Spielt Adler? Was folgt auf eine Niederlage?

14. November 2012, 14:18 Uhr

Im letzten Länderspiel des Jahres tritt die DFB-Auswahl am Abend gegen Holland an. Wer ersetzt Klose? Darf Adler ins Tor? Und was ist, wenn Löws Truppe vergeigt? Das müssen Sie vor dem Spiel wissen. Von Klaus Bellstedt, Amsterdam

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Marco Reus könnte gegen die Niederlande erstmals als zentraler Stürmer auflaufen©

Versöhnlicher Jahresabschluss oder neue Unruhe? Das letzte Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft in 2012 am Abend in Amsterdam gegen die Niederlande hat trotz der Absageflut von gleich acht Stammkräften eine hohe Bedeutung. Der Eindruck, den das 4:4 gegen Schweden hinterlassen hat, muss korrigiert werden. Es geht um die Stimmung rund um die DFB-Auswahl. Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten zum Prestigeduell mit Oranje.

1. Gomez und Klose sind verletzt. Wer spielt vorne im Angriff?
Da deutet alles auf einen Einsatz von Marco Reus hin. Löw kopiert mit dieser Maßnahme die beste Mannschaft der Welt. Die Spanier spielen immer wieder mal ohne gelernten Mittelstürmer. Cesc Fabregas, eigentlich ein klassischer Spielmacher, muss dann in der Spitze ran. Schon im Mai während des Trainingslagers der Nationalelf auf Sardinien strengte der Bundestrainer in Sachen "Stürmer Reus" Gedankenspiele an: "Ihn würde ich gerne mal ganz vorne sehen." Mit seinen technischen Fertigkeiten sei der schnelle Reus "im Kombinationsspiel auch anspielbar in der letzten Linie", begründete Löw das Planspiel. Jetzt wird es wohl soweit sein. Theoretisch kommt zwar auch Lukas Podolski für diese Position in Frage, aber wirklich nur wenn gar nichts mehr geht. "Natürlich kann er vorne spielen, auch wenn ganz vorne in der Spitze nicht unbedingt seine Idealposition ist. Es ist für morgen möglich und denkbar, aber ich glaube, dass es dauerhaft nicht seine Position ist", sagt Löw. Thomas Müller wäre ein weiterer Kandidat, wird aber dringend auf der rechten Seite gebraucht. Die Zeit ist also reif für Tarnkappenstürmer Reus.

2. René Adler steht wieder im Aufgebot. Wird er gegen Holland sogar im Tor stehen?
Mal so formuliert: verdient hätte er es. Adler ist seit Wochen in überragender Verfassung. Der HSV hat seine Mittelfeldplatzierung in der Bundesliga vor allem ihm zu verdanken. 2010 gegen Schweden stand Adler zuletzt im Tor der Nationalmannschaft. Es folgte eine lange Leidenszeit bedingt durch schwere Verletzungen. Der Keeper flog deshalb aus dem DFB-Kader. Manuel Neuer rückte in der Hierarchie auf, bewährte sich und ist (noch) die klare Nummer eins. Von Joachim Löw. Gegen Schweden beim verrückten 4:4 lieferte Neuer allerdings eine katastrophale Leistung ab. Für Adler ist die Situation komfortabel. Er weiß um die eigene Stärke, ist zurück im Kreis und kann Neuer ganz genau beobachten. Auch in der Öffentlichkeit genießt der Torwart eine hohe Anerkennung. Trotzdem ist Adler klug genug, jetzt keine Ansprüche anzumelden. Sein Traum, wieder Stammtorhüter des DFB-Teams zu werden, lebt freilich weiter: "Er ist noch da, aber etwas verschüttet", sagt Adler im neuen stern. Joachim Löw wusste am Dienstag noch nicht, ob er seinem Comeback-Keeper gegen Holland gleich wieder Einsatzzeit schenken soll. "Ob man 45 Minuten Adler, 45 Minuten Neuer bringen kann, darüber muss ich mit Andi Köpke noch einmal sprechen. Vielleicht geben wir René Adler auch die Möglichkeit, in einem der nächsten Spiele über 90 Minuten zu spielen." So wird es sein. Adler erlebt sein Comeback auf der Bank. Dass es der Bundestrainer überhaupt in Erwägung gezogen hat, Adler nach seiner Wiederberufung spielen zu lassen, noch dazu im Klassiker gegen Holland, ist erstaunlich genug.

3. Wird Löw wegen der vielen Absagen gegen Holland Experimente wagen?
Marco Reus als Stürmer ist ein Experiment, Ilkay Gündogan und Lars Bender als Duo im defensiven Mittelfeld ein weiteres. Die beiden springen für Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira ein. Das ist nicht ohne Risiko. Gündogan hat erst drei Länderspiele auf seinem Konto, Bender kam auch erst zehn Mal im A-Team zum Einsatz. Damit gehören die beiden genauso wie Benedikt Höwedes (9) zu den unerfahrensten Spielern in der Startelf. Höwedes bekommt gegen Holland mal wieder auf der rechten Abwehrseite eine Chance. Auch das ist ein Experiment. Ansonsten vertraut Löw auf altbewährte Kräfte: Zentral hinter Reus wird Mario Götze auflaufen, auf den Seiten sind Podolski und Müller gesetzt. Innen in der Viererkette räumen Per Mertesacker und Mats Hummels ab. Kapitän Philipp Lahm verteidigt links. Die beiden Nationalmannschaftsdebütanten Roman Neustädter und Sebastian Jung sind nicht für die Nationalelf vorgesehen. Dafür erhält Nachrücker Lewis Holtby von Beginn an eine Chance.

4. Nur mal angenommen Deutschland vergeigt gegen Holland deutlich. Was passiert dann mit Löw?
Nichts! Aber: Er hätte wieder ein Stückchen von seinem Kredit verspielt. Die Diskussionen um seinen Schön-Spiel-Stil würden wieder hochkochen. Kritiker würden ihn nun mindestens bis zum nächsten Länderspiel im Februar 2013 gegen Frankreich mit der Frage nerven, warum er nicht endlich die richtige Balance in seiner Mannschaft findet und die Probleme in der Defensive in den Griff bekommt. Zusammengefasst: Die gesamte Stimmung rund um die Nationalmannschaft, die nach dem 4:4 gegen Schweden kurzeitig wieder im Keller war, würde bei einer Niederlage nun anhaltend mies bleiben. Was besonders für den Trainer Gift wäre. Löw stünde fortan unter noch größerer Beobachtung, seine Arbeitsbedingungen würden sich verschlechtern. Es ehrt Löw, dass er sich vor der Partie in Amsterdam nicht über die vielen Ausfälle beklagt hat. Im Umkehrschluss heißt das aber auch, dass er eine eventuelle Niederlage gegen Holland darauf nicht schieben darf. Für Joachim Löw gab es schon mal angenehmere Länderspiele zum Jahresausklang …

5. Was ist eigentlich von den Holländern zu erwarten?
Viel! Auch wenn sich die Mannschaft im Umbruch befindet. Seitdem Louis van Gaal im Sommer sein Amt als Bondscoach angetreten hat, geht es für die „Elftal“ bergauf. Der Trainer experimentiert personell und taktisch zwar viel, aber die Ergebnisse sprechen für sich. Nach vier Siegen in vier Spielen (2:0 gegen die Türkei, 4:1 in Ungarn, 3:0 gegen Andorra, 4:1 in Rumänien) führen die Niederlande die WM-Qualifikationsgruppe D souverän an. Van Gaal ist unglaublich ehrgeizig, besonders wenn es gegen Deutschland geht. Hinzu kommt, dass Oranje unbedingt eine historische dritte Niederlage in Serie gegen Deutschland verhindern will. Drei Pleiten am Stück gab es zuletzt vor 46 Jahren. Es darf also auch ohne die verletzten Starspieler Robin van Persie und Wesley Sneijder mit energischen Angriffen gerechnet werden. Die Offensivpower ist auch ohne die beiden immer noch beachtlich: Rafael van der Vaart, Arjen Robben, Ibrahim Affelay und Klaas Jan Huntelaar stehen dafür mit ihren Namen.

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