Bitterer Abend in der Allianz Arena: Im entscheidenden Spiel gegen Girondins Bordeaux hat Bayern München im eigenen Stadion eine Schlappe kassiert. Nun droht das vorzeitige Aus in der Champions League. Der deutsche Meister Wolfsburg war erfolgreicher.

Verzweifeltes Aufbäumen: Bastian Schweinsteiger verliert den Zweikampf gegen Alou Diarra von Girondins Bordeaux© Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images
Nach einer schockierenden 0:2-Heimblamage gegen Girondins Bordeaux steht der FC Bayern München kurz vor dem K.o. in der Champions League. Beim verzweifelten Aufbäumen nach der Pause verpasste der lange Zeit desaströs aufspielende deutsche Fußball-Rekordmeister wenigstens den noch mehrfach möglichen Ausgleichstreffer.
Yoann Gourcuff hatte am Dienstagabend vor 66.000 restlos enttäuschten Zuschauern in der ausverkaufen Münchener Allianz Arena in der 37. Spielminute per Kopf das Tor zur Halbzeitführung für den destruktiv spielenden französischen Meister erzielt. Das Debakel für die Bayern machte Marouane Charmakh (89.) nach einem Fehler von Holger Badstuber und dem herausstürmenden Torwart Hans-Jörg Butt perfekt.
Die Münchner benötigen jetzt zwei Siege aus den letzten beiden Partien gegen Haifa und bei Juventus Turin und die Hilfe von Girondins (gegen Juventus), um doch noch als zweites Team neben den bereits qualifizierten Franzosen ins Achtelfinale einzuziehen. Unter dem zunehmend in Erklärungsnot geratenen neuen Trainer Louis van Gaal wäre es erst das zweite Mal nach 2002, dass die Münchener schon nach der Vorrunde ausscheiden würden.
Bayern spielten erschreckend schwach
Die Bayern agierten erschreckend schwach. Ohne den verletzten Franck Ribery, ohne den zunächst auf der Bank belassenen Arjen Robben, ohne den angeschlagenen Ivica Olic und ohne den gesperrten Thomas Müller tat sich ein riesiges kreatives Vakuum auf. Die Gastgeber zeigten Schlafwagen-Fußball. Sie ließen jeden Esprit, jede Entschlossenheit, jedes Konzept vermissen - und das gegen einen defensiv eingestellten Gegner, der erst einmal auf das Halten des 0:0 aus war.
Dabei hatte Edson Braafheid (3.) mit seiner Flanke, die Girondins-Torwart Cedric Carrasso an die Latte lenkte, schon früh das Startsignal zu mehr Angriffselan der Bayern gesetzt. Gefahr kam aber nur bei ruhenden Bällen auf: Braafheit (19.) verfehlte das Tor noch. In der 32. Minute parierte Carrasso einen Freistoß von Bastian Schweinsteiger aus 20 Metern prächtig. Im Anschluss hatte Miroslav Klose Pech: Sein Schuss aus kurzer Entfernung wehrte Michael Ciani kurz vor der Linie mit der Hand ab. Doch der Pfiff von Schiedsrichter Pedro Proença blieb aus. Das Lebenszeichen der Münchener war nur kurz.
Van Bommel patzte
Fünf Minuten später kam es ganz schlimm. Mit ihrer einzigen gefährlichen Aktion gingen die Franzosen in Führung: Ein Freistoß des Brasilianers Wendel kurz hinter der Mittellinie segelte in den Bayern-Strafraum, Gourcuff stahl sich hinter Münchens Kapitän Mark van Bommel weg und köpfte ein. Torwart Hans-Jörg Butt sah dabei ebenfalls unglücklich aus. Alle bisherigen fünf Tore von Bordeaux in der Champions-League-Saison fielen nach Standardsituationen. Die Quittung für die Gastgeber zur Pause: Ein gellendes Pfeifkonzert der Zuschauer.
Trainer van Gaal reagierte. Robben kam zur zweiten Halbzeit für den harmlosen Klose und mit ihm mehr Schwung und Tempo. Endlich bäumte sich der Rekordmeister auf, während Girondins nur noch auf Ergebnisverwaltung aus war.
So erspielten sich die Münchener mehr und mehr Chancen: Nach Pass des munter werdenden Schweinsteigers vergab der einstige 100-Prozent-Knipser Luca Toni (47.) freistehend die Möglichkeit zum Ausgleich. Kurze Zeit später wurde van Bommel (53.) nach Pass von Robben im letzten Moment von Ciani geblockt. Robben (62.) selbst und der kurz zuvor eingewechselte Nationalstürmer Mario Gomez vergaben innerhalb von einer Minute beste Gelegenheiten. Doch es blieb nur ein Strohfeuer. Den Bayern fiel nichts mehr ein, Bordeaux hatte kaum noch Mühe, den Sieg nach Hause zu bringen. Charmakh machte den Abend für die Münchener ganz bitter.
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