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BVB zu gut für Tottenham - Kommt jetzt Klopp?

Borussia Dortmund hat sich in Hin- und Rückspiel mit insgesamt 5:1 gegen die Spurs durchgesetzt. Vor der Auslosung für das Viertelfinale steigt die Spannung. Viele dürften sich den nächsten englischen Klub wünschen - mit einem alten Bekannten.

BVB-Stürmer Pierre-Emerick Aubameyang feiert seinen Treffer gegen die Tottenham Hotspur

BVB-Stürmer Pierre-Emerick Aubameyang feiert seinen Treffer gegen die Tottenham Hotspur

Am Ende eines langen Abends überkam den Dortmund Fußball-Trainer Thomas Tuchel ein dringendes Bedürfnis. Er wollte sich bedanken. Er bedankte sich beim englischen Dolmetscher, bei den freundlichen Gastgebern, bei den Leuten vor der Kabine, dem Personal, und eigentlich ganz London, "all very friendly and nice". Er kriegte dafür kurzen Szenenapplaus.

Selbstverständlich bedankte sich Tuchel auch bei seiner Mannschaft, die erstaunlich zuverlässig alle drei, vier Tage Leistung abruft, auch in London, auch an der White Hart Line, Heimstatt der an sich heimstarken Tottenham Hotspur. 2:1 gewonnen, in der Addition aus Hin- und Rückspiel sogar 5:1. "Das Ergebnis", notierte der "Independent" korrekt, "spiegelt aber nur unzureichend die tatsächliche Überlegenheit der Deutschen in diesen beiden Spielen wider". Tat es wirklich nicht. Pierre Emerick Aubameyang erzielte die beiden Tore (24./71.), er selbst und Henrikh Mkhitaryan hätten noch mindestens zwei oder drei Treffer drauflegen können. Das Gegentor? Ein Geschenk von Innenverteidiger Subotic.

Geschenkt.

Für den BVB reichte der Schongang

Es war, man kann es nicht anders sagen, ein ziemlich gelungener Ausflug in die britische Hauptstadt für den BVB und seinen Trainer, der nach dem Spiel bestens gelaunt war und während der 90 Minuten für seine Verhältnisse tiefenentspannt die kompakte und nicht mal glanzvolle Darbietung der Seinen verfolgte.

Es reichte nämlich auch so.

Noch nie hatte bei den Spurs eine deutsche Mannschaft im Europapokal gewonnen, und der Erfolg, sagte Tuchel bedeute eine ganze Menge. "Wir wussten davon, und es war ein großer Anreiz für uns, das zu schaffen. Es bedurfte einer besonderen Haltung und Leistung." Sodann hob er an zur ultimativen Laudatio. Er lobte den großen Hunger seines Personals, dessen Bescheidenheit zugleich, "immer mit beiden Beinen auf dem Boden", die Verlässlichkeit auch. "Klebstoff" nannte das Tuchel mit etwas eigenwilliger Metaphorik – "die Spieler bringen den Klebstoff ein, der alles zusammenhält".

Seit Monaten nun spielt seine Mannschaft auf konstant hohem Niveau, sie hat in diesem Jahr noch kein Pflichtspiel verloren, hat in der Europa League "erst Porto aus dem Wettbewerb genommen" (Tuchel) und nun mit Tottenham gleich den zweiten Hochkaräter hinterher.

Auf diese Art und Weise wird man schnell zum Favoriten.

BVB "auf Champions-League-Niveau"

Tottenhams argentinischer Coach Mauricio Pochettino, den stets eine angenehme Aura der Nachdenklichkeit umweht, wirkte nicht mal richtig enttäuscht. Man sei eben gegen eine Mannschaft ausgeschieden, die auf Champions-League-Niveau unterwegs sei. Ein guter Test sei’s gewesen für seine jungen Spieler. Der Fußball-Lehrer hörte sich in diesem Moment an wie ein richtiger Lehrer. Aus solchen Spielen würden seine Profis lernen. Nichts anderes war es nämlich über weite Strecken, eine Lehrstunde.

In mehrerlei Hinsicht gleich. Während auf dem Rasen die Dortmunder den Londonern überlegen waren, ersangen sich auch auf den Tribüne die Fans aus Westfalen die eindeutige Dezibel-Hoheit und schmähten in Ermangelung eines echten Gegners den Ruhrpott-Rivalen Schalke mit nicht ganz jugendfreiem Liedgut.

So ein Abend war das, Auswärtssieg in allen Belangen.

Jürgen Klopp mit Liverpool im Viertelfinale

Die britische Journaille hätte das Duell das deutschen Tabellenzweiten mit dem englischen Pendant, gleichfalls Zweiter und gleichfalls fünf Punkte Rückstand auf den Spitzenreiter, zwar liebend gern zu einem offiziellen Kräftemessen der beiden Ligen hochgejazzt. Doch wie bereits beim 0:3 in der Vorwoche in Dortmund ließ Pocchetino seine erfahrensten und nominell stärksten Kräfte auf der Bank. Stürmerstar Harry Kane fröstelte 90 Minuten draußen und taute erst nach Schlusspfiff beim Smalltalk mit Tuchel wieder auf.

Allerdings, darin waren sich Zuschauer und Kritiker einig, selbst Tottenhams A-Auswahl wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit chancenlos gewesen. Zu eindrucksvoll das Dortmunder Pressing, zu schnell die Stürmer, zu ballsicher das Mittelfeld. Allen voran der junge Julian Weigl, dem sein Trainer enorme Entwicklungsschritte und gewaltiges Potential attestierte und dabei unentwegt grinste. An diesem Weigl dürften sie in Dortmund noch viel Freude haben. Am Ende dieses langen, kalten Abends war dann noch Wunschkonzert. Welchen Tottenham-Spieler er nehmen würde, falls er sich denn einen aussuchen könne. Da würden ihm schon ein paar einfallen, sagte Tuchel, "aber Namen nenne ich nicht". Der Genießer schweigt. Und schließlich, Wunschkonzert Teil zwei und definitiv unvermeidlich: Liverpool. Natürlich Liverpool. Ob das nicht ein wunderbarer Gegner wäre im Viertelfinale.

Da lächelte der Tuchel. Und antwortete in feinstem Englisch "I take what I have to take." Also dann, Jürgen Klopp darf gerne kommen.

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