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Der Wett-Skandal wird erstklassig

Die Fußballaffäre um bestochene Schiedsrichter und Spieler erreicht jetzt auch die Bundesliga. Entscheidungen des Schiedsrichters Jürgen Jansen im Spiel Lautern gegen Freiburg im November sollen einigen Spielern schon damals komisch vorgekommen sein.

Der Wett-Skandal ist aufgestiegen: In die Bundesliga, die bislang als sauber galt. Bisher schien sich die Affäre "nur" auf zweite und dritte Liga zu beschränken, sowie auf eine Pokalbegegnung. Nun soll aber auch ein Bundesligaspiel geschoben worden sein: Die Partei zwischen dem 1. FC. Kaiserslautern und dem SC Freiburg am 27. November 2004.

Das soll laut "Süddeutscher Zeitung" (SZ) zumindest Robert Hoyzer behaupten, der seinem Essener Kollegen Jürgen Jansen indirekt Manipulation vorwirft. In dem Spiel, das Kaiserslautern 3:0 gewonnen hatte, soll Jansen dem Bericht zufolge zwei Stürmerfouls des Lauterer Spielers Carsten Jancker nicht geahndet haben. Die SZ berichtet, Hoyzer soll entsprechende Hinweise von dem mittlerweile festgenommenen Kroaten Ante S. erhalten haben. Das gehe aus den Vernehmungen bei der Staatsanwaltschaft hervor.

Freiburg hält sich bedeckt

Der SC Freiburg hat sich zum Verdacht der Manipulation seines verlorenen Bundesliga-Spiels Schiedsrichter Jürgen Jansen zurückhaltend geäußert. "Ich kann mich erinnern, dass in dem Spiel zwei umstrittene Entscheidungen zu Gegentoren für uns geführt haben. Wir sollten uns mit direkten Äußerungen aber noch bedeckt halten", sagte SC-Trainer Volker Finke der Nachrichtenagentur.

Der 1. FC Kaiserslautern wollte überhaupt keine Stellungnahme abgeben. "Wir verweisen in all diesen Dingen an die Zuständigkeiten beim DFB, der DFL und gegebenenfalls an die Staatsanwaltschaft", sagte Pressesprecher Michael Novak am Dienstag. Darauf hätten sich die Mitglieder der Vereinsführung und das Präsidium in einer Sitzung geeinigt.

Freiburgs Kapitän Richard Golz berichtetet, dass Jansens Entscheidungen damals innerhalb der Mannschaft diskutiert worden seien. "Doch wir vermuteten natürlich nichts in Richtung Manipulation. Ich wäre im Leben nicht darauf gekommen, dass da was sein könnte." Stürmer Ellery Cairo erklärte: "Ich habe damals gespürt, dass etwas komisch war. Doch man denkt nicht gleich an einen bestochenen Schiedsrichter."

Jansen soll Kontakte zur Wettmafia gahabt haben

Jansen hatte bereits am Montag in einer eidesstattlichen Versicherung eine Beteiligung an Manipulationen zurückgewiesen. Laut "Bild", die sich auf Ermittlerkreise beruft, soll Jansen über einen Mittelsmann für die kroatische Wettmafia angeworben worden sei. Dabei soll es sich um den früheren Fifa-Schiedsrichter Wieland Ziller aus Dresden gehandelt haben. Dieser wies in dem Blatt die Anschuldigung als "ungeheuerlich" zurück: "Ich habe mit dem Fall nichts zu tun", so Ziller. Der Vorsitzende des DFB-Kontrollausschusses, Horst Hilpert, hatte gesagt, es gebe keinerlei Anhaltspunkte, dass ein Erstliga-Spiel verpfiffen worden sei.

Nach Berlin rückt nun auch Dresden in den Mittelpunkt des Wett-Skandals. Von den insgesamt neun beschuldigten Profis haben bisher Thijs Waterink (SC Paderborn) und auch Ignjac Kresic von Dynamo Dresden zugegeben, im Zusammenhang mit Pflichtspielen Geld von unbekannten Dritten erhalten zu haben. Kresic bestätigte nach dem 3:2 im Regionalligaspiel gegen Preußen Münster einen Geldbetrag in Höhe von 15.000 Euro für die Mannschaft erhalten zu haben. Und auch Dresdens Trainer Christoph Franke hat nun eingeräumt, dass die Mannschaft in dem Regionalligaspiel von einem unbekannten Dritten diese Zahlung erhalten hat. Das Geld sei als zusätzliche Motivation verstanden worden und später in die Mannschaftskasse geflossen.

"Ich bin damals von einem Sponsor gefragt wurden, ob wir in der Lage sind, Geld anzunehmen, wenn wir das Spiel gewinnen. Wenn wir gewinnen, soll mir das recht sein, habe ich gesagt", so Franke, der am stets beteuert hatte, nichts von Geldzahlungen zu wissen. Über die Identität des Gönners wisse er nichts mehr. "Das ist so lange her, das kann ich jetzt nicht mehr sagen." Laut "Sächsischer Zeitung" sei einer der drei fest genommenen Kroaten aus dem Berliner Cafe King als privater Sponsor aufgetreten.

"Von wem das Geld kam, weiß ich nicht. Wir dachten, das ist ein Fan. Erst später haben wir gehört, dass er auf uns gewettet haben soll", sagte der frühere Dynamo-Spieler Ranisav Jovanovic, der jetzt beim Bundesligist FSV Mainz 05 aktiv ist, den "Dresdner Neuesten Nachrichten" und fügte an: "Der Trainer hat es abgesegnet."

Ranislav Jovanovic soll ebenfalls Zahlungen erhalten haben

Von Dresden nach Mainz und zurück: Auch der Mainzer Profi Ranislav Jovanovic soll in dem Fußball-Wett-Skandal verstrickt sein. Nach ZDF Informationen soll der ehemalige Spieler von Dynamo Dresden Zahlungen von einem der festgenommenen Verdächtigen erhalten haben. Diese erfolgten im Zusammenhang mit der Begegnung Dynamo Dresden gegen Preußen Münster am letzten Spieltag der Regionalliga Nord in der Saison 2002/03.

In wie weit die Reihe von Verdächtigungen stimmen oder nicht bleibt aber weiter unklar. Denn die Berliner Staatsanwaltschaft wollte sich auch am Dienstag noch nicht zu den Presseveröffentlichen äußern. "Ich habe keine Ahnung, wo die Informationen herkommen", sagte Sprecher Michael Grundwald. Da gebe es viele Möglichkeiten, auch innerhalb der Ermittlungsbehörde, so der Sprecher.

Grüne werfen DFB mangelnde Klugheit vor

Auch die Reaktionen aus der Politik stammen mittlerweile aus der obersten Klasse. So fordert der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber, dass der Deutsche Fußball-Bund in der Manipulationsaffäre im deutschen Fußball so hart wie möglich durchgreift. Der sportpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Winfried Hermann, hielt dem DFB mangelnde Klugheit vor, weil er den offenkundigen Verdachtsmomenten in dem Wett-Skandal nicht kritisch genug nachgegangen sei.

Der ehemalige Fifa-Schiedsrichter und jetzige CDU-Bundestagsabgeordnete Bernd Heynemann beklagt, dass die Informationslage "immer verworrener" werde. Der DFB habe noch keine Einsicht in Ermittlungsakten, aber in den Medien würden schon viele Namen gehandelt. Notwendig sei jetzt Klarheit und nicht neue Beschuldigungen, so der Politiker.

Mit Material von DPA/AP/AP

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