22. März 2007, 14:34 Uhr

Alle haben Angst vor Koller

2,02 Meter groß, 103 Kilogramm schwer: Der tschechische Stürmer Jan Koller ist nicht nur von seiner Statur her eine imposante Erscheinung. Der ehemalige Dortmunder flößt der deutschen Abwehr gehörigen Respekt ein.

"Jan ist 90 Minuten nicht auszurechnen": Der Respekt in der Deutschen Mannschaft vor dem tschechischen Sturmtank ist groß©

Tschechiens Rekordtorschütze (48 Treffer) sei am Samstag wohl der Schlüsselspieler, glaubt Bundestrainer Joachim Löw: "Das Wichtigste wird sein: Wie verhalten wir uns gegen Koller?" "Jan ist 90 Minuten nicht auszurechnen", meint auch Jens Lehmann. Der Nationaltorwart hatte einst bei Borussia Dortmund mit Koller zusammengespielt - und wurde sogar von ihm ersetzt: Als Lehmann im Bundesligaspiel bei Bayern München im November 2002 des Feldes verwiesen wurde, konnte Dortmund keinen Schlussmann einwechseln, und Koller musste 25 Minuten lang das Tor hüten.

"Das war nicht schlecht", lacht der tschechische Stürmer des AS Monaco heute darüber, "und eine Rote Karte würde uns am Samstag natürlich helfen, denn Jens hat als Torwart quasi keine Schwächen. Aber nein - einen Platzverweis wünsche ich ihm selbstverständlich nicht."

"Lehmann ist ein großes Hindernis"

Noch ein Spieler mit dem "Böhmischen Löwen", dem tschechischen Wappentier, auf dem Nationaldress kennt Lehmann gut: Tomas Rosicky. Der 26-Jährige hatte einst mit Koller und Lehmann in Dortmund gespielt und ist seit einem Jahr auch bei Arsenal London Mannschaftskamerad des Deutschen. "Jens ist ein fabelhafter Torwart und wird für uns ein großes Hindernis", glaubt Rosicky, der auch Respekt vor Michael Ballack hat: "Chelseas Stil ist langweilig, aber er ist ein großer Spieler." Für Tschechiens Trainer Karel Brückner ist der begnadete Techniker neben Koller der wichtigste Akteur seiner in der Vergangenheit meist offensiv ausgerichteten Mannschaft.

Doch ob darüber hinaus der verlässliche Torwart Petr Cech, der robuste Defensivspieler Jan Polak oder der quirlige Stürmer Milan Baros: Die Brückner-Elf ist auf vielen Positionen außerordentlich gut besetzt. Zwar schätzen Fußballexperten in Prag das Team von der EM 2004, als Tschechien auch ohne den mittlerweile zurückgetretenen Star Pavel Nedved gegen Deutschland 2:1 gewann, spielerisch stärker ein. Brückner ist dennoch überzeugt, dass seine Mannschaft Bundestrainer Joachim Löw die erste Länderspiel-Niederlage zufügen kann: "Wir wollen und können gewinnen, auch wenn unter bestimmten Umständen schon ein Unentschieden ein gutes Ergebnis sein kann."

Furcht vor deutschen Hooligans

Besorgt blickt der tschechische Fußballverband CMFS unterdessen auf Meldungen, laut denen die Prager Polizei aus Deutschland bis zu 1000 gewaltbereite "Problemfans" erwartet. Direkt vor dem Stadion auf dem Moldau-Hügel "Letna" veranstaltet der CMFS am Samstag ein großes Straßenfest für Anhänger beider Lager. Vor fast genau 15 Jahren kam es beim bisher letzten Spiel einer deutschen Nationalmannschaft in Prag (1:1) zu Ausschreitungen von Hooligans. "Wir werden im Notfall mit aller Härte gegen Randalierer vorgehen", warnte die tschechische Polizei am Donnerstag. Spezialteams deutscher Behörden sind bereits seit Tagen an der Moldau aktiv.

Wolfgang Jung/DPA
 
 
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