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Alle Bayern zittern - auch Schweinsteiger

Der 40-Millionen-Mann ist endlich da: Javier Martínez ist ab sofort Bayern-Spieler. Die Bundesliga kann sich auf einen Star freuen - seine Mitspieler müssen sich dagegen am Riemen reißen.

Von Klaus Bellstedt

  • Klaus Bellstedt

Es ist vollbracht: Nach einem bizarren Wechseltheater über mehrere Wochen haben die Bayern endlich Vollzug gemeldet. Javier Martínez ist ab sofort ein Münchner. Für die Rekordablösesumme von 40 Millionen Euro wechselt der Spanier von Athletic Bilbao zu den Bayern. Noch nie hat ein Bundesligaklub mehr Geld für einen Fußballer ausgegeben. Auch wenn ihn nur Insider kennen: Die Liga kann sich auf einen neuen Star freuen, auf einen modernen Mittelfeldspieler, der am liebsten zentral defensiv agiert, aber auch in der Innenverteidigung eingesetzt werden kann. Vereinfacht ausgedrückt: Als Mittelfeldspieler hat er das Niveau von Sami Khedira, als Verteidiger das von Mats Hummels.

Javier Martínez war der Wunschspieler der Bayern. Auch wenn die Bosse wissen, dass 40 Millionen Euro ganz klar überteuert sind: Die sportliche Leitung hat sich immer für diesen Transfer ausgesprochen. "Auf der Sechs haben wir ein richtiges Problem." Die Aussage von Präsident Uli Hoeneß lassen die Transferpolitik der vergangenen Jahre in keinem Gut Licht erscheinen. Aber nun ist der Heilsbringer ja endlich da und Lamentieren in der Führungsetage an der Säbener Straße ab sofort verboten.

Fliegt Schweinsteiger ganz raus?

Jammern könnten aber sehr wohl die neuen Mitspieler des Spaniers - weil der Konkurrenzdruck im engeren Kader, also bei den potenziellen Stammspielern, durch diesen Transfer brutal erhöht wird. Denn eines scheint klar: Dass Martínez einen Stammplatz innehaben wird, gilt bei dieser Ablösesumme als sicher. Für alle anderen hat mit der Unterschrift des 23-Jährigen unter den Rekordvertrag das große Zittern begonnen. Auch für Bastian Schweinsteiger.

Der Nationalspieler ist Vizekapitän der Bayern, er ist noch mehr als Philipp Lahm der absolute Führungsspieler von Trainer Jupp Heynckes. Aber Schweinsteiger kommt nach vielen Verletzungen, einer missratenen EM und einer in der Folge gestörten Vorbereitung nicht auf die Beine. Noch immer hat er etwas Trainingsrückstand. Beim 3:0 zum Auftakt der Saison in Fürth kam Schweinsteiger erst in der 72. Minute für Neuzugang Shaqiri in die Partie. Für den emotionalen Leader der Bayern ist der Zeitpunkt des Martínez-Wechsels denkbar ungünstig. Weil er sich dem Konkurrenzkampf mit dem Neuen noch nicht richtig stellen kann. Fliegt Schweinsteiger gar dauerhaft aus der ersten Elf? Ganz ausschließen kann man selbst das nicht.

Martínez übt Drück auf alle aus

Abgesehen von Schweinsteiger kämpfen mit Luiz Gustavo, Anatoli Timoschtschuk und Toni Kroos noch drei weitere Spieler um die eine Position im defensiven Mittelfeld neben Martínez. Sollte Schweinsteiger schnell seine frühere Wettkampfhärte zurückgewinnen, dürfte er gesetzt sein. Gustavo und Timoschtschuk sind dann die Verlierer. Aufgrund der hohen spielerischen Flexibilität von Toni Kroos, der am liebsten sowieso die Zehnerposition bekleidet, wäre dann plötzlich Thomas Müller der nächste Leidtragende des Martínez-Deals. Wenn jetzt auch noch Frank Ribéry nach seiner Grippe zurück in die Mannschaft drängt, könnte sich neben Müller auch ganz schnell Xherdan Shaqiri auf der Bank wieder finden.

"Ich habe das Glück, auf zwei Positionen spielen zu können", sagt Martnez über sich selbst. Das bedeutet, dass sich bei den Bayern auch die Abwehrspieler in Acht nehmen müssen. Der Konkurrenzkampf tobt jedenfalls beim dreifachen Vizechampion der vergangenen Saison. Vielleicht so stark wie noch nie. Sie wollten es nicht anders. Aber der Transfer birgt eben auch Gefahren in sich. Der Betriebsfrieden steht auf dem Spiel, auch weil der Neidfaktor nicht zu unterschätzen ist.

"Unsere Spieler sind auch gut"

Wie sagte Bastian Schweinsteiger vor ein paar Tagen, angesprochen auf den sich anbahnenden Martínez-Wechsel, so verräterrisch ehrlich? "Es gibt viele Spieler, die gut sind. Auch Luiz Gustavo, Anatoli Timoschtschuk und Toni Kroos haben es in der vergangenen Saison gut gemacht. Man kann schwer kommentieren, was noch nicht feststeht. Aber ich bin der Meinung, dass unsere Spieler, die wir haben, auch gut sind." Sehr begeistert klang er dabei nicht.

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