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Monströs und sympathisch

Noch drei Wochen bis zum Saisonstart, und die Bayern sind schon jetzt in beängstigender Frühform. Dank Pep Guardiola flutscht es - trotz Änderungen im System und neuer Spieler. Arme Konkurrenz.

Von Klaus Bellstedt

  Schon wieder in Feierlaune: die Bayern-Spieler Ribéry, Robben und Müller (v.l.n.r.)

Schon wieder in Feierlaune: die Bayern-Spieler Ribéry, Robben und Müller (v.l.n.r.)

  • Klaus Bellstedt

Es war nur ein Vorbereitungsturnier, aber es war beeindruckend: Drei Wochen vor dem Start in die neue Bundesliga-Saison hat der FC Bayern beim Telekom Cup in Mönchengladbach ein erstes fettes Ausrufezeichen gesetzt und der Konkurrenz durch zwei glanzvolle Auftritte das Fürchten gelehrt. Bemitleidenswerte Hamburger und einen Tag später auch Gladbacher wurden nacheinander abgefiedelt und mussten insgesamt neun Tore fressen.

Natürlich haben auch die ganz genau hingeschaut, die am Wochenende nicht beim Telekom Cup dabei waren. Was blieb, waren große Augen und offene Münder. "Jetzt haben sie einen Kader, wie es ihn noch nie bei den Bayern gab. Das sind keine Top 11, keine Top15 - das sind 22 Top-Spieler", sagte zum Beispiel Rudi Völler, Sportdirektor vom Vorjahres-Dritten Bayer Leverkusen. Völler fügte in der "Bild" resignierend hinzu: "Das ist schon erdrückend für die anderen Clubs." Wohl wahr.

Die Bayern präsentieren sich in diesen Tagen fast schon beängstigend lässig. Alles läuft wie am Schnürchen. Und das, obwohl vieles neu ist beim Champions-League-Sieger. Man muss sich das mal vorstellen: Da kommt mit Pep Guardiola ein neuer Trainer. Einer, der innerhalb kürzester Zeit das System umstellt und plötzlich auch mal mit fünf Offensivakteuren - darunter Philipp Lahm (!) - spielen lässt. Ganz nebenbei installiert dieser Trainer darüber hinaus mit Thiago Alcántara im defensiven Mittelfeld einen Neuzugang auf der wichtigen Sechserposition. All das tut der Spielfreude keinen Abbruch. Im Gegenteil: Es flutscht schon wieder wie zu Heynckes-Zeiten. Bedenkt man jetzt noch, dass Mario Götze und Bastian Schweinsteiger ihre Debüts unter Guardiola noch gar nicht gefeiert haben, kann einem, muss einem, als Gegner schon mal angst und bange werden.

Der Boss ist Pep

Auch der weiter gewachsene Konkurrenzkampf ist für die Mannschaft kein Problem. Im Gegenteil. "Das spornt jeden an und treibt uns noch mehr an", sagt Arjen Robben im "Kicker". Der Stolz, für diesen Club und unter diesem Trainer arbeiten zu dürfen, erscheint momentan jedenfalls größer als Missgunst und Neid. Gelingt es Guardiola, diese belebende Gefühl dauerhaft in den Köpfen seiner Spieler zu verankern, werden die Bayern auch in der neuen Saison nicht zu stoppen sein.

Die vom neuen Coach angestrebten und zum Teil schon ausprobierten Veränderungen werden von der Mannschaft begrüßt. "So bleibt man wach. Man lernt dazu, und das ist immer gut", so Robben. Gerade nach den Erfolgen der vergangenen Saison sei der neue Stil von Guardiola wichtig. "Er erfrischt uns. Wenn er den gleichen Weg gehen würde, dann könnte es schnell sein, dass man in eine Lethargie verfällt, weil man denkt, ja, das hat letzte Saison funktioniert, also machen wir so weiter."

Nie überheblich

Und was sagt der Trainer? "Wir sind zufrieden. Wir haben gut gespielt, aber es sind noch wenige Dinge zu verbessern. Jeder Spieler, egal wer auf dem Platz steht, hat eine gute Einstellung. Das ist das Wichtigste für mich", sagte Guardiola nach den deutlichen Erfolgen vom Wochenende. Dass wegen des Überangebots an Stars Probleme aufkommen werden, erwartet er nicht, "wenn die Spieler akzeptieren, dass ich der Boss bin". Das tun sie. Uneingeschränkt. Und sie akzeptieren auch, dass – anders als unter Heynckes – der Trainer der Star ist.

Pep Guardiola hat es innerhalb von nur drei Wochen Training geschafft, der Mannschaft eine neue Philosophie zu verpassen, neue Reizpunkte zu setzen und dabei selbst locker und bescheiden zu bleiben. "Ich bin dem FC Bayern dankbar, dass er mir eine so gute Mannschaft gegeben hat", sagte der 42-Jährige nach dem 4:0-Sieg gegen den Hamburger SV im Halbfinale des Telekom Cups. Bei Guardiola ist nie auch nur ein Anflug von Überheblichkeit zu spüren, stattdessen wirkt er eigentlich immer charmant und freundlich. Keine Frage: Der neue Trainer macht die Bayern irgendwie sympathisch. Auch das noch.

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