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Das letzte Tabu

Der spanische Skandal-Arzt Eufemiano Fuentes steht vor Gericht. Er soll nicht nur Radprofis, sondern auch Fußballer versorgt haben. Ist Doping auch in der Bundesliga denkbar?

Von Joel Stubert

  Doping-Kontrolleure im Fußball gibt es vor allem bei den großen Turnieren

Doping-Kontrolleure im Fußball gibt es vor allem bei den großen Turnieren

  • Joel Stubert

Es muss ein anstrengendes Spiel gewesen sein, nach dem der französische Fußballer Emanuel Petit 1999 folgenden Satz sagte: "Es kommt so weit, dass wir alle Doping brauchen. Einige tun es schon jetzt."

Wenige Jahre später kam heraus, dass eine ganze Mannschaft in den neunziger Jahren flächendeckend dopte: Juventus Turin. 281 verschiedene Medikamente hatte Juves Vereinsarzt Riccardo Agricola auf Lager, darunter auch das Blutdopingmittel Epo. Verabreicht wurde es der ganzen Mannschaft, darunter auch an Weltstars wie Petit-Kumpel Zinedine Zidane oder Alessandro Del Piero. Ähnliches lässt ein Video von Fabio Cannavaro (damals Parma) vermuten, der sich am Abend vor dem Uefa-Cup Finale 1999 bestens gelaunt Spritzen setzen ließ.

Der italienische Staatsanwalt Raffaele Guariniello deckte 2004 den bis dato größten Dopingskandal im Fußball auf. Er sagt: "Es ist einfacher, einen geständigen Mafioso zu finden, als einen geständigen Fußballer."

Die "Omertà", das Schweigegesetz der Mafia, findet scheinbar auch Anwendung, wenn es um Doping im Fußball geht. Und so ist es auch nur eine vage Hoffnung, dass Eufemiano Fuentes dieses Schweigen bricht und im derzeit laufenden Prozess in Madrid auch nur ein Wort über Doping im Fußball verliert. 2006 wurde der Spanier von der Polizei in der "Operacion Puerto" festgenommen. Er war eine zentrale Figur im Dopingskandal im Radsport. Doch laut eigener Aussage befanden sich auf seiner rund 200 Namen starken Kundenliste nur zu 30 Prozent Radfahrer.

"Schier unmöglich", sagt Sammer

Vor allem Leichtathleten und Fußballer sollen auf der Liste gestanden haben. Das berichtete zumindest der französische Journalist Stéphane Mandard, der Einblick in Fuentes' Unterlagen bekam. Vom FC Barcelona, Real Madrid und dem FC Valencia spricht er unter anderem. "Es ging um die Medikationspläne für eine ganze Saison", sagte Mandard 2008. Fuentes selbst schwieg zu den Vorwürfen den FC Barcelona auch in der Saison 2005/06 betreut zu haben, als die Katalanen den Champions-League-Titel holten. Er sei mehrfach "mit dem Tode bedroht" worden.

Nachgewiesenes Doping in Italien, schwere Anschuldigungen in Spanien - ist die Bundesliga eine Insel der Glückseligen, um die Doping einen Bogen macht? Bayern-Sportdirektor Matthias Sammer sagte 2011 in einem Interview mit dem Deutschlandradio, dass Doping in der Bundesliga "schier unmöglich" sei, "weil die Kontrollmechanismen viel zu eng sind und deshalb macht es kein vernünftiger Mensch, kein vernünftiger Verein und kein vernünftiger Verband. Das ist so."

Jeder Fußballer ist für sich selbst verantwortlich

In den achtziger Jahren war die Bundesliga scheinbar noch viel unvernünftiger. So schilderte Toni Schumacher 1987 in seinem Buch "Anpfiff" die Situation in der Bundesliga so: "Es gab Nationalspieler, die waren im Umgang mit der 'Stärkungschemie' regelrecht Weltmeister. Unter ihnen ein Münchener Spieler, den wir als 'wandelnde Apotheke' zu bezeichnen pflegten."

Fakt ist: Es spricht einiges dafür, dass es für die Spieler weiterhin genug Anreize gibt, mit verbotenen Substanzen ihre Leistung zu steigern.

Denn im Prinzip ist jeder Fußballer für sich selbst verantwortlich, bekommt für gute Leistungen (Tore, Punkte, Einsätze, Titel) entsprechende Prämien, mit denen er sein Gehalt steigern kann. Hinzu kommt, dass viele Profis wissen, dass sie in ihrer Karriere genug verdienen müssen, um auch danach ein ansprechendes Leben führen zu können. Außer durch Fußball haben einige keine Möglichkeiten, Geld zu verdienen. Soziologen nennen dies "biografische Falle".

"Doping könnte ein Ausweg sein"

Fußball besteht zwar aus vielen Leistungsfaktoren, wovon einige tatsächlich schlecht durch Doping verbessert werden können. Das richtige taktische Verhalten oder die richtigen Laufwege zum Beispiel.

"Dennoch bringt Doping im Fußball etwas", sagt der Biochemiker Dr. Hans Geyer von der Deutschen Sporthochschule Köln stern.de: "Für viele Leistungskomponenten kann man Mittel einnehmen. Zur Steigerung der Ausdauer ist es beispielsweise Epo, um die Regeneration zu beschleunigen, kann man anabole Steroide einnehmen. Und Stimulanzien dienen beispielsweise zur Verbesserung der Wettkampfleistung, sprich zur Erhöhung der Konzentration und psychischen Wachheit."

Gerade eine hohe Ausdauer erlaubt den Spielern am Ende eines Spiels eher, einen kühlen Kopf zu bewahren, schnell und richtig zu agieren und eine Aktion technisch sauber auszuführen. Doping-Experte Perikles Simon sagte in einem ARD-Feature dazu: "Jetzt stellen wir uns mal vor, wir kommen auf die Idee, alle Spieler mit Epo zu dopen. Was würde da passieren? Dann steigt die Ausdauerleistungsgrenze so etwa um 10 bis 15 Prozent mindestens. Diese 10 Prozent Steigerung ist nichts weiter als ein Feldspieler mehr an Laufleistung."

Der freie Journalist Daniel Drepper beschäftigt sich auf seiner Seite fussballdoping.de schon lange mit dem Thema. Er sagt stern.de: "Die Ausdauer ist im Fußball wichtig, die Anforderungen im Fußball sind sehr komplex. Da ist es schwierig, Technik, Taktik und auch noch alle körperlichen Bereiche ausreichend zu trainieren. Um trotzdem zwölf Kilometer pro Spiel zu laufen, häufig im Sprint, könnte Doping ein möglicher Ausweg sein." Das sieht auch Geyer von der DSHS in Köln so: "Da können Trainingsschwerpunkte ganz anders gesetzt werden."

Eher Unachtsamkeiten

Hinzu kämen, so Drepper, die Kontrollen in der Bundesliga. "Die schätze ich schwächer ein, als im Radsport. Wir haben ausgerechnet, dass Fußballer im Testpool der Nada durchschnittlich alle drei Jahre kontrolliert werden." Einzig Nationalspieler werden strenger überwacht. In der Saisonvorbereitung gibt es bisher nur selten Kontrollen. Zudem fehlen bisher Blutkontrollen in der Bundesliga, anders als beispielsweise in England oder Italien. So seien Wachstumshormone und gewisse Arten von Epo (zum Beispiel das auch bei der Tour de France verwendete Cera) in der Bundesliga gar nicht nachweisbar. Auch Geyer hält Blutkontrollen, vor allem aus Abschreckungsgründen, für eine notwendige Sache. "Aber da ist der DFB in Gesprächen mit der Nada."

Im Gegensatz zu Drepper ist Geyer mit den Kontrollen zufrieden. "In kaum einem Verband wird so viel getestet wie im Fußball. Es wird beispielsweise viel auf Epo getestet, das größtenteils durch Urinproben nachweisbar ist. Im DFB werden gute Antidoping-Maßnahmen ergriffen und wird viel präventiv gemacht."

Bei den Vereinen werde zudem auch dafür gesorgt, dass keine "Dopingfallen" entstehen, also das versehentliche Einnehmen von verbotenen Medikamenten ohne böse Absicht. "Die Angst vor positiven Tests ist wegen des Imageverlustes sehr groß, weiß Geyer, "aber andererseits auch der Anreiz, da es um viel Geld geht und der Leistungsdruck enorm hoch ist für die einzelnen Spieler."

Trotz aller Verdachtsmomente: Bisher gab es in der Bundesliga kaum positive Proben. Das könnte einerseits an den mangelnden Kontrollen selbst liegen oder daran, dass wenige Spieler dopen. "Wenn bisher in Deutschland positive Tests gemacht wurden, dann waren es meist schwache Substanzen. Cannabis zum Beispiel steht zwar auf der Liste, hat aber keine leistungssteigernden Effekte. Es sind eher Unachtsamkeiten, als vorsätzliche Leistungssteigerung", erklärt Biochemiker Geyer.

Angesichts der Summen, um die es in der Bundesliga geht und dem ständigen Bemühen darum, das letzte Prozent an Potenzial aus den Spielern zu kitzeln, ist klar: Um bessere Leistungen zu bringen, scheinen viele Mittel recht. Womöglich auch unerlaubte.

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