Zur mobilen Ansicht
Wechseln Sie für eine bessere Darstellung
auf die mobile Ansicht
Weiterlesen Mobile Ansicht
Startseite

Meister der Effizienz

Demütigung für den Branchenprimus: Borussia Dortmund hat im Pokalfinale mit eiskalter Effizienz zugeschlagen und den Doublegewinn perfekt gemacht.

Von Daniel Theweleit, Berlin

Selbst als die Bayern längst besiegt waren und gedemütigt durchs Berliner Olympiastadion schlichen, war die Gier der Dortmunder nicht gestillt. Marcel Schmelzer und Antonio da Silva konnten sich nicht bremsen, sie küssten den Pokal noch vor der offiziellen Übergabe, Mats Hummels baute sich hinter der Trophäe auf und posierte wie ein Superheld. Später sagte Jürgen Klopp ziemlich fassungslos: "Das ist heute nicht in Worte zu fassen, das ist der ungewöhnlichste Augenblick in unserer Geschichte", während die Spieler draußen im vom Himmel herunterfallenden Lametta badeten wie Dagobert Duck in seinen Münzbergen.

Die Dortmunder haben den FC Bayern entschlüsselt, es war der fünfte Sieg in Folge gegen den Rekordmeister, "wir wissen eben wo ihre Schwächen sind und wie wir sie nutzen können", sagte Innenverteidiger Mats Hummels. Es fühlt sich offenbar schon ein bisschen an wie eine Selbstverständlichkeit, die Münchner zu schlagen. Allerdings war diese Partie anders als die vier Siege zuvor.

Bayern mit haarsträubenden Aussetzern

Es war weniger ein Sieg der Dortmunder Strategie in einem zähen Ringen, an diesem Abend haben die Münchner sich vielmehr selber besiegt. "Wir waren über 90 Minuten die bessere Mannschaft, aber wir laden den Gegner durch unsere Fehler immer wieder ein", meinte Philipp Lahm und diese Ansicht teilte kaum einer der Beobachter. Doch einen Funken Wahrheit enthielt die Diagnose: Es waren auch die eigenen Fehler, die die Münchner in die Niederlage trieben. "Es ist peinlich, wenn man 5:2 gegen Dortmund verliert. Ich habe keine Erklärung", sagte Arjen Robben, der immerhin zum zwischenzeitlichen 1:1 getroffen hatte.

Oberflächlich betrachtet ist die Erklärung aber recht einfach: Lahm, Holger Badstuber, Luiz Gustavo, Manuel Neuer und vor allem Jerome Boateng erlaubten sich zum Teil haarsträubende Aussetzer, "das darf uns nächste Woche nicht passieren", meinte Jupp Heynckes im Hinblick auf das große Champions-League-Finale gegen den FC Chelsea. Der Münchner Trainer meinte, Badstuber, Alaba und Gustavo, die drei Profis, die am kommenden Samstag gesperrt sind, hätten einen besonders finsteren Tag erwischt. Vielleicht wollte der erfahrene Trainer die anderen ein bisschen entlasten.

Schaden für das Selbstvertrauen

Fast alle Bayern-Spieler standen an diesem Abend neben sich, die Münchner haben als Kollektiv versagt. Und wer keine schweren Fehler beging, der blieb wirkungslos. Wie Bastian Schweinsteiger, der nach seiner langen Verletzung längst noch keine EM-Form gefunden hat. Und als der dreifache Torschütze Robert Lewandowski zum 4:1 (58.) getroffen hatte, ging es für die Münchner vor allem darum, die Dimensionen des Debakels in einem halbwegs erträglichen Rahmen zu halten.

Denn der Schaden, den das Selbstvertrauen an diesem Abend genommen hat, der ist für die Münchner Klubführung wahrscheinlich der bedrohlichste Aspekt dieses ganz und gar misslungenen Abends. Dieses Finale lieferte den letzten Beweis dafür, wie zerbrechlich der Münchner Glaube an die eigenen Stärken ist. Die vielen Niederlagen gegen haben Spuren hinterlassen, es ist nichts mehr übrig vom stolzen Selbstverständnis des Rekordmeisters. Zumindest, wenn der Gegner Borussia Dortmund heißt.

Sieg durch Effizienz

Und die Dortmunder entwickeln ganz neue Fähigkeiten. Nachdem Klopp während der Saison oft mit einer mangelnden Chancenverwertung haderte, sagte er nun: "Man könnte meinen, wir hätten vier Jahre lang nur deswegen trainiert, damit wir heute mal jeden Ball rein schießen." Auch deshalb war es für die Münchner die schlimmste ihrer nunmehr fünf Niederlagen, denn sie sind mit ihrer eigenen Waffe geschlagen worden: mit Effizienz.

Und weil dieses Duell der Giganten so schön ist und auch künftig eine Menge Spannung verspricht, wurde natürlich auch die Frage gestellt, ob der BVB die Hegemonie der Münchner nun tatsächlich gebrochen habe. Aber auf diese These reagieren sich auch nach dem ersten Double ihrer 103-jährigen Geschichte defensiv. "Was wir in den nächsten Jahren machen, das hängt davon ab, wie wir damit umgehen", sagte Klopp, dann begab er sich ins Berliner ewerk, einer ersten Zwischenstation, bevor am Sonntag in Dortmund die ultimative Doubleparty stattfinden soll.

täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools