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Der Trainer für alles

Pep Guardiola tritt in München die Nachfolge von Trainer Jupp Heynckes an. Die Bayern senden mit dem Coup ein Signal: Sie wollen den Weltfußball ähnlich dominieren wie derzeit der FC Barcelona.

Von Maik Rosner, München

In New York ist Josep Guardiola ein Niemand, und offenbar hat ihm das sehr gut gefallen. In der Mensa der Columbia Universtät, so wird erzählt, lässt sich Guardiola nach seinen Vorlesungen zuweilen entspannt zum Mittagessen nieder. Oft kommt er zudem mit dem Fahrrad zur Uni, von seiner Mietwohnung am Central Park. Manchmal geht er auch einfach bummeln. Was ein Gaststudent eben so tut in Manhattan.

Im Sommer ist es mit der Anonymität für Guardiola wieder vorbei. Am 1. Juli tritt der ehemalige Trainer des FC Barcelona die Nachfolge von Jupp Heynckes, 67, beim FC Bayern an. Das gaben die Münchner am Mittwochnachmittag bekannt. "Pep Guardiola ist einer der erfolgreichsten Trainer der Welt und wir sind sicher, dass er nicht nur dem FC Bayern, sondern auch dem deutschen Fußball viel Glanz verleihen kann“, sagte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge stolz.

Guardiola, den alle nur Pep nennen, hat beim deutschen Renommierklub einen Dreijahresvertrag bis zum 30. Juni 2016 unterschrieben. Heynckes wird sich nach Ablauf seines aktuellen Arbeitspapiers am Ende der Saison aller Voraussicht nach in den Ruhestand verabschieden. Im Mai wird er 68 Jahre alt. Am Freitag, an seinem 42. Geburtstag, wird Guardiola bereits in München erwartet. Möglicherweise schaut er seiner künftigen Mannschaft sogar schon beim Rückrundenauftakt am Samstag gegen die SpVgg Greuther Fürth in der Arena zu.

Der begehrteste Trainer des Planeten

Den Bayern ist mit der Verpflichtung Guardiolas ein zwar nicht mehr überraschender, aber dennoch bemerkenswerter Coup gelungen. Denn Guardiola war der begehrteste Trainer des Planeten, besonders in der englischen Premier League drängelten sich die Interessenten. Dass sich auch die Münchner um den Katalanen bemühen, war seit einem ersten Kontakt des ehemalige Sportdirektors Christian Nerlinger vor gut eineinhalb Jahren bekannt. Zuletzt mehrten sich die Gerüchte, der Spanier sei sich mit den Bayern einig, trotz anderer Angebote, die deutlich lukrativer gewesen sein sollen. Ein Jahresgehalt von 22 Millionen Euro soll der FC Chelsea geboten haben.

Das Rennen hat dennoch der selbsternannte Familienklub FC Bayern gemacht und damit ein starkes Signal gesendet. Nicht allein die Rückkehr an die nationale Spitze nach den zwei titellosen Jahren, in denen Borussia Dortmund die Münchner mehrfach gedemütigt hatte, haben sie sich zum Ziel gesetzt. Ganz offensichtlich streben sie mit all ihrer wirtschaftlichen Macht nun gleich eine ähnliche Dominanz im Weltfußball an wie sie Guardiolas ehemaliger Klub, der FC Barcelona, derzeit ausübt.

Vom Trainer der Reserve war Guardiola dort 2008 zum Chefcoach aufgestiegen. Vier Jahre lang vermittelte der frühere Nationalspieler die Perfektion des schnellen Offensivspiels, mit dem der FC Barcelona Fußballfans auf der ganzen Welt verzückte. In den letzten drei Jahren gewann Guardiola mit Barca 14 Titel, darunter zweimal die Champions League. Im Sommer hatte er sich dann nach New York in sein Sabbatical verabschiedet.

Die Münchner wollen jetzt alles

Nun soll Guardiola beim deutschen Renommierklub eine ähnliche Ära prägen und dem FC Bayern dazu verhelfen, den europäischen Vereinsfußball zu dominieren. Die Münchner, so lässt sich die Verpflichtung Guardiolas deuten, wollen jetzt alles. Mehr Anspruch geht nicht. Ganz nebenbei wurde der Verein auf zwei entscheidenden Positionen binnen eines halben Jahres komplett neu aufgestellt. Im Sommer war bereits der ehemalige Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes, Matthias Sammer, als Sportvorstand für den entlassenen Nerlinger verpflichtet worden. Mit Spannung wird nun die Zusammenarbeit von Sammer und Guardiola erwartet.

Heynckes dagegen soll am Saisonende mit möglichst vielen Titeln und vor allem ehrenvoll verabschiedet werden. "Wir würden uns sehr freuen, wenn die Mannschaft diesem großen Trainer den verdienten glanzvollen Abschied schenken würde. Als adäquater Nachfolger für Jupp Heynckes kam nur ein Trainer vom Kaliber eines Pep Guardiola in Frage“, sagte Präsident Uli Hoeneß. Es war eine erste große Schmeichelei für seinen Kumpel, weitere werden folgen. Eigentlich hatte sich der aktuelle Coach selbst erklären wollen.

Der neue Trainer wird bis zum Sommer wohl häufiger in München vorbeischauen, und er könnte sein neues Zuhause durchaus auch mit dem Rad erkunden, zumindest anfangs. Auf Kommilitonen, die während eines Seminars heimlich Dortmund gegen Real Madrid schauen, muss Guardiola dann allerdings verzichten. Das ist noch so eine Anekdote aus New York, die gerade erzählt wird. Der ehemalige Trainer des FC Barcelona soll dem Mitstudenten übrigens zugeflüstert haben, er halte zu den Gelben.

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