFB-Pokal-Viertelfinale Stuttgart gegen den BVB anpfeift, wird es für Kevin Großkreutz ein ganz besonderer Moment sein. Der schlacksige 27-Jährige ist in Dortmund geboren und aufgewachsen, stand als Kind auf der Südtribüne und als Erwachsener für die Schwarz-Gelben auf dem Platz. Fast seine gesamte Profi-Karriere spielte er für den BVB. Sein Herz schlägt für diesen Verein, für diese Stadt, dessen Skyline er sich auf die Wade tätowieren ließ. Er war nie nur Spieler, immer auch Fan. Doch heute Abend wird er das Trikot des VfB Stuttgart tragen, wird seinen BVB aus dem Pokal werfen wollen (müssen). "Auf dem Platz kenne ich keine Freunde und werde alles raushauen", verkündet Großkreutz - auch wenn es ein "besonderes Spiel" für ihn werde.

Dieses besondere Spiel wird der Höhepunkt seiner kurzen Zeit beim VfB Stuttgart. Drei Ligaspiele, drei Mal 90 Minuten, drei Mal als rechter Verteidiger überzeugt, lautet seine Bilanz bis jetzt. Dabei hat er eine echte Achterbahnfahrt hinter sich. Mit dem BVB wurde er zweifacher Deutscher Meister und gewann den DFB-Pokal, ließ sich die Erfolge als Tätowierung auf die Schulter stechen. 2013 stand er im Champions-League-Finale und spielte trotz Verdacht auf Mittelfußbruch durch. Auch wenn dieser sich später "nur" als schwere Prellung herausstellte: Großkreutz ist ein Kämpfer, einer, der immer alles gibt. Mit Einsatz, Leidenschaft und Teamfähigkeit hat sich der eher mäßig Begabte zu einem Bundesligaspieler gemausert, zu einem Nationalspieler, sogar zum Weltmeister - auch wenn er in Brasilien keine Minute spielte.


Nach WM ging es für Kevin Großkreutz bergab

Nach der WM ging es für ihn bergab. Großkreutz' Leistungen beim BVB wurden schwächer. Wenn er es in die Schlagzeilen schaffte, dann nur wegen seiner Eskapaden. Man verhöhnte ihn als "Döner-Werfer" und "Lobby-Pinkler" wegen zweier Vorfälle kurz vor der WM. In der Rückrunde 2014/15 warfen ihn dann mehrere Verletzungen zurück. Im Sommer ging Jürgen Klopp nach England und Thomas Tuchel kam zum BVB. Großkreutz wurde aussortiert und ging zu Galatasaray Istanbul. Wegen einer Transferpanne durfte er dort aber bis zum Winter nicht spielen. Fast jedes Wochenende fuhr er in die Heimat, was ihm die nächsten Unkenrufe einbrachte. Heimweh soll er gehabt haben. Eine Memme sei er, der die professionelle Einstellung fehle.

Dann wechselte er zum VfB in den Tabellenkeller der Bundesliga und blüht aktuell erneut auf. Großkreutz und Abstiegskampf, das passt wie Hinterteil auf Wassergefäß. Hier kann er wieder glänzen, sich die Seele aus dem Leib rennen und "alles raushauen". Aus Großkreutz dem Lobby-Pinkler wurde wieder Großkreutz der Leistungsträger. Wo Einsatz, statt feiner Technik gefragt wird, wo der Kampf im Vordergrund steht, kann er gedeihen. "Er hat ein gutes Gespür, er wird nicht gleich nervös in kritischen Situationen. Stand jetzt ist er eine sehr, sehr gute Verstärkung", sagt sein neuer Kapitän Christian Gentner.

Mit breiter Brust gegen seinen BVB

So trifft der wiedererstarkte Dortmunder Publikumsliebling nun auf seine große Liebe. "Für Kevin, uns und die Fans wird es ein ganz eigenes Gefühl. Das hat es noch nie gegeben, dass einer von der Südtribüne gegen den BVB spielt", sagt Dortmunds Kapitän Mats Hummels vor der Partie. Und Großkreutz brennt auf die Überraschung. Die Vorzeichen dafür stehen gar nicht mal schlecht. Zwischen dem 1:4 gegen Dortmund Ende November und heute Abend steht eine beeindruckende Serie: Stuttgart hat die letzten fünf Pflichtspiele gewonnen und sich aus der direkten Gefahrenzone des Tableaus befreit - auch dank Kevin Großkreutz.

Kein Wunder also, dass er mit breiter Brust gegen seinen Herzensklub auflaufen wird: "Ich stand schon dreimal im Pokalfinale. Jetzt wollen wir Dortmund schlagen und ins Halbfinale", sagt er. Welche Tugenden werde in dem Wettbewerb nochmal verlangt? Großkreutz und Pokal, das klingt wie Großkreutz und Abstiegskampf. Man darf gespannt sein.

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