Manchester United gegen FC Barcelona - das Finale der Champions League (ab 20.45 Uhr im stern.de-Live-Ticker) ist das größte, was der europäische Fußball zu bieten hat. Und es ist das Duell Weltfußballer gegen Kronprinz. Schießt Ronaldo ManU zum erneuten Sieg oder scheitert der Titelverteidiger an Barca-Star Messi?

Lionel Messi will mit dem FC Barcelona die Champions Legaue gegen Manchester United gewinnen© Lluis Gene/AFP
Das Stadio Olimpico wird zum Circus Maximus, die Ewige Stadt zum Schauplatz eines historischen Fußball-Spektakels. Der Kampf um die europäische Vormachtstellung zwischen Manchester United und dem FC Barcelona am Mittwoch in Rom (20.45 Uhr im stern.de-Liveticker und auf Sat1/Premiere) ist die größte Verlockung, die dieser Sport zu bieten hat.
Selbst United-Coach Alex Ferguson geriet ins Schwärmen: "Ich denke, dass es ein fantastisches Endspiel werden wird. Wir spielen gegen ein Team mit einer fantastischen Philosophie und einer großartigen Geschichte", sagte er vor dem Showdown in der römischen "Viale dei Gladiatori". Ähnlich groß ist der Respekt seines Gegenübers Josep Guardiola: "Wir wollen gegen das beste Team der Welt gewinnen."
Premier League gegen Primera Division, Weltfußballer Cristiano Ronaldo gegen Kronprinz Lionel Messi, Routinier Ferguson gegen Novize Guardiola - dem Reiz des Duells der beiden führenden Clubs aus den stärksten Ligen der Welt kann sich kein Fußball-Fan entziehen. In den Schlagzeilen dominieren Superlative: So bezifferte die spanische Zeitung "Marca" den Marktwert der 22 Akteure, die sich im Champions-League-Finale gegenüberstehen, auf eine Milliarde Euro.
Beiden Teams winkt ein Eintrag in die Geschichtsbücher. Der dreimalige Landesmeister-Sieger Manchester United (1968/1999/2008) will den Titelverteidiger-Fluch besiegen: Keinem Team gelang es seit Einführung des Wettbewerbs in der Saison 1992/93, den Vorjahreserfolg zu wiederholen. Der AC Mailand (1995), Ajax Amsterdam (1996) und Juventus Turin (1997) kamen zwar wieder ins Finale, aber kurz vor der Ziellinie ins Stolpern. "Ich habe keine Erklärung dafür, aber wir können das am Mittwoch ändern", sagte Ferguson. Diese Chance will sich auch Manchester-Außenverteidiger Patrice Evra nicht entgehen lassen: "Die Champions League zweimal in Folge zu gewinnen, würde uns zu Legenden machen. Das ist seit dem letzten Jahr unsere Motivation."
Der vom Ehrgeiz getriebene 67 Jahre alte Ferguson nahm seine Profis schon vor einem Jahr in die Pflicht. Auf der Busfahrt zum Moskauer Flughafen nach dem Final-Triumph im Mai 2008 über den FC Chelsea stellte er neue Forderungen: "Glückwunsch, aber ich will, dass ihr nächstes Jahr wieder zuschlagt." Er wähnt sein Team auf bestem Weg in den höchsten Fußball-Adel: "Mit einem Erfolg gegen Barcelona würden wir mit den großen europäischen Mannschaften gleichziehen. Dieses Team ist jung und hat die Zukunft noch vor sich."
Auch der zweimalige Landesmeister-Europacupsieger (1992/2006) aus Barcelona nimmt Historisches ins Visier. Erstmals könnte es einem spanischen Team gelingen, nach dem nationalen Double auch noch in Europas Königsklasse zu gewinnen. "Es ist eine Chance, um in die Geschichte einzugehen", sagte Andres Iniesta. Der Spielkunst des Mittelfeldspielers an der Seite seines kongenialen Partners Xavi und der Angriffswucht der "drei Tenöre" Messi/Eto'o/Henry waren in Spanien selbst die "Königlichen" aus Madrid nicht gewachsen. "Viele Menschen, die nicht Barça-Fans sind, bewundern uns für unseren Fußball. Für diesen Fußball haben wir den Champions-League-Titel verdient", befand der 21 Jahre alte Messi, der mit acht Treffern die Torjägerliste anführt und zum jüngsten Top-Scorer seit Einführung des Wettbewerbs werden könnte.
Die Aussicht auf magische Momente treibt die Schwarzmarktpreise in astronomische Höhen. Selbst die weniger attraktiven Kurvenkarten im Olympiastadion werden im Internet für rund 1000 Euro gehandelt. Auch der Adel kann dem Spektakel nicht widerstehen: Spaniens König Juan Carlos und Queen-Enkel Prinz William stehen auf der Gästeliste. In 200 Ländern wird die Partie live übertragen. Niemand will das Duell der von ihren Anhägern vergötterten Ballkünstler Ronaldo und Messi verpassen. Alle wollen sehen, wie der taktische Wettstreit zwischen dem mit 43 Titeln erfolgreichsten europäischen Trainer Ferguson gegen "Greenhorn" Guardiola ausgeht. Der 38-Jährige steht als erster Coach gleich in seinem Premieren-Jahr vor dem Sieg in der Champions League.
Seit der Meistertitel unter Dach und Fach ist, schaltete sein Team gleich mehrere Gänge zurück. Bei den Niederlagen gegen Osasuna und Mallorca wurden diverse Stars geschont. Groß ist die Personalnot vor allem in der Defensive: Neben den gesperrten Außenverteidigern Dani Alves und Eric Abidal fehlen Rafael Marquez und Gabriel Milito (beide verletzt). Immerhin: Die angeschlagenen Offensiv-Asse Iniesta und Henry überstanden ihr erstes Training am Tag vor der Abreise nach Rom problemlos. Auf die Frage, mit welcher Taktik er auf die Personalnöte reagiert, antwortete Guardiola auf seine Weise: "Ich habe keinen Methode, ich habe gute Spieler."
Dagegen hat Ferguson kaum Grund zur Klage. Gesperrt fehlt Darren Fletcher, Rio Ferdinand ist wieder fit. Um den Angriffswirbel des Gegners zu überstehen, setzt United auf eine ähnliche Taktik wie beim Sieg über Barcelona im Halbfinale vor einem Jahr. Evra: "Wir haben kein Tor zugelassen und einen großartigen Job gemacht."
Valdez - Puyol, Touré, Piqué, Sylvinho - Xavi, Busquets, Iniesta - Messi, Eto'o, Henry
Van der Sar - O'Shea, Ferdinand, Vidic, Evra - Anderson, Carrick, Scholes - Cristiano Ronaldo, Park - Rooney
Schiedsrichter: Busacca (Schweiz)