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Stuttgart siegt klar, der BVB sehr spät

Was für eine erste Europa-League-Runde: Die drei deutschen Teams haben zusammen elf Treffer erzielt. Während Bayer Leverkusen und der VfB Stuttgart deutlich siegten, musste Borussia Dortmund trotz vier Tore bis zur 92. Minute um drei Punkte zittern.

  Harter Kampf: In der Ukraine hätte sich der BVB fast mit einem Unentschieden zufrieden geben müssen

Harter Kampf: In der Ukraine hätte sich der BVB fast mit einem Unentschieden zufrieden geben müssen

Youngster Mario Götze hat Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund zum Auftakt der Europa League zum Sieg geschossen. Der 18-Jährige erzielte in der Nachspielzeit (92.) den entscheidenden Treffer zum 4:3 (2:1)-Erfolg beim ukrainischen Vertreter Karpaty Lwiw. Bei seinem ersten Auftritt in einem internationalen Wettbewerb feierte das Team von Trainer Jürgen Klopp damit auch eine gelungene Generalprobe für das Revierderby am kommenden Sonntag bei Schalke 04.

Selbstbewusst traten die Dortmunder im Hexenkessel des mit 28.051 Zuschauern ausverkauften Ukrajina-Stadion zunächst auf und gingen durch einen Foulelfmeter von Nuri Sahin in der 12. Minute in Führung, bevor Götze (27.) zum 2:0 traf. Den Anschlusstreffer für die Gastgeber erzielte Oleg Golodjuk (44.), den Ausgleich Michailo Kopowez (52.) und Denis Koschanow (78.) die Führung für Karpaty. Lucas Barrios traf in einer spannenden Schlussphase zum Ausgleich (87.), dann kam der große Auftritt von Götze.

Kehl mit Oberschenkelverletzung

Das Gastspiel in Lwiw, nahe der polnischen Grenze, begann mit einer Hiobsbotschaft. Kapitän Sebastian Kehl erlitt beim Aufwärmen eine Oberschenkelverletzung und musste in der Kabine bleiben. Für ihn rückte Sven Bender in die Anfangsformation. Damit wird Kehl auch im Revierderby in Schalke fehlen. Nach dem Anpfiff stand zuerst Torhüter Roman Weidenfeller im Blickpunkt, als er schon nach drei Minuten einen Flachschuss von Batista bravourös parierte. Die Gastgeber versuchten, den BVB von Beginn an schon im Mittelfeld zu attackieren und Angriffsdruck aufzubauen. Nach etwa zehn Minuten fand jedoch die Mannschaft von Jürgen Klopp ihren Rhythmus und bekam das Spiel in den Griff.

Beim ersten zielstrebigen Angriff spielte Götze den Argentinier Barrios frei, der vom herauslaufenden Torhüter Andrej Tlumak im Strafraum von den Beinen geholt wurde. Den fälligen Elfmeter wuchtete Sahin unhaltbar zur 1:0-Führung unter die Latte. Ohne größere Probleme hielten die Borussen in dieser Phase die aggressiv, aber allzu durchsichtig agierenden Ukrainer in Schach und inszenierten selbst gefährliche Konter. Schließlich war es Götze selbst, der einen sehenswerten Angriff nach einer Vorlage von Barrios aus kurzer Distanz in der Manier eines Routiniers zum 2:0 abschloss. Allerdings musste der BVB noch vor dem Halbzeitpfiff den ersten Gegentreffer durch Golodjuk hinnehmen, der eine Unstimmigkeit zwischen Torhüter Weidenfeller, Mats Hummels sowie Neven Subotic nutzte.

Die Vorstellung des BVB in der ersten Halbeit entschädigte die mitgereisten Dortmunder Fans für eine beängstigende Situation am Nachmittag in der Innenstadt, als 300 von ihnen von etwa 800 "Ultras" aus Lwiw angegriffen wurden. Es sollen unter anderem auch Leuchtraketen abgefeuert worden sein. Zwei Dortmunder Anhänger wurden verletzt.

Pech für Sahin

Mit dem Rückenwind des Anschlusstreffers begann Karpaty die zweite Halbzeit. Mit Disziplin und auch Glück überstand Dortmund die erste Phase. So bedurfte es eines katastrophalen Ballverlustes von Hummels zum Ausgleich von Kopolowez. Nach 70 Minuten kam auch die Borussia wieder besser ins Spiel zu Chancen. Pech hatte Sahin, der mit einem Freistoß aus 25 Metern nur die Latte traf. Im Gegenzug und in dieser Phase aus heiterem Himmel nutzte Kozschanow einen Konter zum 3:2.

Bei den Borussen konnten besonders Matchwinner Götze sowie Barrios gefallen. Auffälligster Akteur der Ukrainer war Torschütze Kopolowez.

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  Gestatten: Cacau - Torschütze zum 1:0 gegen Bern

Gestatten: Cacau - Torschütze zum 1:0 gegen Bern

Nach dem Katastrophenstart in der Bundesliga hat der VfB Stuttgart zum Europa League-Auftakt die Trendwende eingeleitet: Der Tabellenletzte bezwang den Schweizer Vize-Meister Young Boys Bern dank einer Leistungssteigerung in Halbzeit zwei verdient mit 3:0 (1:0). Vor nur 15.000 Zuschauern in der Baustelle Mercedes Benz-Arena trafen Nationalspieler Cacau per Foulelfmeter (23.), Christian Genter (59.) und Serdar Tasci (91.).

Nach drei Pleiten in den ersten drei Liga-Spielen und einer deutlichen VfB-Schaffenskrise waren die harmlosen Berner ein willkommener Aufbaugegner. In nur knapp 41 Stunden muss sich gegen Borussia Mönchengladbach zeigen, was dieser Sieg wert war

Ein rundum gelungener Tag für Tasci

"Das war sehr wichtig. Wir wollten früh in Führung gehen, aber noch wichtiger war, dass wir spritziger und aggressiver waren", analysierte Cacau. Auch für Last-Minute-Torschütze Tasci Pech hatte Sahin,. "Es war wichtig, dass wir endlich gewonnen haben. Und ich habe mich gefreut, dass wir zu Null gespielt haben", erklärte er, "wir haben jetzt alle drei Tage ein Spiel. Wir hatten viele Zu- und Abgänge, die Mannschaft wird sich jetzt von Spiel zu Spiel einspielen."

Der unbedingte Wille war von der ersten Sekunde an spürbar. Mit kollektiver Aggressivität und hoher Laufbereitschaft bemühten sich die Schwaben, Druck aufzubauen. Gentner scheiterte in der elften Minute noch am Außennetz - zwölf Minuten später durften die VfB-Fans erstmals jubeln. Nach einem Foul von Alain Nef am laufstarken Russen Pawel Pogrebnjak verwandelte Aushilfs-Kapitän Cacau den fälligen Elfmeter glücklich zum 1:0.

Totale Entkrampfung fehlte

Die große spielerische Leichtigkeit oder die totale Entkrampfung stellten sich damit aber noch längst nicht ein. Die Gastgeber, bei denen der gelbgesperrte Timo Gebhart und die verletzten Philipp Degen und Johan Audel fehlten, hatten mehr vom Spiel, aber keine zwingenden Chancen. Die Gäste schienen vom Schock des vergangenen Wochenendes noch immer gelähmt zu sein, als Verteidiger Emiliano Dudar nach einer Gehirnerschütterung in ein künstliches Koma versetzt worden war. Dudar konnte die Intensivstation inzwischen wieder verlassen.

Stabilität oder gar Ruhe konnte allerdings auch der VfB vor der Pause nicht anbieten. Das Halbzeitlob von Sportdirektor Fredi Bobic klang sehr beschönigend: "Die Jungs haben sich gut verkauft. Wir führen zurecht 1:0. Entscheidend ist, dass wir weiter aggressiv in die Zweikämpfe gehen." Seine Profis taten ihm den Gefallen - und packten auch spielerisch eine Schippe drauf.

Auf einmal lief der Ball - ganz anders als beim 1:2 in Freiburg. Pogrebnjak vergab einen Hochkaräter (52.), Cacaus Abseitstor wurde zurecht nicht gegeben (53.), aber Gentner veredelte einen VfB-Konter zum 2:0 (59.). Neuzugang Mauro Camoranesi hatte bei seinem durchwachsenen Heimdebüt für den VfB den Tempogegenstoß mit einem Hackenpass auf Cacau eingeleitet, der Nationalspieler Kollegen Gentner maßgerecht ins Szene gesetzt.

Stuttgarter Herbstdepressionen verschwunden

Spätestens jetzt schienen die Stuttgarter vorerst ihre Herbstdepressionen vertrieben zu haben. Camoranesi, Weltmeister mit Italien 2006 und kurz vor Transferschluss von Juve gekommen, traf nur den Außenpfosten (62.). Daniel Didavi zog am langen Pfosten vorbei (65.), bei Martin Harniks Schlenzer fehlten nur Zentimeter (70.) und dann hatte erneut Camoranesi noch zweimal die Entscheidung auf dem Fuß (75.). Tasci gelang beim ersten Schritt aus der Krise in der Nachspielzeit noch zum 3:0. Der nervöse VfB-Keeper Sven Ulreich, der vor allem bei der Strafraumbeherrschung einige Schwächen offenbarte, musste dagegen im gesamten Spiel nur bei Nefs Schuss (67.) ernsthaft eingreifen.

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  Rot-schwarze Jubelmasse: Leverkusen mit Einbahnstraßen-Fußball gegen Trondheim

Rot-schwarze Jubelmasse: Leverkusen mit Einbahnstraßen-Fußball gegen Trondheim

Auch ohne Superstar Michael Ballack hat Bayer Leverkusen dank einer Tor-Gala von Patrick Helmes ein glänzenden Europacup-Einstand gegeben. Der Torjäger avancierte in seinem ersten Europacupspiel mit drei Treffern beim 4:0 (2:0) gegen den norwegischen Serienmeister Rosenborg Trondheim zum Auftakt der Europa League zum Matchwinner. Mit dem überraschend deutlichen Sieg rehabilitierte sich die ersatzgeschwächte Bayer-Mannschaft damit eindrucksvoll für die zuletzt schwachen Leistungen in der Bundesliga.

60. Sieg im 140. Europacup-Spiel

Neben Helmes (4., 58. und 61.) war vor 13.065 Zuschauern in der BayArena außerdem Stefan Reinartz (38.) erfolgreich. Die Werkself feierte damit den 60. Sieg im 140. Europacup-Spiel der Vereinsgeschichte und darf dem Gastspiel bei Titelverteidiger Atletico Madrid in zwei Wochen beruhigter entgegensehen.

Dabei musste Heynckes im Mittelfeld nahezu sein letztes Aufgebot aufbieten. Neben Ballack (Fraktur des Schienbeinkopfes) fehlte auch Spielmacher Renato Augusto (Patellasehnenverletzung). Außerdem kam der Schweizer Nationalspieler Tranquillo Barnetta nach seiner fiebrigen Infektion für die Startelf noch nicht in Frage und Kapitän Simon Rolfes (Reha nach Knorpelschaden) muss sich mit seinem Comeback noch gedulden.

Doch die Jungen machten im so wichtigen ersten Spiel der Europa League ihre Sache gut. Insbesondere Ballack-Ersatz Lars Bender wusste den Nationalmannschaftskapitän gut zu vertreten. Auch Sidney Sam sorgte auf der rechten Seite für Schwung und im Sturmzentrum präsentierte sich Helmes wie zu besten Tagen. War der Angreifer nach einem Kreuzbandriss in der Vorsaison nicht in Tritt gekommen, sorgte er in dieser Saison stets für Gefahr, gegen Rosenborg markierte er bereits seine Pflichtspiel-Treffer Nummer fünf bis sieben.

Bayer musste wenige brenzlige Situationen überstehen

Die Rheinländer hatten nach dem frühen Helmes-Tor gegen die keineswegs sattelfeste Abwehr der Norweger viele gute Chancen, um die Führung auszubauen. So setzte Gonzalo Castro den Ball nach Zuspiel von Eren Derdiyok knapp über das Tor (9.), außerdem scheiterten Renato-Ersatz Nicolai Jörgensen (19.) und Helmes (24.) am Rosenborg-Schlussmann Daniel Örlund. Aber auch Bayer hatte einige brenzlige Situationen zu überstehen. So musste Schlussmann Rene Adler zweimal gegen Per Ciljan Skjelbred (11.) und Steffen Iversen (16.) parieren.

Im zweiten Durchgang knüpften die Leverkusener an die guten ersten 45 Minuten an und zeigten phasenweise Einbahnstraßen-Fußball. Nachdem Derdiyok bereits in der 49. Minute die Chance zum 3:0 hatte, machte Helmes in der 58. Minute alles klar, als er Örlund aus spitzem Winkel düpierte. Drei Minuten später war der Torjäger wieder zur Stelle, als er nach einer Flanke von Daniel Schwaab seinen dritten Treffer erzielte. Zuvor hatte Sam Pech mit einem Lattenschuss (60.).

Bei den Leverkusenern verdienten sich Helmes und Sam die Bestnoten. Auf Seiten der Norweger, die in der heimischen Meisterschaft noch ungeschlagen sind, wusste allenfalls Anthony Annan zu gefallen.

SID/DPA/DPA

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