Schalkes Auferstehung

12. März 2013, 15:10 Uhr

Noch vor wenigen Wochen ging Schalke am Stock. Trainer Keller? Schien eine Eintagsfliege. Plötzlich ist alles anders. Am Abend kämpft der Club um den Einzug ins Viertelfinale der Champions League. Von Klaus Bellstedt

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Hat auf Schalke den Turnaround geschafft: Trainer Jens Keller©

Es ist gerade einmal fünf Wochen her, als der FC Schalke in der Bundesliga eine demütigende 0:4-Schlappe beim FC Bayern einstecken musste. Die Niederlage war der "Höhepunkt" einer wochenlangen Talfahrt. Übergangstrainer Jens Keller würde nicht mehr lange durchhalten. Darüber waren sich die Fachleute einig. Er sei ein Coach ohne Konturen - und ohne Ideen. Das waren die Hauptvorwürfe seiner Kritiker. Keller hat ihnen alle die Argumente genommen. Mit leidenschaftlichem Einsatz, taktischem Geschick und großer Spielfreude hat der FC Schalke den Turnaround geschafft.

Vorläufiger Höhepunkt: der Derby-Erfolg gegen Borussia Dortmund am vergangenen Wochenende. Es war der zweite Sieg in dieser Saison gegen den verhassten Nachbarn, der sportlich längst enteilt schien. Aber die Leistung im Derby war beeindruckend. Mit rasend schnellem Umschaltspiel erteilten Kellers Profis dem BVB eine Lehrstunde. Jens Keller sei Dank. Seine Handschrift ist mittlerweile deutlich zu erkennen. Aus der Eintagsfliege könnte nun durchaus etwas Langfristiges werden – also über den Sommer hinaus.

Keller lässt weiter offensiv spielen

"Der Trainer hat uns in einer schwierigen Phase sehr geholfen", sagt Julian Draxler, der in den vergangenen zwei Partien dreimal traf und der Mann der Stunde auf Schalke ist. Klar, dass auch die Hoffnung auf ein erfolgreiches Abschneiden im Champions-League-Duell mit Galatasaray Istanbul am Abend in Gelsenkirchen ganz eng mit dem Namen des Jung-Nationalspielers verbunden ist. "Wir wollen den Schwung und das Selbstbewusstsein aus dem Sieg im Revierderby mitnehmen", sagt Draxler. Der Glaube an ein weiteres königsblaues Freudenfest, er wächst.

Übrigens auch bei den Bossen. "Ich bin überzeugt, dass wir den nächsten großen Schritt machen können", so Sportvorstand Horst Heldt voller Hoffnung auf den dritten Einzug der Schalker in die Runde der letzten acht Teams in der Königsklasse binnen sechs Jahren. Nach dem 1:1 aus dem Hinspiel erscheint die Ausgangslage jedenfalls mehr als günstig. Und die Fans können sich wohl auf ein neuerliches Offensiv-Feuerwerk freuen. Denn trotz des Unentschiedens in Istanbul hat Trainer Keller eine offensive Gangart seiner Mannschaft in Aussicht gestellt: "Wir werden nicht abwartend spielen und nicht den Fehler machen, uns hinten reinzustellen."

Huntelaar-Ausfall schmerzt

Die Ausfälle von Jermaine Jones und Klaas-Jan Huntelaar können die Zuversicht auf Schalke nur bedingt trüben. Der im Hinspiel beste Schalker Jones fehlt gesperrt, Torjäger Huntelaar zog sich beim 2:1 über den BVB einen Innenband-Teilabriss im linken Knie zu. "Es tut weh, auf zwei Klassespieler verzichten zu müssen", sagt Benedikt Höwedes, "aber in einer solch positiven Phase können wir die Beiden gut ersetzen." Aus den Worten des Kapitäns spricht das Selbstbewusstsein eines Siegertypens.

Und dennoch: Gerade das Fehlen von Huntelaar bereitet Kopfzerbrechen. Schließlich steht auch Ciprian Marica nach einer Meniskus-Operation nicht zur Verfügung. Deshalb dürfte der schon gegen Dortmund eingewechselte Teemu Pukki in der Startformation stehen, obwohl dessen Saisonbilanz mit nur einem Tor in 16 Pflichtspielen bescheiden ausfällt. Keller hat dem Finnen vor dem Spiel gegen "Gala" demonstrativ den Rücken gestärkt: "Auch er hat sich im Derby voll reingehauen. Teemu hat ohne Zweifel Qualitäten." Genauso baut man Reservisten auf.

Terim optimistisch

Anders als Schalke hat Galatasaray, Tabellenführer der türkischen Süperlig, die Generalprobe am Wochenende verpatzt. Trotz der peinlichen 0:1-Heimniederlage gegen Genclerbirgli Ankara zeigt sich Trainer Fatih Terim aber optimistisch: "Unsere Probleme haben wir in zuhause gelassen. Die Champions League ist ein ganz anderer Wettbewerb." Die Auferstehung des Revierclubs ist allerdings auch dem ehemaligen türkischen Nationaltrainer nicht entgangen: "Schalke ist seit dem Hinspiel mit jeder Partie besser geworden." Besser dank Jens Keller - so könnte man es auch formulieren.

mit DPA
 
 
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