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Steht auf, wenn ihr am Boden seid

Der Hoffenheimer Last-Minute-Sieg reißt Fortuna Düsseldorf in den Abgrund. Schuld sind nicht die Anderen, die Mannschaft war letztlich nicht erstligatauglich. Der Verein aber ist es.

Von Daniel Bakir

  Auf die Niederlage folgt das Entsetzen: Axel Bellinghausens Trauer über den Abstieg der Fortuna.

Auf die Niederlage folgt das Entsetzen: Axel Bellinghausens Trauer über den Abstieg der Fortuna.

Ganz am Ende ereilte die Fortuna auch noch der Schalke-Moment 2001. Ausgelaugt standen die Düsseldorfer Spieler nach dem letzten Schlusspfiff der Saison auf dem Rasen herum und warteten auf das Ergebnis aus Dortmund. Abstiegskonkurrent Hoffenheim lag dort nach zwei späten Elfmetertoren vorne. In der Nachspielzeit dann der Ausgleich durch den BVB, Riesenjubel im Fortuna-Fanblock, für einige Sekunden war Düsseldorf doch nicht abgestiegen. Dann nahm Schiedsrichter Jochen Drees den Dortmunder Treffer zurück – und das Düsseldorfer Entsetzen brach sich Bahn.

"Das war eine vergleichbare Situation wie damals bei Schalke, als sie sich schon für ein paar Minuten als Meister fühlten", sagte Düsseldorfs Trainer Norbert Meier später. Während Schalke vor zwölf Jahren per Fern-k.o. die Meisterschale entrissen wurde, bedeutete die Szene für Fortuna Düsseldorf den fünften Bundesliga-Abstieg. Entsprechend frustriert waren die Fortunen nach dem Drama und enttäuscht über die ausgebliebene Unterstützung der Dortmunder. Routinier Jens Langeneke sagte im TV-Interview, er wisse nun, wem er im Champions-League-Finale die Daumen drücke. Es werden nicht Jürgen Klopps Jungs sein.

So verständlich diese Emotionen unmittelbar nach dem bitteren Ende der Saison sind. Mit etwas mehr Nüchternheit müssen sich die Fortunen eingestehen: Nicht Borussia Dortmund war schuld und auch nicht der Schiedsrichter, der das entscheidende Tor – durchaus umstritten – annulierte. Die Fortuna muss sich einzig und allein an die eigene Nase packen. Sie hatte genug Chancen, die erforderlichen Punkte selbst einzufahren. Doch seit Wochen schleppten sich die zunehmend verzweifelten Fortunen von Spiel zu Spiel, in der Hoffnung es möge am Ende reichen. Es reichte nicht.

Abwärtsstrudel in der Rückrunde

Die letzten zwölf Saisonspiele blieb die Mannschaft sieglos, die letzten fünf gingen alle verloren. Man kann sich kaum vorstellen, wie die Mannschaft in einem möglichen Relegationsduell die verlorene Siegermentalität hätte wiederfinden können. Natürlich hatte Düsseldorf einen der kleinsten Spieleretats der Liga, Hoffenheim etwa hatte dank der Millionen von Mäzen Dietmar deutlich bessere Bedingungen. Die Düsseldorfer Mannschaft war nach dem Chaos rund um den Relegationsaufstieg gegen die Hertha komplett neu zusammengewürfelt. Eine Mischung aus älteren und unbekannten Spielern, dazu der Star-Flop Andrej Voronin.

Doch in der Hinrunde funktionierte dieses Gemisch erstaunlich gut. Erst am sechsten Spieltag kassierte die Mannschaft das erste Gegentor, sammelte insgesamt ordentliche 21 Punkte. In der Rückrunde waren es nur noch neun. Die Mannschaft kämpfte und rannte zwar weiterhin, wirkte aber zunehmend ratlos. Allen voran ihr Trainer Norbert Meier. Vielleicht hätte ein Trainerwechsel der taumelnden Fortuna nochmal einen Schub nach vorne geben können, vielleicht aber auch nicht. Die Qualität des Kaders erwies sich letztlich als nicht ausreichend.

Trost können die Düsseldorfer aus der Tatsache ziehen, dass sich der Verein insgesamt als erstligawürdig erwiesen hat. Ein volles Stadion, begeisterte Fans, Tradition hat der Verein sowieso. Zudem ist er nicht allein abhängig von einem Mäzen wie Dietmar Hopp und wird mit Sicherheit irgendwann in den nächsten Jahren wieder im Oberhaus zu begrüßen sein. Im Vergleich mit der als Plastikklub verschrienen TSG Hoffenheim kann sich die Fortuna zumindest als eine Art Nicht-Absteiger der Herzen fühlen.

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