Ballack giftet gegen den Schiedsrichter

7. Mai 2009, 16:36 Uhr

Nach dem bitteren Aus im Champions-League-Halbfinale gegen Barcelona hat Michael Ballack verbale Giftpfeile auf Schiedsrichter Tom Henning Övrebö abgefeuert. Der Norweger musste wegen aufgebrachter Fans das Stadion unter Polizeischutz verlassen. Chelsea drohen jetzt Sanktionen durch die Uefa.

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Michael Ballack rastete aus: "Eine Menge Fehler gemacht"©

Nach dem Last-Minute-K.o. im Halbfinale der Champions League gegen den FC Barcelona lagen beim FC Chelsea die Nerven blank. "Ich weiß nicht, ob es Betrug war - ich hoffe nicht!", giftete Ballack, der Schiedsrichter Övrebö nach einem ausgebliebenen Elfmeterpfiff in der fünften Minute der Nachspielzeit wutentbrannt über das halbe Feld gefolgt war und dafür Gelb sah. "Im Fußball passieren Fehler - aber der Schiedsrichter hat heute eine Menge davon gemacht", urteilte der DFB-Kapitän. Didier Drogba stürmte in Badelatschen aufs Spielfeld und musste von Ordnern zurückgehalten werden. Dennoch baute sich der Stürmerstar von der Elfenbeinküste drohend vor den Fernsehkameras auf und brüllte: "Habt Ihr das gesehen? Es ist eine verdammte Schande."

Eine neue Chance wird Chelsea in der nächsten Saison bekommen. Aber bevor es soweit ist, drohen den Londonern Konsequenzen von der Uefa. Die tumultartigen Szenen nach Ende der Partie und die verbalen Attacken von Didier Drogba gegen Övrebö dürften nicht ohne Folgen bleiben. Die Uefa äußerte sich nach einem Bericht des englischen "Guardian" zunächst zurückhaltend: "Wir warten erst den Bericht des Schiedsrichters ab, bevor wir darüber entscheiden, ob wir tätig werden."

Polizeischutz für Schiedsrichter Nach englischen Medienberichten musste der norwegische Schiedsrichter unter Polizeischutz das Stadion verlassen, das Hotel wechseln und schließlich das Land verlassen. In seiner Heimat Norwegen ist man alarmiert. Vorsorglich will die Polizei einschlägige Fan-Foren im Internet beobachten, ob Aktionen gegen Övrebö geplant sind. Der FC Chelsea verschickte eine Pressemitteilung, in der der Club Drohungen gegen den Schiedsrichter auf schärfste verurteilt.

Im Spiel gegen Barcelona hatte sich das Team der Londoner durch den Norweger stark benachteiligt gefühlt. Viermal hatten die "Blues" Elfmeter gefordert, darunter bei zwei Handspielen von Gerard Piqué und Samuel Eto'o. Doch Övrebö winkte stets ab. Dafür stellte er 25 Minuten vor Schluss Barca-Verteidiger Eric Abidal wegen einer Notbremse gegen Nicolas Anelka vom Platz. Bis Sekunden vor Schluss sah Chelsea dank Michael Essiens Glücksschuss (9.) wie der Sieger aus, dann nahm Iniesta Maß. "Ich verstehe die Emotionen völlig", sagte Interimscoach Guus Hiddink.

Pressestimmen Spanien - El País

"Der Fußball meint es zuweilen gut mit den Mannschaften, die einen schönen Stil praktizieren, und kann mit den ruchlosen Teams sehr gemein sein."

Sport

"Das Triple ist noch möglich. Bisher haben dies in Europa nur Celtic, Ajax, Eindhoven und Manchester United geschafft. Barça will die Nummer fünf sein."

Marca

"Ein Super-Iniesta und der Schiedsrichter bringen Barcelona ins Finale. Iniestas Tor war ein Glückstreffer. Aber kein anderes Team hat das Glück so verdient gehabt wie der FC Barcelona."

As

"Iniesta beweist, dass Wunder möglich sind."

England - The Sun

"Didier Drogba droht ein langer Uefa-Bann nach einer bösartigen Attacke auf Schiri im Tunnel."

The Mirror

"Verwünschte Blues - Der Schmerz wird bleiben, selbst wenn Ärger und Empörung sich allmählich legen."

Daily Mail

"Heraus-betrogen - lasst Euch nicht erzählen, dass hier die bessere Mannschaft gewonnen hat. Lasst auch nicht sagen, der Fußball hätte gesiegt ... Barcelona mag die Champions League noch im Finale mit einem glänzenden Spiel schmücken, heute war das nicht der Fall."

Daily Express

"Iniesta streicht "Full English" von der Speisekarte - Andres Iniesta brach Chelseas Herz mit seinem Tor in der Nachspielzeit und sicherte einem Zehn-Mann-Barcelona das Finale."

Daily Telegraph

"Bitterste Galle wird der einzige Geschmack sein, den Chelsea heute Morgen im Mund hat. Jeder, der mit Stamford Bridge verbunden ist, wird sich angesichts der Ungerechtigkeit krank fühlen."

The Times

"Rasender Drogba dreht durch, während Chelsea aus der Champions League kracht."

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KOMMENTARE (10 von 16)
 
p_hakel (09.05.2009, 16:11 Uhr)
Das Schlimme
an der Sache ist, nach den miserablen Leistungen des Schiri bei der EM, hätte der nicht mehr zum Eisatz kommen dürfen. Da war Ärger vorprogrammiert.
UR63 (08.05.2009, 21:59 Uhr)
@hamburg123
Jerusalem ist auch eine Reise wert!
Mfg
petermeyer (08.05.2009, 08:16 Uhr)
schon lustig wie alles nachgequatscht wird
glaubt ihr irgendein schiedsrichter der welt hätte 3 oder gar mehr (wie manche hier gesehen haben wollen) elfmeter für chelsea gegeben.
es gab allenfalls einen den man hätte geben müssen , handspiel in der 82 minute , war das glaube ich .
der rest ist nur nachgeqatsche.
und ja der schiedsrichter war bestochen , genau deshalb hat er auch ne rote karte für barca gegeben.??? - ich lach mir den arsch ab , frei nach doll ;)
der schiesdsrichter war vollkommen ok , er hätte nur schwalbenkönig drogba gleich ne gelbe geben müssen.
wer 1:0 führt , gegen 10 spieler und dann nur mit beton das ergebnis halten will , ist selber schuld. darum auch das gegeifere und die suche nach nem sündenbock.
hamburg123 (07.05.2009, 21:47 Uhr)
@schulse
Das stimmt einfach nicht! Die sehr seriöse Zeitung "Sun" hat berichtet, dass Ovrebö angeblich Fehlentscheidungen zugegeben hat. Also nicht alles glauben was sie hören....
bonzer (07.05.2009, 20:16 Uhr)
drama
herrlich wie drogba am ende gewütet hat. echt klasse! das waren emotionen pur. kann ich alles gut nachvollziehen.
btw: natürlich war der schiri vollkommen überfordert.
hamburg123 (07.05.2009, 20:05 Uhr)
@UR63
Ja wenn nichts mehr geht bei Drogba, was ja häufig der Fall ist, dann wird der Kontakt gesucht und man lässt sich fallen. Eine gelbe Karte zu Beginn und man hätte ihm unmissverständlich klar gemacht, das man so so eine Betrügerei nicht duldet. Drogba ist der Betrüger und nicht der Schiedsrichter, der bis auf die rote Karte gegen Abidal eine gute Leistung geboten hat. Was die Stadt Barcelona angeht: Eine tolle Stadt, ich war zu Ostern dieses Jahres letztemal dort.
Schulse (07.05.2009, 19:57 Uhr)
@hamburg123 und UR63
Ich weiss ja nicht welches spiel sie beiden gesehen haben...
Die Schiedsrichterleistung war unter aller Kanone. Ich war von vornerein für Barca, aber das Chelsea sich dermaßen empört kann ich verstehen. Von den 6!!! strittigen Situationen waren 2 definitiv Elfmeter und 1 mit vorbehalt. Die rote Karte war ein absoluter witz und dafür brauchte ich zumindest keine Zeitlupenwiederholung.
Ich halte auch nichts von weinerlichen immerfallenden Fussballdiven. Allerdings ist es mir absolut schleierhaft wie sie die Schiedsrichterleistung als eine gute bezeichnen können. 15 Jahre Fussballspielen macht offensichtlich noch keinen Sachverstand.
Btw.: Övrebrö hat vor der UEFA Komission zugegeben schwere Fehler begangen zu haben.
Aber halten sie dem Schíri ruhig weiter die Stange...
anyway BARCA BARCA BARCA!!!
Tele-Vision (07.05.2009, 19:32 Uhr)
Schiedsrichter-Konten überprüfen
Dieses Spiel war ja so offensichtlich manipuliert, anstatt Ballack sollte die UEFA mal die Konten ihrer Schiris untersuchen, ob sich da größere Einzahlungen zeigen. Eine Schande für den Fußball an sich und ein Ärgernis für jeden der das gestern gesehen hat, ob Chelsea Fan oder nicht. Das ging schon mit dem offensichtlichen Elfmeter los, der einfach vor die Strafraumgrenze verlegt wurde. Die UEFA muss aufpassen, dass sie nicht als Manipulator dasteht.
UR63 (07.05.2009, 19:16 Uhr)
@hamburg123
Ihr Kommentar ist ein Volltreffer!
Der Schiedsrichter hatte bei allen Entscheidungen ein gutes Händchen!
Die rote Karte für Barca war ein Witz!
Konnte man aber erst mit Zeitlupe erkennen.
Nach der Karte wurde ein Abwehrspieler für Drogba eingewechselt!
Freue mich auf ein tolles Fussballspiel Barca vs Manu!
Barca ist der Verein.
Auf der Brust Werbung für UNISEF!
Tolle Stadt toller Verein!
quintus11 (07.05.2009, 18:18 Uhr)
Tja...
... so ist das eben. Man gewinnt ein Spiel nun mal nicht durch "Hinten rein stellen" Chelsea hätte eben noch ein Tor schiessen müssen, wenn sie schon z Hause spielen. Ballak hat mal wieder gezeigt wes' Geistes Kind er ist.
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