Die deutsche Nationalmannschaft hat im zweiten EM-Qualifikationsspiel ohne Probleme gegen Aserbaidschan gewonnen. Sogar zwei Abwehrspieler trafen. Bester Mann in Köln war aber Lukas Podolski.

Gab vor "seinem" Kölner Publikum mächtig Gas: Lukas Podolski gelang sogar ein Tor© Friso Gentsch/DPA
Mit dem erwarteten Torfestival gegen Aserbaidschan ist der deutschen Nationalmannschaft ein optimaler Start in die EM- Qualifikation gelungen. Nach dem 6:1 (3:0) am Dienstag in Köln gegen den von Berti Vogts trainierten Außenseiter geht Joachim Löws Auswahl als Spitzenreiter der Gruppe A in das Gipfeltreffen am 8. Oktober im Berliner Olympiastadion gegen die ebenfalls verlustpunktfreien Türken.
In einer einseitigen Partie vor 43.751 Zuschauern sorgten Heiko Westermann (28. Minute), Lukas Podolski (45.), Miroslav Klose (45.+2/90.+1), Räsad Sadiqov (53.) mit einem Eigentor und Holger Badstuber (86.) für die deutschen Treffer. Kaum mehr als ein Schönheitsfehler war das Gegentor durch Vaqif Cavadov (57.) nach Patzer von Torhüter Manuel Neuer.
DFB-Elf trumpfte spielerisch auf
Vier Tage nach dem Arbeitssieg in Brüssel zeigte sich die deutsche
Mannschaft gegen den 105. der Weltrangliste spielerisch wieder von
ihrer Schokoladenseite und schoss das erwartete Schützenfest heraus.
Vor allem Podolski blühte vor heimischem Publikum regelrecht auf und
erhielt wiederholt Szenenapplaus. Der Kölner, der mit seinem 81.
Länderspiel die Marke seines Clubchefs Wolfgang Overath einstellte,
hatte sich Löws Kritik nach dem Belgien-Spiel offenbar zu Herzen
genommen und gab die Antwort auf dem Platz.
Podolski erzielte überlegt sein 41. Länderspiel-Tor, schoss aus allen Lagen und überzeugte zudem als uneigennütziger Vorbereiter - so etwa, als er Klose den Treffer zum 3:0 auflegte. Der Münchner, der vor der Partie nachträglich für seinen 100. Länderspiel-Einsatz während der WM geehrt wurde, war in der Spitze stets anspielbar und rückte mit seinen Toren 54 und 55 im DFB-Trikot wieder ein Stück näher an Gerd Müller (68) heran. Mit seinem 103. DFB-Spiel zog der Münchner zudem mit Fußball-Legende Franz Beckenbauer gleich.
Nur am Anfang war es schwerfällig
Auch wenn im Aufbau gegen die mit Mann und Maus verteidigenden
Gäste hin und wieder die Präzision fehlte, erinnerte die Spielfreude
gelegentlich an den vor Wochen in Südafrika gezeigten Fußball. Nach
anfänglichen Problemen steigerte sich Mesut Özil, auch wenn seinen
Aktionen weiter die ganz große Brillanz fehlte.
Um das erwartete Defensivbollwerk der Gäste über außen knacken zu können, hatte Löw Ersatz-Kapitän Philipp Lahm wieder auf die linke Seite beordert. Rechts kam dafür Sascha Riether anstelle des eigentlich erwarteten Westermann zu seinem Startelf-Debüt und sorgte ebenfalls für viel Druck. Der Neu-Hamburger kam dennoch bereits in der 11. Minute als Innenverteidiger in die Partie, weil Abwehrchef Per Mertesacker nach einem Ellbogencheck von Vaqif Cavadov wegen einer blutenden Kopfwunde nicht weitermachen konnte. Um einen Bruch auszuschließen, wurde der Bremer im Krankenhaus näher untersucht.
Stimmungsvoller Empfang in Köln
Die Fans bereiteten dem deutschen Team im ersten Heimspiel nach
der WM einen stimmungsvollen Empfang, doch auf den erhofften
Angriffswirbel warteten sie zunächst vergeblich. Erst allmählich
streiften Schweinsteiger und Co. den Schock über Mertesackers frühe
Verletzung ab und kamen dank einer Temposteigerung gefährlich vor das
Tor der Gäste. Allen voran Lokalmatador Podolski nahm den Kasten von
Kamran Agayev unter Beschuss. In der 23. Minute zielte der Kölner
knapp über das Gehäuse, wenig später parierte der Keeper von Xäzär
Länkäran einen knallharten Podolski-Schuss (25.).
Dann war Westermann an der Reihe, den es kaum noch hinten hielt. In der 25. Minute kratzte Agayev mit einem Reflex den Kopfball des Ex-Schalkers von der Torlinie. Doch keine 180 Sekunden später gelang dem Eingewechselten mit seinem 3. Länderspiel-Treffer die Führung. Westermann überwand den aserbaidschanischen Schlussmann nach Zuspiel von Klose im zweiten Versuch und jagte den Ball mit der Spitze zum 1:0 unter die Latte. Ein Doppelschlag kurz vor der Pause sorgte bereits für die Entscheidung: Erst traf Podolski nach doppeltem Doppelpass mit Özil, dann legte Klose nach Zuspiel des Kölners in der Nachspielzeit nach.
Auch nach Wiederbeginn kombinierte die Löw-Elf immer wieder nach Herzenslust und schnürte den Gegner förmlich ein. Für den vierten Treffer sorgten die Aserbaidschaner allerdings selbst, indem Sadiqov eine scharfe Hereingabe von Khedira ins eigene Netz lenkte. Unnötig war indes der Gegentreffer von Cavadov, der einen Blackout von Neuer bestrafte und eine Ecke direkt verwandelte. Mit Marko Marin für Müller kam noch einmal frischer Wind ins deutsche Spiel, doch zu mehr als dem fünften Tor durch einen Kopfball von Badstuber, der erstmals im Nationaltrikot traf, reichte es nicht mehr.