Erst in letzter Minute hat sich Hannover das 3:2 gegen Helsingborgs gesichert. Auch die derzeit unbezwingbaren Leverkusener haben vorzeitig die Zwischenrunde der Europa League erreicht.

Überlegen: Mönchengladbachs venezolanischer Mittelfeldspieler Juan Arango (l.) kontert Marseilles brasilianischen Verteidiger Lucas Mendes aus© Boris Horvat/AFP
Dank Matchwinner Szabolcs Huszti überwintert Hannover 96 zum zweiten Mal in Serie in der Europa League. Der Ungar rettete dem Fußball-Bundesligisten mit seinem Elfmeter-Tor in der 90. Minute einen letztlich glücklichen 3:2 (1:0)-Heimerfolg gegen Helsingborgs IF. Mame Diouf (3. Minute/49.) hatte die Niedersachsen vor 33.200 Zuschauern zuvor schon mit zwei Kopfballtoren 2:0 in Führung gebracht, ehe Nikola Djurdjic (59.) und Alejandro Bedoya (67.) es noch einmal spannend machten. Hannover behauptete mit dem dritten Sieg im vierten Spiel die Tabellenführung in Gruppe L und steht damit sicher in der Zwischenrunde.
Auch die derzeit unbezwingbaren Leverkusener haben vorzeitig die Zwischenrunde der Europa League erreicht. Die Bayer-Elf gewann ihr viertes Match gegen Rapid Wien mit 3:0 (1:0) und behauptete damit die Tabellenführung der Gruppe K. Jens Hegeler (4. Minute), André Schürrle (53.) und Manuel Friedrich (66.) schossen die Rheinländer vor 19. 842 Zuschauern zum ungefährdeten Sieg.
ür die seit zwölf Pflichtspielen ungeschlagene Werkself - das einzige Team im Wettbewerb noch ohne Gegentreffer - steht nun am 22. November bei den ebenfalls frühzeitig qualifizierten Ukrainern von Metalist Charkow das Match um den Gruppensieg an. Charkow machte am Donnerstag durch ein 3:1 gegen Rosenborg Trondheim alles klar. Für Schürrle ist Metalist "klar der stärkste Gegner der Gruppe", aber "wir wollen die Gruppe und damit nun auch in der Ukraine gewinnen".
Die Pflichtaufgabe gegen die limitierten Österreicher meisterte der Tabellenvierte der Fußball-Bundesliga ohne zu glänzen und sparte dabei auch Kräfte für die nächsten Partien. "Wir haben über weite Strecken keine gute Leistung gezeigt", kritisierte Trainer Sascha Lewandowski, räumte aber zugleich ein, dass sich seine Schützlinge nach den so anstrengenden Wochen ein derartiges Spiel verdient habe. Die Qualifikation für die nächste Runde "darf uns aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir eine ganze Menge falsch gemacht haben".
Juan Arango hat Borussia Mönchengladbach mit einem Last-Minute-Treffer die große Chance auf das Weiterkommen im Wettbewerb gewahrt. In der dritten Minute der Nachspielzeit sorgte der Offensivakteur am Donnerstagabend für das kaum noch für möglich gehaltene 2:2 (1:0) bei Olympique Marseille, wodurch das Team von Trainer Lucien Favre den Einzug in die K.o.-Phase selbst in der Hand hat. Mit einem Sieg gegen AEL Limassol könnten die Borussen im nächsten Heimspiel bereits das Überwintern im internationalen Wettbewerben perfekt machen - wenn Marseille zugleich gegen Fenerbahce Istanbul verliert.
Mike Hanke hatte den Fußball-Bundesligisten in Führung gebracht (20. Minute), doch eine deutliche Leistungssteigerung der Franzosen nach der Pause und die Tore von Joey Barton (54.) sowie Jordan Ayew (67.) drehten vor rund 15.000 Zuschauern das Match. Aber Arango mit einem satten Schuss ließ die Gäste doch noch jubeln (90.+3).
Vor allem über die rechte Angriffsseite von Patrick Herrmann hatte Gladbach anfangs überzeugt und das Führungstor eingeleitet. Benoit Cheyrou vertändelte den Ball im Strafraum gegen Arango, der sofort in die Mitte spielte, wo Hanke nur noch einschieben musste. Drei Tage nach seinem 29. Geburtstag jubelte er über sein zweites Saisontor - und Favre über ein glückliches Händchen: Nach fünf Spielen hatte er den Stürmer erstmals wieder von Beginn an gebracht.
Fast hätte Hanke vor der Pause noch einen draufgesetzt, nach einem tollen Dribbling ignorierte er beim Konter aber zwei besser postierte Mitspieler und schoss den Ball weit am Tor der Hausherren vorbei. Dass die Gladbacher im Stade Velodrom als Auswärtsteam antraten, war bei milden Mittelmeer-Temperaturen zumindest akustisch lange nicht zu erkennen. In der großteils leeren Arena waren die rund 3000 mitgereisten Borussen-Anhänger vor der Pause deutlich tonangebend.
Dass die heimischen Anhänger lange schwiegen, lag an der Vorstellung ihrer Elf, die in Halbzeit eins unsicher auftrat und nur bei Standard gefährlich wurde: In der 15. Minute fehlten Zentimeter zum 1:0, als Loic Remys Kopfball nach Fehler von Marc-André ter Stegen erst auf der Linie von Oscar Wendt geklärt wurde.
Nach der Pause kostete ein ter-Stegen-Patzer Gladbach die Führung, und wieder brachte ein Eckball den Nationaltorhüter in Verlegenheit, als Barton alle narrte und das Leder direkt von der Eckfahne über den sich vergeblich streckenden Borussen-Schlussmann ins Netz zirkelte.
Mit dem Tor kaufte das Team von Coach Elie Baup Mönchengladbach den Schneid ab, Ayew mit einem sehenswerten Schuss in den Winkel ließ die wenigen Fans in weiten Rund wieder jubeln. Doch dieser Jubel reichte nicht bis zum Schlusspfiff, sondern nur bis Arango zuschlug.
Der VfB Stuttgart hat seine Chancen auf das Weiterkommen in der Europa League schlagartig verbessert. Vedad Ibisevic (76. Minute) und Martin Harnik (90.+2) sicherten dem Fußball-Bundesligisten mit ihren Toren zum 2:0 (0:0) beim FC Kopenhagen am Donnerstag den ersten Sieg im vierten Gruppenspiel.
Dank des etwas glücklichen Punkte-Dreiers verbesserte sich das Team von Trainer Bruno Labbadia auf Tabellenplatz zwei der Gruppe E und hat in den verbleibenden zwei Partien den Einzug in die K.o.-Runde in der eigenen Hand. "Das ist super für uns. Wir haben es uns aufgrund der zweiten Halbzeit auch verdient", urteilte VfB-Sportdirektor Fredi Bobic.
Den Schwaben war trotz des jüngsten Aufwärtstrends der gehörige Druck anzumerken. Der Bundesliga-Zehnte fand zunächst keine Linie, es fehlte oft an der Abstimmung und an Ideen für die Offensive. Die Hereinnahme von Shinji Okazaki als zweiter Stürmer neben Ibisevic machte sich zunächst nicht bezahlt. Stattdessen sicherte sich der dänische Rekordmeister durch seine solide Grundordnung und sein abgeklärtes Spiel nach vorn zu Beginn leichte Vorteile.
Folgerichtig hatten die Gastgeber die erste dicke Chance: Andreas Cornelius kam in der 15. Minute völlig frei im Strafraum zum Schuss, weil die VfB-Abwehr kurz die Orientierung verlor. Doch Keeper Sven Ulreich rettete. Im Gegenzug setzte Ibrahima Traore dann das erste Achtungszeichen der Gäste, als er von halblinks knapp verzog.
Echte Höhepunkt aber blieben auch danach Mangelware. Im Angriff ließen beide Teams die nötige Präzision vermissen. Als Harnik bei einem Konter der Stuttgarter plötzlich viel Platz hatte, strich sein Flachschuss aus 17 Metern am rechten Pfosten vorbei (35.).
Kurz darauf zeigten die VfB-Anhänger ihre hässliche Seite, als sie durch das Zünden von Feuerwerkskörpern eine Unterbrechung erzwangen. Bengalos flogen auf das Spielfeld, Rauchschwaben waberten über den Rasen. "Da sind einige dabei, die wollen es nicht begreifen, die haben auch in einem Fußballstadion nichts zu suchen. Dafür müssen wir uns schämen", klagte Bobic. Seinem Club droht nun eine Strafe.
Die beiden Mannschaften hatten hingegen auch nach dem Seitenwechsel vorerst keine Knalleffekte zu bieten. Die Stuttgarter kamen zwar zu Chancen durch Ibisevic (47.), Okazaki (54.) und Christian Gentner (61.), zeigten aber lange nicht die von Coach Bruno Labbadia geforderte Effizienz. So musste Schlussmann Ulreich sein Team im Spiel halten. In der 60. Minute klärte er bei einer Flanke gerade noch vor Cornelius. Fünf Minuten später hatte er Glück, als ein Kopfball von Thomas Delaney knapp das VfB-Tor verfehlte.
Schließlich erlöste Ibisevic die Stuttgarter. Der Bosnier verlängerte eine feine Flanke des eingewechselten Arthur Boka per Kopf zur Führung ins Netz. In der Nachspielzeit machte dann Harnik mit einem satten Schuss alles klar.
© 2013 stern.de GmbH