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BVB und Schalke im Siegesrausch

Triumphe in der Champions League: Dortmund bezwang im eigenen Stadion Real Madrid und Schalke landete einen Auswärtssieg bei Arsenal London - für beide Clubs ein großer Schritt Richtung Achtelfinale.

Schalke 04 und Borussia Dortmund haben berauschende Erfolge in der Champions League gefeiert. Der BVB setzte sich verdient vor eigenem Publikum mit 2:1 gegen Real Madrid durch und hat mit sieben Punkten die Tabellenführung in der Gruppe D vor den Königlichen übernommen. Auch Revierrivale Schalke feierte mit einem 2:0-Auswärtserfolg bei Arsenal London einen wichtigen Sieg. Die Königsblauen haben in der Guppe B ebenfalls die Tabellenspitze übernommen.

Borussia Dortmund hat endgültig die internationale Reifeprüfung abgelegt. Robert Lewandowski (36.) und Marcel Schmelzer (64.) schossen in einem begeisternden Spiel gegen Real Madrid die Treffer zum BVB-Sieg und ließen die 1:2-Schmach gegen Schalke 04 vier Tage zuvor vergessen. Gegen die phasenweise wie entfesselt aufspielenden Gastgeber war der fünfte Champions-League-Treffer von Cristiano Ronaldo (38.) nach Zuspiel von Mesut Özil für die Königlichen zu wenig.

Das Schalke-Trauma ist vergessen

Madrids Niederlage passte in die schwache Europapokal-Bilanz von Real in Deutschland: Bei nun 24 Auftritten in Deutschland blieb es nur bei einem Sieg. Bitter für die Spanier: Der für sie so wichtige DFB-Nationalspieler Sami Khedira musste mit einer Verletzung am linken Oberschenkel schon nach 20 Minuten raus.

Nach seinem fehlgeschlagenen Experiment gegen Schalke mit einer 3-5-2-Variante setzte Trainer Jürgen Klopp gegen Real wieder auf seine bewährte Taktik mit einer Vierer-Abwehrkette. Begünstigt wurde diese Maßnahme durch die Rückkehr der zuvor verletzten Schmelzer und Mario Götze in die Startelf.

Das Schalke-Trauma schien bei den Dortmundern vergessen zu sein. Nach zehn Minuten fanden sie ins Spiel und knüpften an ihre herausragende Leistung aus dem 1:1 bei Manchester City drei Wochen zuvor an. Schon früh störte Borussia mit ihren Offensiv-Künstlern Lewandowski, Götze und Marco Reus die Spanier in deren Hälfte. Die Kombinationen wurden sicherer, und auch die Deckung hatte vor allem Superstar Cristiano Ronaldo und Karim Benzema meistens im Griff.

Schneller Ausgleich

Nachdem Khedira gegen den wesentlich offensiveren Luka Modric ersetzt werden musste, brauchte Real einige Zeit, um sich neu zu ordnen. Das nutzten die Borussen aus und erspielten sich ein deutliches Übergewicht. Klare Torchancen fehlten zunächst.

Dann folgte aber doch der Lohn ihrer Mühe: Nach einem Fehler von Pepe passte Kehl auf Lewandowski, der Pole ließ Casillas keine Chance (36.). Doch die schwarz-gelbe Glückseligkeit hielt nur zwei Minuten, als Cristiano Ronaldo den Ball über den unnötig rauslaufenen Keeper Roman Weidenfeller ins Tor lupfte.

"Es war ein intensives Spiel. Torchancen gab es aber nur wenig", sagte Bundestrainer Joachim Löw in der Halbzeitpause als interessierter Beobachter und sah auch die Deckung als Schwachpunkt der Gäste: "Da hat Real heute Probleme."

Götze vergibt Riesenchance

Das schien auch Dortmunds Trainer Klopp seinen Spielern gesagt zu haben. Reus, Götze & Co. legten bei ihrem Angriffswirbel noch einmal zu und brachten die ersatzgeschwächte Real-Abwehr einige Male ins Schwimmen. Allein: der Torabschluss fehlte den Gastgebern. Götze (50.) aus elf Metern und Reus mit einem Freistoß Sekunden später hatten die Führung auf den Füßen. Dass Real in der Offensive stark ist, bekamen die Dortmunder kurz danach zu spüren, als Angel di Maria nur knapp das Tor verfehlte.

Es war aber nur ein kurzes Aufblitzen. Dortmund blieb am Drücker und wurde erneut belohnt durch den Treffer von Rückkehrer Schmelzer (64.). Real bemühte sich, doch ihnen fiel erschreckend wenig ein. Auch Mesut Özil blieb als Spielmacher blass. Aufregung gab es im Dortmunder Strafraum nur noch einmal in der 79. Minute, als ein Zuschauer auf den Platz auf Cristiano Ronaldo zulief. Der Fan wurde schnell von den Ordnern abgeführt.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie Schalke gegen Arsenal London gewann.

  Die Zunge raus, die Faust geballt: Schalkes Klaas-Jan Huntelaar feiert mit dem Torschützen Ibrahim Afellay (m.) und Roman Neustädter das Tor zum 2:0.

Die Zunge raus, die Faust geballt: Schalkes Klaas-Jan Huntelaar feiert mit dem Torschützen Ibrahim Afellay (m.) und Roman Neustädter das Tor zum 2:0.

Der FC Schalke 04 hat seine beeindruckende Leistung beim heimstarken FC Arsenal mit einem Big Point belohnt. Klaas Jan Huntelaar (76.) und Ibrahim Afellay (86.) schossen die Königsblauen am dritten Champions-League-Spieltag zum hochverdienten 2:0 (0:0) in London und damit an die Tabellenspitze der Gruppe B. Vier Tage nach dem 2:1-Derbysieg in Dortmund belohnte sich das Team von Trainer Huub Stevens am Mittwochabend vor 60.049 Zuschauern im ausverkauften Emirates Stadium mit dem ersten Sieg auf der Insel für die vielleicht beste Saisonleistung.

Mit jetzt sieben Zählern hat Schalke seine Ausgangsposition für den Achtelfinal-Einzug deutlich verbessert und blieb im sechsten Pflichtspiel in Serie ungeschlagen. Die "Gunners", als Stammgäste in der Königsklasse zum 15. Mal in Folge in der Gruppenphase dabei, sind mit sechs Punkten Zweiter. Am 6. November empfängt Schalke Lukas Podolski, Per Mertesacker und Co. zum Rückspiel. "In der zweiten Halbzeit haben wir gemerkt, dass nach vorne mehr geht und wir haben verdient gewonnen. Arsenal hatte keine einzige echte Torchance", kommentierte Mittelfeld-Mann Roman Neustädter. "Das ist absolut traumhaft, Derby gewonnen, in London gewonnen, gute Woche", schwärmte Schalkes Halb-Engländer Lewis Holtby.

Noch berauscht vom Sieg über Dortmund

Berauscht vom Revierderby, vertraute Stevens bereits zum dritten Mal in Folge der gleichen Anfangsformation. Marco Höger durfte als Stabilisator vor der Abwehr erneut für Jermaine Jones ran, Lars Unnerstall bekam im Tor den Vorzug vor Timo Hildebrand. Der Tabellenneunte der Premier League hatte in der ersten Hälfte keine Betriebsanleitung gegen die kompakte, gut organisierte Defensive der Schalker, die mit hoher Laufbereitschaft und diszipliniertem Raumverhalten keine einzige Gelegenheit zuließen. Bei den eigenen Offensivbemühungen hatten die Königsblauen überraschend viel Platz - der letzte Pass war aber zu oft zu unpräzise.

Die ersatzgeschwächten Gastgeber, bei denen neun Akteure, darunter die ersten beiden etatmäßigen Torhüter, verletzungsbedingt fehlten, waren trotz gefälligem Kurzpassspiel wenig effektiv und zu berechenbar in der Vorwärtsbewegung. In der 14. Minute forderten die 04-Akteure Elfmeter, als Afellay vom zweiten Ersatzkeeper Vito Mannone gefoult wurde - stattdessen zeigte Schiedsrichter Jonas Eriksson dem Niederländer gelb wegen einer vermeintlichen Schwalbe.

Arsenals Coach Arsène Wenger, der wegen Schiedsrichter-Kritik in der vergangenen Champions League-Saison ein Spiel gesperrt von der Tribüne aus beobachten musste, schaute ungläubig. So harmlos hatte er seine Truppe lange nicht mehr erlebt. In der 43. Minute hatte sein Team Riesenglück: Nach einem Rückpass von Atsuto Uchida vergab Huntelaar aus zehn Metern die größte Chance der ersten Hälfte. "Ein gut geführtes Spiel von uns. Nach vorne würde ich mir mehr Entschlossenheit wünschen. Wir gehen zu leichtfertig mit unseren Möglichkeiten um", analysierte Schalkes Manager Horst Heldt.

Schalke spielt zeitweise wie eine Heimmannschaft

Die Schalker schienen sich so sicher und souverän zu fühlen, dass sie zeitweise wie eine Heimmannschaft auftraten. Vor allem über die rechte Seite wurde es über das Duo Uchida und Jefferson Farfan immer wieder gefährlich. Nach einer schönen Einzelaktion von Farfan knallte der starke Benedikt Höwedes dessen Hereingabe aus zehn Metern übers Tor (50.). Dem 13-maligen englischen Meister fiel wenig ein. Podolski bemühte sich, blieb aber blass. Nach dem enttäuschenden, weil unnötigen 2:2 am letzten Spieltag gegen Montpellier und dem 2:1 zum Auftakt bei Olympiakos Piräus machte es Schalke diesmal besser. Huntelaar und Afellay besiegelten mit den längst überfälligen Toren die Heimpleite der Londoner. Erst in der Nachspielzeit musste Unnerstall gegen den eingewechselten deutschen Teenager Serge Gnarby erstmals richtig eingreifen.

stu/DPA/DPA

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