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Bundesliga-Clubs in Sorge um ihre Stars aus Afrika

Ebola stellt die Bundesliga vor ungeahnte Probleme. Die afrikanischen Profis kehren von Länderspielen zurück - und werden wie rohe Eier behandelt. Afrikas Verband aber hält nichts von zuviel Vorsicht.

Zwischen Nationalelf und Club: Gladbach Ibrahima Traoré nimmt mit der Nationalelf des von Ebola betroffenen Guinea am Afrika-Cup teil - sehr zur Sorge seines Clubs.

Zwischen Nationalelf und Club: Gladbach Ibrahima Traoré nimmt mit der Nationalelf des von Ebola betroffenen Guinea am Afrika-Cup teil - sehr zur Sorge seines Clubs.

Es war eine Aufregung, die sich rasch wieder legte: In Hamburg zeigte am Donnerstagabend ein 17-jähriger Flüchtling aus Sierra Leone Ebola-Symptome. In Afrika, so gab er an, habe er Kontakt mit Erkrankten gehabt. Noch am Abend konnten die Gesundheitsbehörden Entwarnung geben. Vor einem ähnlichen Szenario - und noch vielmehr vor dem Ernstfall einer Ansteckung - fürchten sich derzeit aber Mediziner, die es ansonsten vor allem mit Sportverletzungen zu tun haben: die Mannschaftsärzte der Bundesligaclubs. Dies auch, weil der afrikanische Fußballverband zuletzt wenig Sinn für Vorbeugung zeigte.

Und so haben alle Teamärzte vor dem anstehenden Spieltag jede Menge Mehrarbeit - wegen Ebola. Der Grund: Etliche afrikanische Profis waren für ihre Nationalteams auf dem schwarzen Kontinent im Einsatz und kehren nun zu ihren Clubs zurück. Nicht zuletzt zum Schutz der Teamkollegen werden sie intensiv untersucht. Sowohl der Kongolese Cedric Makiadi, der für Werder Bremen spielt, als auch der Hertha-Stürmer Salomon Kalou (Elfenbeinküste) und Gladbachs Ibrahima Traoré (Guinea) dürfen erst nach einem Medizincheck ins Mannschaftstraining zurückkehren. "Wir stehen natürlich in ständigem Austausch mit unserem Arzt", sagt Berlins Coach Jos Luhukay.

"Sollen wir in Hysterie verfallen?"

"Aber sollen wir deswegen in Vollhysterie verfallen?", fragt Thomas Eichin. Der Werder-Manager mahnt mit Blick auf eine mögliche Ansteckungsgefahr zu Gelassenheit. "Es ist ein blödes Thema und natürlich machen wir uns Gedanken. Aber wir können ja jetzt auch nicht sämtliche Flugzeuge aus Afrika kontrollieren und die Passagiere unter Quarantäne stellen", erklärte er am Donnerstag. Makiadi werde daher zügig ins Mannschaftstraining zurückkehren.

Durch das 3:1 über das von Ebola besonders hart getroffene Sierra Leone hatte sich der 30-Jährige mit der Demokratischen Republik Kongo am Mittwoch für den Afrika-Cup im kommenden Jahr qualifiziert. Auch Kalou und Traoré werden mit ihren Nationen an der Kontinentalmeisterschaft vom 17. Januar bis 8. Februar teilnehmen. Das Turnier in der Winterpause der Liga macht den Vereinsverantwortlichen besonders große Sorgen. Die Ebola-Epidemie wird bis dahin - trotz zuletzt leicht positiver Entwicklung - aller Voraussicht nach nicht abgeklungen sein. "Wir werden Ibrahima nicht verbieten, am Afrika-Cup teilzunehmen. Für ihn ist das ein toller Erfolg", stellt Mönchengladbachs Manager Max Eberl dennoch fest. Luhukay sieht es ähnlich: "Wir haben eine Abgabepflicht, deshalb ist es keine Frage, Kalou zum Afrika-Cup zu entsenden."

Intensiver medizinischer Check

Gladbach hatte als erster Bundesligaclub bereits am vergangenen Sonntag angekündigt, Traoré nach seiner Rückkehr intensiv durchchecken zu lassen. "Sollte bei ihm das geringste Krankheitsgefühl auftreten, bleibt er zu Hause und wird erst weiter untersucht, bevor er wieder zur Mannschaft kann", so Teamarzt Heribert Ditzel im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Der Verein hatte dem Guineaner vorab geraten, lieber nicht zu den abschließenden Qualifikationsspielen zu reisen. Traoré, der Mannschaftskapitän der Nationalelf Guineas ist, wollte jedoch unbedingt für sein Land spielen und lehnte ab.

Dagegen gelang es Borussia Dortmund wegen eines Formfehlers des gabunischen Fußballverbandes (angeblich ging die Einladung zum Länderspiel einen Tag zu spät ein), seinen Angreifer Pierre-Emerick Aubameyang in Deutschland zu halten. Dass der 25-Jährige jedoch freiwillig auf eine Teilnahme an der Afrikameisterschaft im kommenden Jahr verzichten wird, ist unwahrscheinlich. "Wir haben auch eine Fürsorgepflicht gegenüber dem Spieler und der Mannschaft", sagte Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc jüngst der "Bild"-Zeitung. Rechtlich kann der BVB seinen Spieler allerdings nicht an Länderspiel-Teilnahmen hindern. Die Entscheidung liegt letztlich bei Aubayemang.

Marokko muss Afrika-Cup abgeben

Daher sind auch Schalke 04 und der FC Augsburg machtlos, sollten sich Eric Maxim Choupo-Moting (Kamerun) und Abdul Rahman Baba (Ghana) entscheiden, am Afrika Cup teilzunehmen. "Es besteht natürlich eine Abstellungspflicht, wenn der Verband oder der Trainer die Spieler anfordern, müssen sie dahin reisen. Wir sind aber in intensivem und guten Austausch mit Kameruns Trainer Volker Finke", stellt Schalkes Sportvorstand Horst Heldt klar und kündigt eigene Recherechen an: "Wir werden uns schlau machen. Wir werden zuvor mit DFB, DFL, Ärzten und Spielern sprechen. Es ist wichtig, herauszufinden, wie hoch die Gefahr ist. Aber um das abschätzen zu können, dafür ist es noch zu früh." Der FCA will die "empfohlene medizinische Versorgung" Babas fortsetzen, so ein Sprecher mit.

Die Sorge der Bundesligaclubs wird noch verstärkt durch das Verhalten des afrikanischen Fußballverbandes CAF, der für Vorsicht aufgrund der verheerenden Epidemie im Westen des Kontinents wenig Verständnis zeigt. Zwar twittert der Verband Verhaltenstipps und promoted die Kampagne "11 against Ebola", doch für nachhaltige Entscheidungen zeigt er wenig Interesse. Im Gegenteil: Weil der ursprüngliche Gastgeber Marokko sich vehement für eine Verschiebung um ein Jahr eingesetzt hatte, entzog der CAF dem Land verärgert die Ausrichtung und sperrte die Nationalmannschaft kurzerhand für das Turnier. "Wie sollen wir ein solches Event ausrichten, wenn Länder beteiligt sind, die mit einer solchen Epidemie zu kämpfen haben?", hatte Marokkos Sportminister Mohamed Ouzzine immer wieder gefragt. Die Antwort fiel barsch aus: "Der Cup ist während seiner langen Geschichte noch nie verschoben worden. Ebola ist zwar eine Epidemie, die beängstigend ist, aber das Fußballturnier muss deswegen nicht verschoben werden." Die Funktionäre sorgen sich mehr um die vom Turnier abhängende Finanzierung des afrikanischen Fußballs als um die Gesundheit von Spielern und Zuschauern.

Äquatorialguine bisher ohne Ebola-Fall

Nachdem unter anderem Ghana und Südafrika abgewunken haben, ist nun Äquatorialguinea Gastgeber des Afrika Cups 2015. Das Land ergriff offensichtlich die Chance, auf diese Weise doch noch an der Kontinentalmeisterschaft teilnehmen zu können. Da bei den Qualifikationsspielen ein nicht spielberechtigter Spieler eingesetzt worden war, hatte die CAF die Zentralafrikaner eigentlich schon ausgeschlossen. Das spielte nun keine Rolle mehr.

Immerhin: Aus Äquatorialguinea ist bisher kein Ebola-Fall bekannt geworden. Mit den Teams aus Guinea und Mali sind aber zwei Mannschaften aus Staaten dabei, die von Ebola direkt betroffen sind. Hinzu kommen vier weitere Teilnehmer aus Westafrika. Kenner der Verhältnisse beruhigen, dass sich viele Afrikaner Reisen zu den Spielen ohnehin nicht leisten können, eine Einschleppung und Verbreitung von Ebola durch Schlachtenbummler sei daher höchst unwahrscheinlich. Die Bundesligaclubs aber werden trotzdem froh sein, wenn der Cup gespielt ist und ihre Profis hoffentlich gesund und munter zurück sind.

dho/DPA/DPA

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