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9. September 2010, 11:29 Uhr

Schwul - und rausgeschmissen

Weil er homosexuell ist, hat ein französischer Fußballverein seinen Spieler Yoann Lemaire vom Spielbetrieb ausgeschlossen - nach 14 Jahren Vereinszugehörigkeit. Der Protest ist enorm.

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14 Jahre beim FC Chooz, nun ausgeschlossen: Yoann Lemaire© AFP

Die Verbannung eines homosexuellen Fußballspielers aus dem Team eines Amateur-Vereins lässt in Frankreich die Wellen der Empörung hochschlagen. Die Schwulen-Organisation "Paris Foot Gay" (PFG) beantragte am Mittwoch beim Nationalverband FPF in Paris deshalb die Bestrafung des FC Chooz. Der Club aus der kleinen Gemeinde an der Grenze zu Belgien hatte den Abwehrspieler Yoann Lemaire vor wenigen Tagen nach 14-jähriger Clubzugehörigkeit vom Spielbetrieb ausgeschlossen, weil der Abwehrmann Gay ist. "Ich wollte doch nur mit meinen Freunden Fußball spielen", sagte Lemaire, der als erster bekennender homosexueller Spieler Frankreichs bekannt wurde und auch ein Buch zum Thema veröffentlichte.

Die FPF-Ethik-Kommission müsse der Fußballwelt nun zeigen, dass Homophobie "genau so schlimm ist wie Rassismus oder Antisemitismus", forderte PFG. Auch Sport-Staatssekretärin Rama Yade hatte sich zuvor für Maßnahmen gegen Chooz ausgesprochen. Der Verein entgegnete, man habe den verbannten Spieler vor Problemen mit seinen bisherigen Teamkameraden schützen wollen. Einige Spieler von Chooz hatten sich tatsächlich bei TV-Interviews im vergangenen Jahr negativ über Homosexualität geäußert.

"Tief getroffen"

Der betroffene Spieler erklärte, er sei von der Entscheidung des Vereins "tief getroffen". Der 28-Jährige aus der Region Champagne-Ardenne im Nordosten Frankreichs fügte an, er habe noch nicht entschieden, ob er gerichtliche Schritte einleiten solle. "Wozu soll das gut sein? Ich will aber, dass die Ministerien, der Verband und Paris Foot Gay gemeinsam die Homophobie bekämpfen", sagte Lemaire.

Homosexualität ist nicht nur im französischen Fußball immer noch ein Tabu. "Paris Foot Gay" stellt nach eigenen Angaben die erste Fußball-Mannschaft auf, in der homo- und heterosexuelle Spieler offiziell in einem Team spielen. Die Organisation kämpft offen gegen Diskriminierung von Schwulen und erstellte eine Charta gegen Homophobie, die bislang allerdings nur von wenigen Ligue-1-Clubs (darunter Paris Saint-Germain, AJ Auxerre und OGC Nizza) unterzeichnet wurde.

DPA/sid/kbe
 
 
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