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Wolfsburg demütigt Hannover - Ingolstadt verpasst Heimsieg

Hannover 96 hat die nächste bittere Niederlage in der Bundesliga einstecken müssen. Wenige Tage nach dem Hoffnungsschimmer von Stuttgart setzte es für die Niedersachsen eine harte Derbypleite. Ingolstadt verpasste unterdessen eine wichtige Chance zum Klassenerhalt.

Wolfsburg trifft auf Hannover

Hannovers Iver Fossum (r.) und der Wolfsburger Josuha Guilavogui kämpfen um den Ball.

Dank einer unverhofften André-Schürrle-Show hat der VfL Wolfsburg im Niedersachsen-Derby die zarten Hoffnungen auf eine Aufholjagd von Hannover 96 im Kampf gegen Abstieg erstmal erstickt. Beim 4:0 (1:0) am Dienstagabend sorgte der zuletzt dauer-formschwache Weltmeister mit drei Toren fast im Alleingang für die gerade mal zweite Pleite Hannovers in den vergangenen neun Derbys.

Durch Schürrles Dreierpack (36. Minute/59./62) und Julian Draxlers Schlusspunkt (69.) meldete sich das Team von Trainer Thomas Hecking am Dienstag im Rennen um die Europapokalplätze zurück. Mit nun 34 Punkten nach 24 Spielen bleibt Wolfsburg zwar auf Platz acht, könnte aber am Mittwoch von möglichen Patzern der Konkurrenz um die Europapokalplätze profitieren.

Für den Tabellenletzten Hannover scheint das 2:1 in Stuttgart am Samstag dagegen nur eine Eintagsfliege gewesen zu sein. Mit der zehnten Heimspielpleite in dieser Saison stellte 96 einen negativen Clubrekord auf. Vor dem Duell am Samstag beim direkten Konkurrenten Werder Bremen beträgt der Abstand zu den Nicht-Abstiegsplätzen mindestens sechs Zähler.

Hannovers Trainer Thomas Schaaf hatte nach dem umjubelten Sieg in Stuttgart - dem ersten Dreier nach zuvor acht Niederlagen am Stück - sein Team unverändert gelassen. In der Abwehr stand der Tabellenletzte mit einer dichten Fünferkette auch zunächst sicher, blieb aber in der Offensive vollkommen harmlos. Erst in der zweiten Halbzeit brachen bei den Hausherren die Dämme.

Bis zur Führung stießen die Wolfsburger mit ihren Offensivbemühungen immer wieder an ihre Grenzen. Wenn es für Hannovers Keeper Ron-Robert Zieler gefährlich wurde, dann entweder über Standards oder Einzelaktionen, wie bei Draxlers Schuss nach 26 Minuten oder einem von Luiz Gustavo gefährlich verlängerten Dante-Kopfball nach einer Ecke (29.).

Ausgerechnet Matchwinner Schürrle agierte dabei meist wie ein Fremdkörper, verarbeitete zehn Minuten vor der Pause dann aber eine Draxler-Vorarbeit stark zur verdienten Führung. Mit seinem Schuss ins lange Eck ließ er Weltmeister-Kollege Zieler keine Chance.

Für die Hausherren ging nach vorne kaum etwas. Nur wenn Hiroshi Kiyotake seine Klasse aufblitzen ließ, versprühte das schwächste Heimteam des Liga etwas Gefahr. Insgesamt war es aber deutlich zu wenig, um den vermeintlichen Aufwärtstrend nach dem Stuttgart-Spiel zu bestätigen. Nach der Pause entsschied Schürrle mit seinem Doppelschlag endgültig das Spiel. Im 34. Bundesligaspiel für Wolfsburg gelangen dem zuletzt arg kritisierten Weltmeister seine Tore drei bis fünf für den Pokalsieger. Unangenehm in Erinnerung dürfte das Spiel für beide Clubs wegen einiger Wolfsburger Anhänger bleiben, die vor der Partie mehrfach Pyrotechnik zündeten - eine Leuchtrakete landete dabei direkt auf der 96-Bank.

Ingolstadt 1:1 gegen Köln

Die Tor-Minimalisten des FC Ingolstadt haben einen vorentscheidenden Schritt zum Klassenerhalt verpasst, beim unglücklichen 1:1 (1:0) gegen den 1. FC Köln ihr Punktekonto aber weiter aufgebessert. Trotz großer Überlegenheit musste sich der Neuling aus Oberbayern am Dienstagabend gegen harmlose Rheinländer mit einem Remis begnügen, kann dem Schlussspurt in der Fußball-Bundesliga mit nun 31 Punkten allerdings relativ gelassen entgegenblicken. Die Kölner wendeten trotz einer weitgehend biederen Vorstellung ihre dritte Niederlage in Serie gerade noch ab, warten aber schon seit sechs Partien auf einen Dreier in der Fremde.

Mit seinem dritten Tor im dritten Spiel nacheinander sorgte Stürmer Lukas Hinterseer (36. Minute) vor 14 503 Zuschauern noch vor der Pause für Ingolstädter Glücksgefühle. Wie aus dem Nichts bescherte Anthony Modeste (71.) mit seinem elften Saisontor den erst zum Schluss aufdrehenden Kölnern einen äußerst glücklichen Punktgewinn.

Die Mannschaft von Ralph Hasenhüttl präsentierte sich knapp 70 Minuten lang läuferisch wesentlich stärker, entschlossener und abschlussfreudiger. Den ohne Nationalspieler Jonas Hector (Oberschenkelblessur) angetretenen Gäste fiel im Vorwärtsgang dagegen lange nichts ein. Das Umschaltspiel blieb auch wegen gleich vier etatmäßigen Innenverteidigern in der Startelf holprig, erst nach Modestes Treffer gestaltete Köln die Partie ausgeglichen.

Zwei ordentliche Szenen verbuchten die Gäste dennoch schon in der Anfangsphase: Nach sieben Minuten verpasste Yannick Gerhardt vor den Augen von Nationalmannschafts-Co-Trainer Thomas Schneider eine Bittencourt-Flanke knapp, kurz darauf verfehlte Stoßstürmer Modeste aus 14 Metern. Ramazan Özcan, der diesmal im FCI-Tor wieder den Vorzug vor Ørjan Nyland erhalten hatte, musste nicht eingreifen. Die Ingolstädter verteidigen hoch, übten permanent Druck auf die Kölner aus. Wie gewohnt waren Hasenhüttls Profis fast immer in Bewegung, rochierten viel vorne viel. Chancen blieben selten. Erst spät in Halbzeit eins steigerten die Gastgeber ihre Effektivität.

33 Minuten waren gespielt, als Matthew Leckies Schuss aus 23 Metern knapp am linken Pfosten vorbeisauste. Drei Minuten später sorgte dann Hinterseer für Jubel im Sportpark: Eine feine Kombination über Pascal Groß und Danny da Costa vollendete der Österreicher aus kurzer Distanz, Timo Horn im Kölner Tor blieb chancenlos. Es war zugleich das erste FCI-Tor nach der Winterpause, das aus dem Spiel heraus fiel. Allen sechs bisherigen Treffern der Oberbayern im neuen Jahr waren Standardsituationen vorausgegangen.

Nach der Pause steigerten die Rheinländer ihre Offensivbemühungen. Spielerisch blieb's zwar problematisch, was die Kölner da präsentierten, aber es war erfolgreicher: Quasi aus dem Nichts kamen die Gäste zum Ausgleich. Einen Versuch von Marcel Risse ließ Özcan abprallen, im zweiten Versuch kam Risse per Kopf erneut an den Ball, gab ihn weiter zu Modeste. Und der Angreifer netzte ein. Kurz vor Schluss hätte Gerhardt mit einem Schlenzer fast sogar zum 2:1 getroffen (76.) - letztlich blieb's aber beim Unentschieden.

amt/DPA
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