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Die beste Liga der Welt? Von wegen!

Die Bundesliga wird schon bald die beste Liga der Welt sein. Wie oft hat man diesen Satz in letzter Zeit gehört? Aber stimmt er auch? Es gibt einige Indizien, die dagegen sprechen.

Von Maximilian Koch

  Die Dortmunder Mario Götze (r.) und Robert Lewandowski stehen für Qualitätsfußball. Doch wie ist es um den Rest der Liga bestellt?

Die Dortmunder Mario Götze (r.) und Robert Lewandowski stehen für Qualitätsfußball. Doch wie ist es um den Rest der Liga bestellt?

  • Maximilian Koch

Der vergangene Spieltag war mal wieder so ganz nach dem Geschmack von Felix Magath. Der ehemalige Trainer von Hamburg, Nürnberg, Bremen, Frankfurt, Stuttgart, Bayern, Wolfsburg und Schalke wird ja nicht müde zu betonen, wie toll er das findet, was in der Fußball-Bundesliga Woche für Woche passiert. Dass die Teams qualitativ so nah beieinander liegen, dass im Prinzip jeder jeden besiegen kann. "Ich bin schon länger der Meinung, dass die Bundesliga stärker ist als die Premier League", zieht Magath gerne den Vergleich zur englischen Top-Liga. "Zumindest, was die Breite betrifft."

Nun ist ja unbestritten, dass sich Magath in der Breite der Liga auskennt. Fast alle Clubs hat er trainiert. Aber die Breite – was bedeutet das eigentlich? In Bezug auf die Bundesliga ist das relativ leicht zu erklären. Man muss sich nur nüchtern die Ergebnisse anschauen. Da gewinnt am Samstag der Tabellensechzehnte Augsburg, der nach der Hinrunde schon als sicherer Absteiger galt, beim Sechsten HSV. Eine Woche zuvor hatten sich die Hamburger noch in Stuttgart durchgesetzt und den Anschluss an die Champions-League-Plätze geschafft. Und gerade mal gut einen Monat ist es her, da fegte der HSV Borussia Dortmund in dessen eigener Arena 4:1 vom Platz. Drei Spieltage später gab es dann ein 1:1 gegen Greuther Fürth, und hinterher fragte sich jeder, ob nun Fürth oder doch eher der HSV den letzten Platz in der Tabelle verdient.

Spricht Ausgeglichenheit für Qualität?

Blickt da noch jemand durch? Und: Spricht es wirklich für die sportliche Klasse einer Liga, wenn ein Großteil der Mannschaften zuverlässig zwischen sehr guten und sehr schlechten Leistungen pendelt? Die Vertreter der Magath-Position führen gerne an, dass so für Spannung gesorgt sei. Doch das trifft – zumindest in dieser Saison – nicht zu. Die Meisterfrage ist längst geklärt, auch die Positionen zwei und drei und damit die sichere Qualifikation für die Champions League dürften fest an Dortmund und Leverkusen vergeben sein. Ähnlich sieht es am Ende des Tableaus aus: Fürth ist nicht mehr zu retten, um den Relegationsplatz streiten Hoffenheim und Augsburg.

Und der Rest? Der bewegt sich zwischen Platz vier, der zur Relegationsrunde um die Teilnahme an der Champions League berechtigen würde, und Platz 15, der gerade so den Klassenerhalt bedeuten würde. Nur zehn Punkte liegen zwischen Eintracht Frankfurt (4.) und Fortuna Düsseldorf (15.). Und betrachtet man die gezeigten Leistungen der vergangenen Wochen, kommt man zu dem Schluss, dass beide Teams eigentlich auf Augenhöhe agieren. In einem direkten Aufeinandertreffen wäre Fortuna aktuell sogar leichter Favorit.

Spannung ja, internationale Erfolge nein

Was die Spannung angeht, kann sich die Bundesliga zumindest damit trösten, dass es in den anderen europäischen Top-Ligen nicht viel besser aussieht: In Spanien steuert der FC Barcelona bei 13 Punkten Vorsprung auf Real Madrid ungefährdet dem 22. Meistertitel entgegen. In England führt Manchester United souverän vor dem Stadtrivalen City (15 Zähler). Und in Italien zweifelt niemand daran, dass Juventus Turin seinen 9-Punkte-Vorsprung auf Neapel verteidigt und den zweiten "Scudetto" in Folge gewinnt.

Alles gut also? Liegt Magath doch richtig? Leider nein. Denn in der Europa-League, die wohl als wichtigster Gradmesser für "Breite" dienen dürfte – schließlich spielen dort jene Mannschaften, die es nicht ganz in die Spitze ihrer Liga geschafft haben – sucht man im Viertelfinale vergeblich nach einem deutschen Vertreter. Im Achtelfinale hat sich der VfB Stuttgart als letzter Bundesliga-Club verabschiedet, in der Runde zuvor waren bereits Leverkusen, Mönchengladbach und Hannover ausgeschieden. Stattdessen haben jetzt noch drei englische Teams die Chance auf den Titel. Wie war das nochmal mit der Premier League, der Bundesliga und der Breite?

Starke Spitze, schwache Breite

Indirekt hat Magath mit seiner These aber doch recht. In der Champions League repräsentieren Bayern und Dortmund die Stärke des deutschen Fußballs. Beide Clubs können den Titel in der Königsklasse gewinnen. Sie stehen für höchstes europäisches Niveau und stellen zudem den Großteil der deutschen Nationalmannschaft. Das erhöht zweifellos die Attraktivität der Bundesliga, ebenso wie ausverkaufte Stadien und finanzielle Seriosität.

Über die sportliche Qualität der Liga sagen diese Punkte aber nichts aus. An der spanischen Primera Division hat man jahrelang bemängelt, dass Barca und Real dem Rest meilenweit voraus sind. Die Spannung würde so verloren gehen. In der Bundesliga ist eine ähnliche Entwicklung zu erwarten. Starke Spitze, schwache Breite – vielleicht kommt auch Felix Magath irgendwann zu diesem Schluss.

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