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Hoffenheim zerlegt HSV - Labbadia vor dem Aus?

Nach dem 1:5-Debakel in Hoffenheim droht dem Hamburger SV in der nächsten Saison die Zuschauerrolle auf europäischer Bühne - und Trainer Labbadia das endgültige Aus. Im zweiten Sonntagsspiel verschafften sich die Freiburger mit einer kompakten Leistung gegen Wolfsburg wieder etwas Luft im Abstiegskampf.

Durch die höchste Saisonniederlage ist der Bundesligazug nach Europa für die Hanseaten zwei Spieltage vor Saisonende bei fünf Punkten Rückstand auf Platz sechs abgefahren. "Wir sind chancenlos, uns über die Bundesliga für Europa zu qualifizieren. Das ist natürlich ein bitterer Saisonverlauf", sagte Vorstandschef Bernd Hoffmann. Zu allem Überfluss sah der in der 56. Minute eingewechselte Tolgay Arslan kurz vor Schluss wegen groben Foulspiels die Rote Karte.

Total frustriert trotteten die Verlierer vom Platz. "Da fehlen mir die Worte. So wie wir heute aufgetreten sind, das ist unverantwortlich", wetterte Piotr Trochowski. "Ich bin fassungslos und kann es nicht erklären", meinte der glücklose Mladen Petric.

HSV in einem katastrophalen Zustand


Dagegen war Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick nach dem Ende der 1899er Negativserie von sieben sieglosen Spielen glücklich und erleichtert. "Das tut unheimlich gut. Das war heute auch für die Fans ein guter Tag. Natürlich haben uns die zwei frühen Tore gut getan. Ich glaube, wir haben heute in einem Spiel so viele Tore geschossen wie in den letzten sechs, sieben Spielen nicht", meinte Rangnick.

Vier Tage vor dem Halbfinal-Rückspiel beim FC Fulham präsentierte sich der HSV in einem katastrophalen Zustand und konnte kaum Hoffnungen auf das Erreichen des Endspiels im eigenen Stadion wecken. Vor 30 150 Zuschauern sorgten Vedad Ibisevic in der 2. und 11. Minute und Chinedu Obasi (31./72.) jeweils mit einem Doppelpack sowie Sejad Salihovic (77.) für den verdienten Erfolg der TSG. Für den HSV traf Robert Tesche (65.).

"Hinten nix, in der Mitte nix und vorne nix"


Mit der Rückkehr zum Spaß-Fußball bereiteten die Kraichgauer ihrem Mäzen Dietmar Hopp ein vorzeitiges Geschenk zu dessen 70. Geburtstag an diesem Montag. "Heute sind sehr schöne Erinnerungen wach geworden. Es war ein tolles Geschenk", sagte Hopp gerührt, der mit Manager Jan Schindelmeiser und Coach Rangnick noch viele schöne Siege erleben möchte: "Ja, wir machen mit beiden weiter."

Der Auftritt des Gastgebers in Hälfte eins erinnerte an die Gala in der Vorsaison, als der damalige Aufsteiger den Bundesliga-Dino mit 3:0 besiegt hatte. "Hinten nix, in der Mitte nix und vorne nix - macht 0:3", kommentierte Hoffmann zur Pause im Fernsehsender "Sky" den teilweise lustlos wirkenden Auftritt der Gäste.

Die HSV-Abwehr sieht alt aus


Die luden den Gastgeber mit haarsträubenden Fehlern förmlich zum Toreschießen ein. Schon nach 78 Sekunden patzte Joris Mathijsen gegen Ibisevic, der das Geschenk dankend annahm. Neun Minuten später war der bosnische Stürmer bei einer Flanke von Andreas Beck mit dem Kopf erneut zur Stelle und erhöhte sein Trefferkonto auf zwölf. Auch beim dritten Gegentor von Obasi, der nach Vorarbeit von Christian Eichner nur noch einzuschieben brauchte, sah die HSV-Abwehr alt aus.

Auf der Gegenseite erlebte Daniel Haas, der den wegen eines Muskelfaserrisses fehlenden Timo Hildebrand vertrat, im Hoffenheimer Gehäuse einen ruhigen Nachmittag. Lediglich bei einem Freistoß von Trochowski (41.) musste Haas eingreifen. Ansonsten blieb der HSV blass und ließ über weite Strecken Bundesliga-Format vermissen.

Hoffmanns Hoffnungen auf eine Steigerung nach dem Wechsel erfüllten sich nicht. Hoffenheim dominierte weiter nach Belieben und hätte die Führung durch Ibisevic (52.), der nur den Pfosten traf, ausbauen können. Erst nach einer Stunde kam der Nordclub etwas besser ins Spiel und durch Petric, der aufgrund akuter Personalprobleme von Beginn an ran musste, zu einer Chance. Tesche düpierte kurz darauf den zu weit vor dem Tor stehenden Haas mit einem Heber aus 25 Metern, doch Obasi stellte bei einem Konter den alten Abstand wieder her. Salihovic setzte dann den Schlusspunkt.

Wolfsburg verspielt letzte Europa-League-Chance

Cedrick Makiadi hat seinem Ex-Club VfL Wolfsburg die letzte Chance auf eine Teilnahme an der Europa League vermasselt. Der deutsche Meister unterlag am drittletzten Spieltag der Fußball- Bundesliga beim SC Freiburg mit 0:1 (0:1) und verhalf den Breisgauern zu einem weiteren Big Point im Abstiegskampf. Dem früheren Wolfsburger Makiadi gelang mit einem tückischen Aufsetzer am Sonntag das einzige Tor (38. Minute) für die stark aufspielenden Freiburger.

Damit konnte der SC vor 22 700 Zuschauern die Patzer der "Kellerkonkurrenten" Hertha BSC, Hannover 96, VfL Bochum und 1. FC Nürnberg nutzen und hat als 14. nun drei Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Sollte Bochum am kommenden Spieltag beim FC Bayern München nicht gewinnen, hätte der SC Tabellenrang 16 sicher und könnte nicht mehr direkt in die Zweite Liga absteigen.

Ein Aufsetzer aus 25 Metern


Die in den ersten 45 Minuten enttäuschenden Wolfsburger dagegen verspielten nach dem 2:0-Sieg des VfB Stuttgart am Freitagabend in Bochum ihre letzte Chance auf den sechsten Tabellenplatz und sind in der kommenden Saison in keinem internationalen Wettbewerb vertreten.

Bei 25 Grad im sommerlich-warmen Breisgau brachten die Gastgeber den deutschen Meister von Beginn an gehörig ins Schwitzen. Mohamadu Idrissou (14.), Johannes Flum (23.), Makiadi (36.) und Jonathan Jäger (37.) vergaben die ersten Torchancen. Besser machte es Makiadi, der von 2002 bis 2008 das Wolfsburg-Trikot trug, sieben Minuten vor der Pause. Mit einem Aufsetzer aus 25 Metern bestrafte er die "Wölfe" für ihre Passivität und ließ Torwart Diego Benaglio nicht gut aussehen.

Der SC trat in den ersten 45 Minuten nicht wie ein Abstiegskandidat auf. Die Mannschaft von Trainer Robin Dutt imponierte durch eine gute Raumaufteilung und kreatives Flügelspiel. Dagegen konnten sich die Gäste aus Niedersachsen nicht eine Tormöglichkeit erarbeiten - das Fehlen von Regisseur Zvjezdan Misimovic (Wadenzerrung) machte sich deutlich bemerkbar.

Grafite und Dzeko weitgehend abgemeldet


"Die Halbzeit war herausragend. Das Tor war eine Belohnung für eine richtig gute Leistung", sagte Freiburgs Sportdirektor Dirk Dufner in der Pause beim TV-Sender Sky. "Wir haben unglaublich diszipliniert gespielt." Zunichte waren damit auch die Wolfsburger Hoffnungen auf den fünften Auswärtssieg zu null in Serie.

Aber immerhin ging der VfL nach dem Wechsel engagierter und offensivfreudiger zu Werke. Die Kabinenansprache von Lorenz-Günther Köstner in seinem drittletzten Einsatz als VfL-Chefcoach schien gefruchtet zu haben. Grafite konnte sich nach einer Stunde erstmals in Szene setzen, schoss aus spitzem Winkel aber über das Tor.

Ansonsten waren die hochgelobten Angreifer Grafite und Edin Dzeko bei den Freiburger Verteidigern Felix Bastians und Oliver Barth weitgehend abgemeldet. Mit dem knappen Vorsprung im Rücken ließen es die Badener in den zweiten 45 Minuten ruhiger angehen. Grafite vergab zweimal kläglich (68. und 77.). Mit kompakter Abwehrarbeit und etwas Glück retteten die Freiburger den Sieg.

DPA/ins/DPA

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