Donezk feiert ergaunertes Tor

21. November 2012, 08:10 Uhr

Die Ukrainer gewinnen in der Champions League gegen die dänischen Underdogs vom FC Nordsjælland. Doch einem Tor des siegreichen Teams ging eine grobe Unsportlichkeit voraus. Und es folgte eine zweite. Von Thomas Schmoll

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Umstrittene Aktion: Donezks brasilianischer Torschütze Luiz Adriano gibt sich nach seinem Ausgleichstor unschuldig©

Keine Woche ist es her, da bejubelte die Fußballwelt einen sensationellen Treffer von Zlatan Ibrahimovic. Dem schwedischen Nationalspieler gelang ein spektakulärer Fallrückzieher im Spiel gegen England weit hinter der Strafraumgrenze. Wieder sorgt ein Tor für Aufsehen - allerdings nicht wegen seiner Schönheit, sondern weil es von der Masse der Fans als grob unsportlich empfunden wird. Urheber des Eklats war ausgechnet ein Brasilianer, der die Fair-Play-Regeln gleich doppelt missachtete.

Im Champions-League-Spiel zwischen dem dänischen Nobody-Team FC Nordsjælland - wie in allen Spielen zuvor krasser Außenseiter - machte Luiz Adriano genau das, was in allen Stadien der Welt auf dem Index steht. Der Spieler von Donezk gelangte an die Kugel aufgrund eines Schiedsrichterballs, der nach den ungeschriebenen Regeln der Sportart seinem Gegner zustand, und schoss den Ausgleich zum 1:1. Der Schiedsrichter musste es geben - trotz der wütenden Fans der dänischen Mannschaft.

Damit nicht genug. Nach dem Wiederanstoß machte sich ein Spieler von Nordsjælland auf, ein Tor zu schießen - in der Hoffnung, die Kontrahenten aus Donezk lassen ihn quasi als Ausgleich für das miese Tor durchlaufen. Anfangs sah es auch so aus, als würde dies klappen. Doch ausgerechnet der Schütze des Schmachtors forderte seine Mitspieler auf, den Dänen aufzuhalten - mit Erfolg. Vom Torhüter bis zum Stürmer: die Männer vom FC Nordsjælland konnten es nicht fassen.

"Ihr Angreifer hat's schlicht nicht kapiert"

Der Schiedsrichterball war notwendig geworden, weil ein dänischer Player ohne Foul verletzt wurde. Korrekt schoss William, auch ein Brasilianer, den Ball in Richtung des dänischen Torhüters Jesper Hansen. Doch Adriano verwertete den "Pass" mit bekanntem Ausgang. Sein Dribbling um den Keeper herum, begleitet von lautem Schimpfen entsetzter Zuschauer, wirkte wie ein Gag. War aber keiner, wie man spätestens am Torjubel merkte.

"Ihr Angreifer hat's schlicht nicht kapiert", klagte Nordsjælland-Kapitän Nicolai Stockholm nach dem Spiel. Laut Reuters erklärte er: "Ich habe auf meine Armbinde hinabgesehen, und dort steht etwas von Respekt. Aber ich muss sagen: Davon haben wir nicht viel gesehen." Und: "Wir dachten, sie geben uns ein Tor zurück." Das halbe Team von Donezk habe es wohl auch vorgehabt. "Aber die andere Hälfte nicht."

Übrigens schoss Adriano noch zwei weitere Tore. Sein Team steht im Achtelfinale. Ein sportlicher Erfolg. Doch der interessiert angesichts der Unsportlichkeit gerade nicht besonders.

Thomas Schmoll
 
 
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