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Nervenaufreibend bis zum Happy End

Der BVB hat im ersten Champions-League-Spiel gegen Ajax Amsterdam durch ein spätes Tor gewonnen. Doch gegen Real Madrid und Manchester City muss sich das Team steigern und die Fehler abstellen.

Von Tim Schulze

  Er hat's gemacht: Dortmunds Torschütze Robert Lewandowski (m.) jubelt im Kreis der Kollegen.

Er hat's gemacht: Dortmunds Torschütze Robert Lewandowski (m.) jubelt im Kreis der Kollegen.

  • Tim Schulze

Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke ist am Ende wahrscheinlich ein ganzer Berg Steine vom Herz gefallen. Genauso wird es den Spielern auf dem Platz gegangen sein, Trainer Jürgen Klopp auf der Bank und – logisch - den Fans im Stadion. Es hat mächtig gerumpelt und gepoltert, als Robert Lewandowski in der 87. Minute der ersehnte Siegtreffer gegen Ajax Amsterdam gelang, dem Meister aus Holland, der dem deutschen Meister bis dahin erbittert Widerstand geleistet hatte. Dortmunds Auftakt in die Champions League hatte ein Happy End, weil die Mannschaft bis zum Schluss an ihre Chance glaubte und sich an diesem Abend im Signal-Iduna-Park sogar durch einen verschossenen Elfmeter von Mats Hummels nicht vom Weg abbringen ließ.

"Ja, natürlich. Er hat mir das Ding heute gerettet. Wenn ich den Elfer mache, gehen wir als klarer Sieger vom Platz. Er hat das Ding überragend gemacht. Das sichert uns eine gute Ausgangslage, wir stehen nicht so blöd da wie letztes Jahr", gab ein sichtlich erleichterter Hummels später zu Protokoll. Das war ja die große Angst beim deutschen Meister, dass sie wieder als Deppen hingestellt werden, national unangefochten, aber zu unreif für die große Bühne der Champions League. So wie in den beiden vergangenen Spielzeiten, als die junge Mannschaft viel Lehrgeld bezahlte. Das allerdings kann ihr immer noch passieren, schließlich spielt sie in der schwersten Gruppe. Die nächsten Gegner sind die Millionentruppen von Manchester City und Real Madrid.

Ein Start nach Maß, mehr nicht

Jetzt haben sie erst einmal Ajax mit großer Leidenschaft und Klasse in die Knie gezwungen – und dem nötigen Glück. Ein Start nach Maß, mehr jedoch nicht. Denn dem Team von Jürgen Klopp unterliefen im Spiel wieder schwere Fehler, die es sich gegen die Meisterteams aus Spanien und England nicht leisten darf. So viel ist sicher. Das Glück der Dortmunder bestand an diesem Abend darin, dass Ajax in der ersten Halbzeit zwei große Torchancen ausließ, die die Dortmunder der Mannschaft von Frank de Boer auf dem Silbertablett servierten. Erst verlor Ilkay Gündogan in der 13. Minute wie ein Anfänger im Aufbauspiel den Ball, der ehemalige Hoffenheimer Ryan Babel legte für den freistehenden Christian Eriksen auf, der jedoch am hervorragend parierenden Keeper Roman Weidenfeller scheiterte. Auch beim nächsten Patzer stand der Keeper im Mittelpunkt, als er nach einem verlorenen Zweikampf von Mats Hummels den Ball an der Strafraumgrenze abfing, sich danach aber als Feldspieler versuchte und spektakulär auf dem Platz herumirrte. Babel verpasste es allerdings, den Ball im Tor unterzubringen.

Da war durchschnaufen angesagt. Die Dortmunder agierten bis dahin vor allem durch Jakub Blaszczykowski und Mario Götze ganz gefällig, ohne allerdings ernsthafte Torgefahr zu verbreiten. Schmelzer hatte eine Einschussmöglichkeit nach einem Zuspiel durch Marco Reus, dem bei seinem ersten Champions-League-Auftritt auffällig viele Bälle versprangen – und als zu Beginn der zweiten Halbzeit Lewandowski freistehend den Ball weit über das Tor drosch, Reus wenige Minuten später nach einem präzisen Zuspiel von Götze ebenfalls scheiterte und Hummels den Elfmeter versiebte, da schossen einigen Dortmunder Verantwortlichen wahrscheinlich Schlagzeilen durch den Kopf mit Begriffen wie "fehlende Cleverness", "Nervenflattern", "Unreife" oder das böse Wort von Uli Hoeneß, der die Dortmunder unlängst zur "regionalen Sache" erklärt hatte. Es sollte bis zum Schluss eine nervenaufreibende Partie für die Gastgeber bleiben.

Zurückhaltendes Lob von Beckenbauer

Dass die Schlagzeilen jetzt anders lauten, war die große Leistung der Schwarz-Gelben. Dortmund drehte noch rechtzeitig auf, riss das Spiel an sich und übte enormen Druck aus. Eine Folge war der Elfmeter, den Götze herausholte, als er im Strafraum von Ricardo van Rhijn gelegt wurde. Und auch nach der vergebenen Großchance auf die Führung gaben die Dortmunder nicht auf, ließen einen Angriff nach dem anderen auf das Tor der Niederländer rollen – bis Lewandowski in bester Mittelstürmer-Manier eine Kopfball-Vorlage durch Lukasz Piszczek verarbeitete und den erlösenden Siegtreffer markierte.

Trainer, Spieler, Vereinsführung - kollektiv hatten sie angekündigt, dass sie aus den Fehlern der Vergangenheit lernen wollten. Ein bisschen ist das gelungen. Zumindest in diesem Spiel. Zurückhaltendes Lob gab es von höchster Stelle: "Der Sieg war verdient, die Dortmunder haben das Glück erzwungen. Von daher kann man sagen, dass sie reifer geworden sind", urteilte Franz Beckenbauer im Fernsehstudio. Beckenbauer lag auf einer Linie mit Klopp: "Wir entwickeln uns weiter. Der Elfmeter war keine fantastische Situation, wir hatten viele vergebene Chancen. Da waren ein paar Dinge dabei, die man viel besser machen kann. Aber wir ziehen unser Ding durch“, lautete das Fazit des Trainers.

Der BVB muss sich steigern

Die nächsten Gegner sind allerdings ein anderes Kaliber. Im Oktober geht es zuerst auf die Insel zum Spiel gegen Manchester City, danach kommt Real Madrid in den Signal-Iduna Park. Da wird eine weitere Leistungssteigerung nötig sein.

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