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Zu schwach für Schalke und Bayern

Dortmunds Niederlage im Revierderby ist doppelt bitter: Die Bayern haben den Abstand auf zwölf Punkte vergrößert, sogar Schalke ist im Moment stabiler. Der BVB stößt aktuell an seine Grenzen.

Von Tim Schulze

  Leise Verzweiflung beim Jungstar: Marco Reus und sein BVB machen gegen Schalke zu viele Fehler.

Leise Verzweiflung beim Jungstar: Marco Reus und sein BVB machen gegen Schalke zu viele Fehler.

  • Tim Schulze

BVB-Trainer Jürgen Klopp war nach der Heimniederlage im Revierderby gegen Schalke 04 restlos bedient. Seine Mannschaft hatte in der ersten Halbzeit so gut wie gar nichts zustande gebracht. Ein Schuss von Marco Reus auf das Tor des Gegners – das war’s. Auch in den zweiten 45 Minuten lief es für den Meister nicht viel besser. Schalke war mit einer 1:0-Führung in die Pause gegangen und schockte die Gastgeber kurz nach Wiederanpfiff mit dem zweiten Treffer. Schalke dominierte und ließ sich auch nach dem Anschlusstreffer nicht aus der Bahn werfen. Das 141. Revierderby hatte am Ende einen verdienten Sieger - und der Ruhrpott eine neue Nummer 1 in Königsblau.

"Die Jungs, die normalerweise vier Leute ausspielen können, sind heute nicht an einem hängen geblieben, sondern schon vorher zusammengebrochen" lautete das harsche Urteil von Klopp über die Leistung seiner Mannschaft. Die Wut des Coaches ist verständlich. Schließlich ist die Niederlage doppelt bitter. Noch in der vergangenen Spielzeit hatte Dortmund den Kontrahenten mühelos geschlagen. Doch jetzt haben sich die Verhältnisse erst einmal gedreht. Dortmund hinkt weit hinter seinen Erwartungen hinterher. Der Abstand auf die Bayern, die mit acht gewonnenen Spielen einen neuen Startrekord aufgestellt haben, ist in der Tabelle auf gewaltige zwölf Punkte angewachsen. Und Schalke liegt ebenfalls mit fünf Punkten vor den Schwarz-Gelben. Was für eine Schmach für viele BVB-Anhänger. Die Schalker Anhänger feiern hingegen schon mal vorgezogene Weihnachten.

Ausfälle nicht verkraftet

Dabei hatte Klopp mit viel Kreativität alles versucht, sein ersatzgeschwächtes Team auf die erwartet starken Schalker einzustellen. Der Trainer ließ seine Spieler in einem ungewöhnlichen 3-5-2-System auflaufen. In der Mitte der Dreierabwehrkette stand Sven Bender zwischen Mats Hummels und Neven Subotic. Man kann sagen: Das ging voll in die Hose. Doch auch als der Coach wieder auf das gewohnte 4-2-3-1-System umgestellt hatte, wurde das Spiel seiner Mannschaft nicht viel besser. Klopp verzweifelte am Spielfeldrand. Jede Systemumstellung bringt eben nichts, wenn die Spieler ihre Leistung nicht abrufen. Insofern ist Klopps Wut zu verstehen, auch wenn er mit seiner Maßnahme einen Teil der Verantwortung trägt.

Aber es bleibt auch eine Tatsache, dass der Meister die zahlreichen Ausfälle diesmal nicht verkraftet hat. Mit Mario Götze und Jakub Blaszczykowski fehlte die Power im Angriff, mit Ilkay Gündogan und Marcel Schmelzer wichtige Stützen für den Spielaufbau und in der Defensive. Im Moment stößt Dortmund auch personell an seine Grenzen. Außerdem kommt am nächsten Mittwoch ein weiterer Gast zu Besuch in den Signal-Iduna-Park, dann geht es in der Champions League gegen Real Madrid. Vielleicht waren einige Spieler in Gedanken schon beim glanzvollen Spiel gegen die Königlichen.

Gefährliche Phase für Dortmund

Die Dortmunder befinden sich in einer gefährlichen Phase. Es wird jetzt darauf ankommen, in der Liga den Abstand auf die Bayern, aber auch auf Schalke und die erneut siegreichen Frankfurter nicht zu groß werden zu lassen. Vom Meistertitel brauchen sie sowieso nicht mehr zu reden. Denn die Konkurrenz steht im Moment prächtig da.

Die Bayern schweben nach ihrem Startrekord über allen, sie dominieren die Liga wie nie zuvor. Ihr Kader ist breiter und hochklassiger besetzt als der der Dortmunder. Die fein austarierte Machtbalance zwischen Jupp Heynckes, Matthias Sammer und Uli Hoeneß funktioniert, inklusive kleiner Erruptionen. Nach zwei Jahren ohne Meistertitel ist vielleicht auch ihr Erfolgshunger größer. Und Schalke? Da ist es schon lange ungewohnt ruhig. Trainer Huub Stevens und Manager Horst Heldt haben eine Mannschaft zusammengestellt, die in dieser Saison zu allem fähig ist. Das beweisen die Leistungen in der Liga und in der Champions League. Nach diesem verkorksten Saisonstart wird es für den BVB schwer, sich zwischen den beiden Konkurrenten zu behaupten.

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