14. April 2009, 22:01 Uhr

Bayerns würdeloser Abgang

An ein Weiterkommen hatten sowieso nur die kühnsten Optimisten geglaubt. Wichtiger war es, nicht erneut so unter die Räder zu kommen wie im Hinspiel. Und das gelang - weil sich der FC Barcelona nicht verausgabte. Viel interessanter als das 1:1 war die Stimmung in der Münchner Arena. Von Wigbert Löer, München

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Weltstars unter sich: Bayerns Franck Ribery (vorne) und Lionel Messi©

Die gute Nachricht: Sie ließen sich nicht noch mal abschießen. Die schlechte: Der FC Barcelona wollte das auch gar nicht. Die Abschiedsvorstellung des FC Bayern aus der Champions League, wieder mal bereits im Viertelfinale, hätte garstiger ausfallen können. Nach dem 0:4-Untergang im Hinspiel reichte es für ein 1:1-Unentschieden. Von einem Abgang in Würde mochten allerdings in München nur wenige sprechen.

Die Bayern-Fans unter den 66.000 Zuschauern waren fest entschlossen, sich einen schönen Champions-League-Abend zu machen - erst einmal feuerten sie ihr Team an. Dass die Mannschaft von Jürgen Klinsmann nicht gleich überfordert und nicht durchgehend verunsichert wirkte, war ja auch schon ein Fortschritt gegenüber dem Hinspiel. Über Ribery gelangten die Bayern ein ums andere Mal in Strafraumnähe, dem Franzosen gelang es, bei dem Klub vorzuspielen, mit dem ihn sein Agent immer wieder in Verbindung bringt. Hinten ließ Bayerns Viererkette sich nicht allzu sehr durcheinander wirbeln.

Kleineres Spielfeld kein Problem

Das lag auch daran, dass Barca wie eine Mannschaft auftrat, die engagiert erscheinen, sich aber nicht allzu sehr anstrengen will. Der Tabellenführer der Primera División ging kein Champions-League-Tempo, spielte kaum den steilen Pass. Dass das Spielfeld in der Münchner Arena vier Meter schmaler und damit rund 400 Quadratmeter kleiner war, kam Barcelonas Offensive zwar nicht entgegen. Doch Lionel Messi und der auf links außen vorgezogene Andrés Iniesta tanzten sich auch auf engem Raum ein ums andere Mal nach vorne.

Barcelona spielte maßvoll, zuweilen gar gelangweilt. Das 1:0 der Bayern, für das Franck Ribery in der 47. Minute nach Pass von Ze Roberto frei vor Victor Valdéz auftauchte und den Torwart lässig austrickste, änderte daran zuerst nichts. In der 73. Minute kombinierte sich der Barca-Angriff aber dann doch einmal durch den Strafraum von Jörg Butt. Der Ball landete vor Keita, der ihn aus etwa 16 Metern Entfernung hereindrosch. "Klinsmann raus", schallte es dann aus dem Ultra-Block, einmal auch "Vorstand raus". Und dann riefen die Fans fast vergnügt nach Ottmar Hitzfeld und feierten Udo Lattek.

Keine Entspannung für Klinsmann

Spannung verströmten ansonsten noch die Anzeigetafeln, auf denen der Torhagel vermerkt wurde, der über das andere Viertelfinalspiel in London hineinprasselte. Chelsea und Liverpool trennten sich 4:4.

Entspannung dürfte das Unentschieden dem umstrittenen Bayern-Trainer nicht bringen. Jürgen Klinsmann kann erstmal nur bis zum nächsten Samstag denken. Die Prüfung, die er dann zu bestehen hat, dürfte deutlich schwieriger werden. Man muss zu Arminia Bielefeld.

Von Wigbert Löer, München
 
 
KOMMENTARE (10 von 13)
 
SethusCalvisius (16.04.2009, 15:02 Uhr)
Realität
Wenn man Klinsmanns Kommentare zum Rückspiel hört, fragt man sich, ob er sich noch in der Realität befindet. "Das Team hat sich hervorragend verkauft" "uns hat das Quäntchen Glück gefehlt" Quäntchen Glück? Mit dem 1:1 wären die Bayern sogar ausgeschieden, wenn sie im Hinspiel ein 0:0 gehalten hätten!
Broeselbub (15.04.2009, 23:06 Uhr)
Bayern oje
es tut mir als Bayern-hasser in der Seele weh wie dieser Club untergeht. Wenn sogar ein Herr Beckenbauer an diesem Lutschi Klinsmann klebt frage ich mich wo geht der Weg hin. Zu Beckenbauer kann man nur das eine sagen "Altersdemenz" anders ist das nicht zu erklären. Bayern braucht einen gestandenen Trainer und keinen dahergelaufenen Möchtegerntrainer. Hat der überhaupt einen Trainerschein? Wenn ja, wo hat der den gemacht? Also in Deutschland bstimmt nicht.
chatahootchee (15.04.2009, 13:18 Uhr)
HETZPRESSE
Man biedert sich populistisch an, weil es wieder mal gegen die Bayern geht.
Leute, es ist Fussball (braucht also nicht den Kopf) und es wird immer einer verlieren.
mramorak (15.04.2009, 13:06 Uhr)
Deutscher Sport im Griff der Poliisch korekten
Man kan das einfach so darstellen:
Freier Sport gegen Political Correctness 5:1
Ironeddi (15.04.2009, 13:04 Uhr)
haben wir das gleiche Spiel gesehen?
wenn ich mir das Spiel gestern nochmal anschau, dann seh ich mich darin bestätigt, was ich nach dem Hinspiel sagte: Klar war die Mannschaft von vorn herrein völlig verunsichert (Hinnspiel), kein wunder ohne Lahm, Lucio, Klose und noch co. Aber wie soll denn ein Lell z.B. gegen ein Messi irgend n stich machen, wenn er das erste mal seit zich Jahren links spielt, oder ein Breno der sein erstes großes CL Spiel macht. da is doch logisch,d ass man gegen Barca verliert. Ohne Frage war die Einstellung der Bayern11 scheisse, aber wie stark Bayern wirklich sit, hat man gestern gesehn. Sie hätten auch gewinnen können. Und dass ein Messi gestern KEIN Stich gemacht hat wird nicht wirklich erwähnt beim Stern. Die bayern haben gestern wieder einiges an Respekt zurück gewonnen.
vegefranz (15.04.2009, 11:42 Uhr)
schade - schöne 0:5 Klatsche wäre fein gewesen
und hinterher: Interview mit Wurst-Uli
SethusCalvisius (15.04.2009, 10:48 Uhr)
Lernfähig
Danke an den Stern, dass die Originalüberschrift "Bayern erreichen Minimalziel" durch eine realistischere ersetzt wurde.
rued (15.04.2009, 10:26 Uhr)
Unetschieden wie Sieg feiern?!
Also ich habe da gestern niemanden feiern sehen. Die Spieler haben lange Gesichter gemacht und die Fans haben ironisch den Klinsmann ausgebuht.
Für Bayern ging es darum zu zeigen das man auch anders kann und das ist meiner Meinung nach gelungen.
Zwar haben die sich wieder nicht wirklich mit Ruhm bekleckert, aber immerhin war die Bemühung zu erkennen.
Henning100 (15.04.2009, 09:46 Uhr)
Trauerspiel
Wenn Sie in Ihrem Artikel schreiben, dass die naechste Aufgabe am kommenden Sonnabend gegen Bielefeld bedeutend schwieriger wird, legt das doch den desolaten Zustand dieses Vereins dar. Weiterer Kommentar wird da doch ueberfluessig.
locotus (15.04.2009, 08:43 Uhr)
Abschiedsvorstellung
wieder mal bereits im Viertelfinale. Wenn ich sowas lese wird mir immer wieder schlecht. Welche anderen deutschen Mannschaften außer Bayern und 2002 Bayer 04 haben es denn in den letzten 10 Jahren weiter als bis ins Viertelfinale geschafft? Mit schöner Regelmäßigkeit ist für fasst alle nach der Vorrunde Schluß, wenn man sich für diese überhaupt qualifiziert. Mit etwas Glück geht es dann im UEFA-Cup weiter.
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