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An Scheißtagen wie diesen

Bayern schlägt Schalke, Dortmund blamiert sich gegen den HSV: Die Meisterschaft scheint endgültig entschieden. Vor allem die Art und Weise, wie der BVB verlor, sollte Jürgen Klopp Sorgen bereiten.

Von Klaus Bellstedt

  Rot für Robert Lewandowski: Das war die Schlüsselszene in der Partie zwischen Dortmund und dem HSV.

Rot für Robert Lewandowski: Das war die Schlüsselszene in der Partie zwischen Dortmund und dem HSV.

  • Klaus Bellstedt

Vor der Partie gegen den HSV war Jürgen Klopp noch richtig gut drauf. Die Frage nach dem momentanen Reizthema - also den Gerüchten um einen Wechsel seines Topstürmers Robert Lewandowski - beantwortete Dortmunds Trainer erstaunlich souverän: "Ich finde es normal, dass es bei der Qualität, die Robert verkörpert Interessenten gibt und dass das auch besprochen wird. Für mich ist nur entscheidend, was Robert für einen Eindruck macht. Er ist ruhig und fokussiert auf das, was wir machen."

Ruhig und fokussiert? War Lewandwoski nach gut einer Viertelstunde, als der Angreifer den BVB gegen Hamburg an diesem 21. Spieltag in Führung brachte. Aber in der 31. Minute war es damit vorbei. Lewandowski zog gegen Per Skjelbred voll durch. Der Pole sah für diese überflüssige Aktion völlig berechtigterweise die Rote Karte - es war die entscheidende Situation in diesem Match, das der HSV sensationell - und sehr verdient - in Dortmund gewann.

Zu jenem Zeitpunkt als Lewandowski vom Platz flog, führten die von Trainer Thorsten Fink glänzend eingestellten Hamburger durch die Tore von Artjoms Rudnevs (18.) und Heung Min Son (26.) mit 2:1. In Unterzahl gegen diesen kompakt stehenden und enorm effektiv auftretenden Gegner das Ruder doch noch herum zu reißen, es wurde für den BVB zu einem hoffnungslosen Unterfangen. Und obwohl auch der HSV durch die Hinausstellung von Jeffrey Bruma noch geschwächt wurde, hieß es nach 93 aufregenden Minuten sogar 1:4 aus Dortmunder Sicht. Rudnevs (62.) und Son (89.) trafen nämlich beide je noch einmal. Die ohnehin schon entschiedene Meisterschaft dürfte nach diesem Horror-Ergebnis aus der Sicht des BVB nun erst recht entschieden sein.

Unfassbare 15 Punkte Rückstand auf die Bayern

Borussia Dortmund fand gegen den HSV nie ins Spiel. Besonders das Mittelfeld mit den beiden Jungstars Mario Götze und Marco Reus kam nicht zur Geltung. Der Platzverweis gegen Lewandowski tat schließlich sein Übriges. Ein paar Zahlen: Das 1:4 gegen den HSV war bereits die dritte Heimniederlage in dieser Saison für das Team von Jürgen Klopp. Der BVB gewann nur zwei der letzten sieben Spiele im eigenen Stadion. Das macht momentan in der aktuellen Heimtabelle aller 18 Bundesligisten lediglich Platz neun. Ja, Borussia Dortmund hat die Meisterschaft auch und gerade vor eigenem Publikum verspielt. Das ist schon erstaunlich.

Unfassbare 15 Punkte Vorsprung hat der FC Bayern nach dem lockeren 4:0-Erfolg am Abend gegen Schalke auf die zweitplatzierten Dortmunder. Dabei war der BVB so gut ins neue Fußball-Jahr gestartet. Ein bisschen hatte man das Gefühl, dass vielleicht doch noch was gehen würde. Zumindest schienen die Westfalen nach den drei Siegen zum Auftakt der Rückrunde jederzeit in der Lage, eine Serie hinzulegen und da zu sein, wenn die Bayern dann doch mal schwächeln sollten. So hätte man vielleicht noch mal ein bisschen Druck aufbauen können. Aber jetzt? Ist alles vorbei!

Wochen der Wahrheit

"Wir haben alles versucht und am Ende nichts bekommen. Das müssen wir jetzt so hinnehmen", sagte Jürgen Klopp nach dem bitteren 1:4. Und er ergänzte halb resignierend, halb frustriert: "Leider gehören solche Tage auch dazu, man könnte komplett auf sie verzichten, aber man muss sagen, in einer langen Zeit als Fußballspieler, bleibt es nicht aus, dass man auch solche Scheißtage erlebt." Dass der HSV an diesem Tag einfach nur besser war, kam Klopp erwartungsgemäß nicht über die Lippen. Auch was das Foul von Lewandowski betraf, hatte der Trainer der Borussia eine exklusive Meinung: "Es ist keine klare Geschichte. Robbie sieht den Ball und im letzten Moment sieht er Skjelbred ankommen, deswegen dreht er sich weg. Dann treffen sie sich, aber voll kann er ihn nicht getroffen haben, Skjelbred ist ja gleich wieder aufgestanden." Nun ja, verlieren konnte der Coach noch nie so richtig gut.

Für den BVB hätten die Wochen der Wahrheit mit den beiden Champions-League-Spielen gegen Schachtjor Donezk, zwei schwierigen Bundesligaspielen gegen Eintracht Frankfurt und in Gladbach sowie dem Pokalviertelfinale in München am 27. Februar nicht ungünstiger starten können. Man muss abwarten, wie sich die herbe Heimniederlage und vor allem die Art und Weise ihres Zustandekommens auf die Köpfe der Spieler auswirken wird. Noch kann es eine gute Saison für die Borussia werden. Aber die Zweifel daran sind nach dem 1:4 gegen den HSV eher größer geworden.

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