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Zwanziger manövriert sich ins Abseits

Um das Buch des früheren DFB-Präsidenten Theo Zwanziger wird weiter heftig gestritten. Jürgen Klinsmann und Bierhoff bleiben gelassen. Zwanziger selbst will sein Werk nicht als Abrechnung verstehen.

  Hat sich mit seinem Buch im deutschen Fußball keine Freunde gemacht: Ex-DFB-Chef Theo Zwanziger

Hat sich mit seinem Buch im deutschen Fußball keine Freunde gemacht: Ex-DFB-Chef Theo Zwanziger

Die Debatte um das Buch des früheren DFB-Chefs Theo Zwanziger wird in scharfer Form weitergeführt. Wolfgang Niersbach, Nachfolger als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), konterte am Montag Zwanzigers Ausführungen, der Besuch der Nationalmannschaft im ehemaligen NS-Vernichtungslager Auschwitz sei "zu schnell abgetan" worden. "Wichtiger als die exklusive Wahrnehmung meines Vorgängers ist mir in diesem Zusammenhang das Dankesschreiben des Internationalen Auschwitz Komitees an den DFB", erklärte Niersbach in der "Bild"-Zeitung.

Zwanziger wehrte sich dagegen, sein zu Wochenbeginn erschienenes Buch "Die Zwanziger Jahre" als Abrechnungsbuch zu sehen. "Es sollte nicht nur keins sein, es ist auch keins", sagte der ehemalige Verbandschef im ZDF. Er habe die Rolle des Fußballs beleuchten wollen und sich auch "mit der einen oder anderen Persönlichkeit sehr differenziert auseinandergesetzt", bemerkte Zwanziger.

Bierhoff und Klinsmann bleiben gelassen

Der von Zwanziger unter anderen attackierte DFB-Teammanager Oliver Bierhoff reagierte gelassen auf die Ausführungen des ehemaligen Vorgesetzten. "Ich sehe es nicht so sinnvoll, dazu was zu sagen. Es beschäftigt uns nicht besonders", sagte Bierhoff am Montag in Amsterdam, wo sich die Nationalelf auf das Länderspiel gegen die Niederlande am kommenden Mittwoch vorbereitet. "Jeder muss mit sich selbst ausmachen, wie er ein Buch schreibt", betonte der Ex-Profi, der kürzlich selbst als Autor aktiv war.

Für Jürgen Klinsmann ist ein Kommentar sogar pure "Energieverschwendung". "Es ist halt so, dass manche Leute gerne über andere reden und urteilen", sagte der 48-Jährige schulterzuckend bei einem Termin am Montag in Frankfurt/Main mit einem Lächeln. Zwanziger hatte in seinem Buch von einem Geheimplan geschrieben, der bei Misserfolg eine Entlassung Klinsmanns noch während der WM 2006 vorgesehen hätte. "Was soll ich das kommentieren? Das ist es mir nicht wert. Ich hatte zwei tolle Jahre mit der Nationalmannschaft", sagte der heutige Trainer der USA.

Zwanziger kontert Hoeneß

Uli Hoeneß, Präsident des FC Bayern, hatte prophezeit, dass Zwanzigers verbaler Feldzug gegen Persönlichkeiten des deutschen Fußballs wie Klinsmann, Bierhoff und ihn den ehemaligen DFB-Präsidenten "noch mehr in die Isolation treiben" werde. "Jemand, der selbst Attacke fahren will, der muss auch mal akzeptieren, wenn einer das eine oder andere, was er macht, kritischer sieht", bemerkte Zwanziger nun zur Hoeneß-Reaktion und wies im "Kicker" auf despektierliche Äußerungen des Bayern-Präsidenten etwa über den Frauen-Fußball hin. "Auf der einen Seite lobe ich diesen großen Bayern-Manager über den grünen Klee. Auf der anderen Seite stoße ich mich an ein, zwei Bemerkungen", sagte Zwanziger. Wenn sich Hoeneß jetzt so aufrege, tue es ihm leid: "Dann ist Hoeneß eine kleinkarierte Seele." Wer "Attacken reitet", der solle nicht so empfindlich sein, empfahl er Hoeneß.

Zwanziger verteidigte auch nochmals seine Indiskretionen, etwa über einen Plan B mit Klinsmann bei der Heim-WM 2006. "Die Menschen haben auch ein Recht darauf, Hintergründe zu erfahren", erklärte Zwanziger. Er wolle insgesamt mit dem Buch schildern, was die Motivation gewesen sei, als Funktionär zu arbeiten: "Fußball ist mehr als Bundesliga und Nationalmannschaft." Der gesamte Reinerlös seines Buches solle sozialen Zwecken und dem Frauen-Fußball zugutekommen, betonte Zwanziger.

dho/DPA/DPA

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